Beiträge aus der Kategorie ‘Reisebuch-Der Weg hin‘

Die Gerade

verfasst am 3. Juli 2009

Eigentlich wollte ich bis Kasachstan nur die Autobahnen und Schnellstrassen nehmen. Obwohl ich vielmehr diese kleinen Feldwege liebe. Da besteht dann doch die Gefahr in drei Monaten nur bis Thüringen zu kommen. Aber dann sah sich diese Strecke nach Gera doch gar zu umständlich aus. Also runter von der Bahn.

Immerhin ist die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten die Gerade. Aber nicht so in Ostdeutschland. Ich hab noch nie in meinem Leben so viele komplett gesperrte Ortsdurchfahrten gesehen. Mein Navi auch noch nicht.

Zwei Versuche hab ich mir gegeben. Danach war ich es satt, und hab wieder die Gerade bevorzugt.

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Okay, die führte mich ziemlich vom Hauptweg ab, aber idyllisch war es.

Und als ich dann am Ende des Waldes vor dieser Schranke stand, da war das auch kein Problem. Dreikant rausgeholt und Schranke aufgesperrt (und wieder abgesperrt).

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Allerdings,

wenn das so weitergeht, dann hab ich meine Bedenken den Pamir dieses Jahr noch zu erreichen.

Service GROSS geschrieben

verfasst am 3. Juli 2009

Ich bin unterwegs zum Pamir.

Den Auftakt machte am Dienstag die TÜV Station in Geilenkirchen (what a name…).
„Ohne Mängel“, aber die Gasdruckprüfung hatte ich fast vergessen, dafür gabs den Reisestart dann letztlich erst am Dienstg.

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Nächstes Etappenziel: der MAN Service in Gera. Denn das hatte ich in der Heimat nicht mehr geschafft.

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Was muss ich erzählen ?

Die erste Geschichte der Reise handelt von den dienstfreundlichen Ostdeutschen. Bei MAN in Gera arbeiten die Kfz Meister im Schichtbetrieb. Termine bis 21h ? Garkein Problem. Ich musste nur kurz stutzen, als mein Mechaniker alles stehen und liegen liess, um seine Mittagspause zu machen. Um 19 Uhr !!

Zunächst verwehrte eine geplatzte Hydraulikleitung den Blick unters Fahrerhaus, also austauschen. Dann alle Flüssigkeitsstände checken, Ölwechsel, Kraftstoffilter wechseln und schnell bekomme ich noch vorgeführt, wie man die gesamte Dieselzuleitung entlüftet.

Noch ein paar Ersatzteile wie Keilriemen, Motoröl und Glühlampen und weiter geht’s.

Ach übrigens: ich hab einen sehr modernen LKW, denn abzuschmieren gibt’s am Gelben nix mehr.

Willkommen im Ausland

verfasst am 3. Juli 2009

Weiter gehts nach Polen.
Gutes Wetter, gute Bahn. Aber anstatt noch ein paar kleine Einkäufe in Görlitz, der letzten Gelegenheit in Deutschland, zu erledigen verpasse ich die Abfahrt und lande im Ausland.
Und das begrüsst mich sofort mit einem infernalischen Unwetter. Zwangspause.
Ein Gang in den Koffer….: oh Schreck Wassereinbruch !!!!!

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Zeit für den Hausputz. Da klebte eh noch der Schreinerstaub auf dem frischen nagelneuen und feinen Fussboden.
Da hatte ich gestern abend ganz einfach vergessen die Dachluke zu schliessen. Auweija.
Die weitere Fahrt bis kurz vor Warschau gabs dann keine weitere Überraschung. Kostenloses WLAN auf nem ganz schönen Truckerparkplatz, mit Service rund um die Uhr, aber das hatten wir ja schon. Gute Nacht.

3. Reisetag. Südlich vor Warschau/Polen, 1.260KM gefahren.

Ukraine

verfasst am 6. Juli 2009

1.200Km durch die Ukraine. Einiges an MainRoad, aber auch quer durch.

Die Strassen gehen eh fast nur geradeaus, für mich immer nur nach Osten.

Durch Weizenfelder bis zum Horizont, wie in Canada.

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Gestern war die Magistrale wg. Bauarbeiten voll gesperrt.

Da musste ich die nächste Querverbindung weiter südlich nehmen.

Aber keiner hat mir gesagt, das die erst 100 (!) Kilometer weiter unten zu finden ist.

Völlig entspannt. Schonend für Motor und Nerven.

Ohne Navi, mit grober Karte (1: 3,75mio).

aber mit Kompass (im Navi…)

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Geht alles.

Und man kommt in Kontakt mit den Einheimischen.

Hier gibt es sogar noch Bahnschrankenwärterinnen. Und die kennen sich aus. Sogar auf den Strassen.

Und was wenns mal heiss wird?

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Hitzefrei für LKW Fahrer?

Keine Sorge, es hat sich keiner dran gehalten.

Der Teerbelag ist hin, und zwar überall.

Aber die zahlen bestimmt hier auch erheblich weniger Steuern und natürlich keine Maut.

Passt doch

Und die Harten ?

Na die kommen hier auch, wie immer und überall, in den Garten….

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Ein anderes Phänomen hab ich sofort vom Segeln in Kroatien wieder erkannt.

feine-damen

Die jungen Mädels, zwischen 16 und sagen wir 24 sind heraus geputzt, das eine(m!) der Atem stockt.

Da geht die volta: schauts her, ich bins!

(Foto aus Kiew, und Foto aus Ukraine)

Der “Mittelbau” fehlt komplett. Die sind von der Strasse gefischt, geschwängert, und kümmern sich um Brut und Aufzucht.

Erst die Mädels ab 50, die sind wieder auf der Strasse zu sehen.

In Kittelschürze, mit Kopftuch und kaputtem Rücken und oft auch am Stock (…gehend…).

(2.400km gefahren, 6.Reisetag)

Der Glaube an die Obrigkeit

verfasst am 10. Juli 2009
090709-ukraine-kirchen-01 Wär ja ziemlich böd, wenn ich ausserhalb der Grenz-Gänge nix zu berichten wüsste. weiss ich aber doch….
Bis Astrachan, hier in südsüd Russland an der Wolga hab ich jetzt rund 4.000 Km gefahren. Manches bringt mich in Erstaunen.
Die vielen vergoldeten und extrem bunten, fröhlich wirkenden Kirchen,
und die gläubigen Osteuropäer.

Ich hab immer gedacht, wir Deutschen seien ein Volk von Bürokraten und Dienstern regiertes Volk.

Stimmt nicht ganz: so viel Anarchie wie ich mir in Deutschland ungefährdet erlaube…, da wär ich in der Ukraine oder in Russland schon längst auf dem Scheiterhaufen gelandet. Und zwar interdisziplinär.

090709-ukraine-kirchen-11 Klar versuchen sie zum Beispiel im Strassenverkehr den grossen Mann zu markieren, mit ihren Ladas und Moskvitschs. Aber es hupt kein Mensch!
Roten Ampeln wird unbedingter Respekt gezollt. Und welche Macht hier ne durchgezogene Linie auf Überlandstrassen hat ist phänomenal. Egal ob mit oder ohne Gegenverkehr, Linie kreuzen ist völliges tabu.

In Volgograd hab ich dann mal mein Horn bemüht, als mich einer zu schneiden versuchte. Der hat sofort die Notbremse gezogen. Insoweit sind sie weniger stur und rechthaberich als in WessiLand.

Aber das haben sie wohl auch in frühren Generationen gut abtrainiert bekommen.

090709-ukraine-kirchen-3 Die Allmacht der Polizei drückt sich vor allem in Strassenkontrollen aus.
Ähnlich wie neuerdings in Ägypten bauen sie Barrieren auf, die im Schrittempo zu durchfahren sind,
oder sogar alle vorbei wollenden Autos müssen stoppen, und erst nach Kopf nicken darf es weiter gehen.

Auto fahren in Osteuropa ist easy und ungefährlich.
Solange man sich an die Regeln hält.
Das hab ich in der Ukraine zweimal versäumt.

090709-ukraine-kirchen-41 Zunächst mal unwissentlich.
Ich bekam auf der Landstrasse rechts ne Spur dazu und hab sie nicht sofort genutzt, obwohl keiner hinter mir war  der mich hätte überholen können.
Kostet normal rund 50 Euro. Ein verdeckt hinter mir fahrender Polizeiwagen hatte es gesehen, hat mich überholt, und bei der nächsten Strassensperre stand er dann und lauerte auf mich.

Ich war mir keiner Schuld bewusst, sollte aber dennoch zur Bank gehen.
Nach 25 min geb er entvervt auf und liess mich ziehen. das Protokoll war schon ausgefüllt, er hats zerrissen. Mangels Sprachverständlichkeiten.
Ein Mitreisender aus Herford, mit dem CampingGespann unterwegs, kam nicht so leicht davon.
Selber Fehler. Aber er ist gebürtiger Kasache und des rusischen mächtig. Er erzählte mir, dass er “alles bare” angeboten habe. Jedenfalls das nicht versteckte. Macht 25 Euro. Aber eingesehen hat er seinen Fehler dennoch nicht. Dafür war er zu sehr deutsch. Wie ich.

090709-ukraine-kirchen-30 Zweites Strafmandat.
Ich war allein auf weiter Flur unterwegs und hatte die Orientierung verloren. Irgendwo musste es für mich doch links abgehen.
An einer Kreuzung hielt ein Moped an, und ich steuerte mit dem Gelben direkt auf die beiden zu.
Ich stand mitten in der leeren Kreuzung im leeren Land und unterhielt mich mit den beiden.
Sie gaben erschöpfend Auskunft, ich wollte losfahren, da standen sie schon. Die Herren Polizisten.
Und der Meister hatte sogar ein Foto zum Beweis mit seiner DigiKamera gemacht, als ein anderer Pkw einen Schlenker von geschätzt 15cm um meinen Gelben herum machen musste.
Er war sich seines Mandats sehr sicher. Entsprechend lang war die Diskussion.
Die Polizisten haben in der Ukraine alle so ein dickes Buch bei sich. Jede Gesetztesübertretung ist da beispielhaft mit einer kleinen Grafik dargestellt. Und es gibt hunderte davon in diesem Buch. So können sie sich den Redefluss sparen und zeigen mit dem nackten Finger nur auf das betreffende Bild. Das sieht ziemlich souverän aus.

Und jetzt ich.
Das übliche Programm: “Camping”, “Holiday”, “German Tourist”, “Ukraine gucken”, und das waren doch nur Sekunden der Verkehrsbehinderung.
Er war im Recht und ich im Nachteil. Also hat es gedauert.
Ich fragte ihn dann mal ob er englisch könne, und er antwortete ob ich russisch könne. Und da war noch etwas. Von gaaanz früher.
“Ma drug”, mein Freund, hab ich ihm zugerufen, und “Patschtalion” (=Briefträger): Darauf hat er nur geantwortet “Banki”, was soviel wie “Bank” heissen wird. Blödes Wort.
Mit dem “Ma drug” hab ich dann nicht locker gelassen, und ihn nach seinem Vornamen gefragt. “Nikolai”, hat er etwas verschämt geantwortet, und ich hab “Günther” darauf gesagt.
Aber das wusste er ja schon, er hatte ja schliesslich meine gesamten Papiere noch fest in seiner Hand.
Aber bei dem “drug” da wurde er weich. Das kam ganz gut. Dann noch zwei-, dreimal “Ukraine” und “Holiday” und so, und entlassen war ich.
Obwohl, Recht hatte er ja,
aber in Deutschland…, da wär ich auch so vom Glauben abgekommen,
von dem der eifrigen Dienstherren, und von dem der Kirche sowieso.

(10.Juli 09, 10.Reisetag; Tmax heute 34°, bedeckt, seit 9 Tagen ohne Regen, Vollmond (auch hier), r4.100 gef Km.)

Fit in Russland

verfasst am 12. Juli 2009
090711-2-schild-g So ist das eben:

Wenn man für den Breitensport etwas unternehmen will,
dann muss man darauf achten,
dass es jeder ganz einfach,
am besten überall und unabhängig von Altersklassen
ausüben kann.
Ganz einfach.

Und da haben die Russen eine tolle Idee gehabt (und viele andere Staaten habens inzwischen, meist halbherzig, abgekupfert…)

Die Spielregeln passen auf ne Blechtafel, erschliessen sich mir aber nicht im Detail, dass ist für mich die falsche Tastatur, ist aber auch nicht so schwer.

090711-1-schild-anleitung1 Es geht ums Müll-weit-werfen.

An vielen Strassen stehen diese Hinweistafeln.
Das kleine Zusatzschild unten weist auf die geforderte Weite hin.
Und die schwankt.
Spannung ist ja wichtig im Sport.

Trainiert werden kann überall,
Müll hat schliesslich jeder schnell zur Hand.
Allerdings mit sehr gemischtem Erfolg…

…wie man flächendeckend leider allerorten sehen kann.

090711-3-zielkreis Balljungen wie beim Tennis gibts leider nicht,
so dass die Fehlwürfe einfach liegen blieben.
Okay,
da wären wir dann auch schon beim grössten Nachteil dieser Disziplin.

Und weil eben ein jeder übt,
bleibt ziemlich viel auch liegen.

090711-6-verbrannt Egal,
probieren geht über studieren,
und rund um den Zielkreis sieht es dann auch schonmal so aus

Aber auch dafür gibts ne Lösung.

Ab und zu wirft eben einer
statt ner allseits beliebten PET-Flasche,
ein brennendes Streichholz Richtung Korb,
und schon kurze Fackel später wird das Ziel wieder sichtbar.

090711-7-myself Wenn allerdings die Herrschaften sooo schlechtes Zielwasser haben,
dann will ich DA garnicht erst reingehen.
Das ahn ich schon…..

Schoener wohnen in Kasachstan

verfasst am 13. Juli 2009
za-090714-strasse Ich bin auf der legendaeren Seidenstrasse unterwegs, Kurs Suedost. Seit Tagen.
Die Grenze hinein nach Kasachstan.
Ich lasse Europa hinter mir.
zc-090714-silhouette-2 Vorboten anderer Kulturen zeigen sich am Horizont.
Silouetten von kleinen, reichen Staedten,
in der Weite der kasachischen Steppe.
ze-090714-silhouette Magisch fuehl ich mich von ihnen angezogen.
Wer wohnt wohl da?
zg-090714-stadt-mit-dachern Je naeher ich komme, je fremdartiger das Bild.
Kleine Grundstuecke,
die Vielfaeltigkeit der Baustile,
und jedes fuer sich ein Kleinod,
ein Unikat.
Raffinierte Ornamentik.
Prachtvoll ausgestattet.
zj-090714-03-daecher-b Ich bin beeindruckt von der kraftvollen Ausstrahlung,
von dem selbstbewussten Auftritt,
und das in der Weite des Nichts.
zk-090714-ornamentik Halte immer wieder an,
wandere durch vier, fuenf Siedlungen,
bin fasziniert.
zm-090714-pyramide Erkenne Einfluesse weit entfernter und laengst vergangener Kulturen.
zq-090714-taj-mahal-m-gelb Wer hier baut,
hat seine Ruhe gefunden…
zx-090714-v-blick
zz-090714-z-mit-mir-im-schattenriss … und wenn es seine letzte ist….

Desaster in Rot und Nuss

verfasst am 15. Juli 2009
090713-1-steppe-gelb-t Kein ordentlicher Blog,
der nicht nach der Gunst seiner Leser schielt.
Und womit faengt man den Verehrten ohne Umschweife ?
Richtig. !

Mit den Mastern of Desaster.
Es gilt also von Katastrophen zu berichten.

090713-2-kiste-n Okay,
ich bin jetzt knapp 6.000km unterwegs.
Davon waren rund 200Km heftig.
Die Muehle rappelte, dass es einem im Herze quaelte.
Anderseits sieht der Gelbe eben auch genau so aus,
das er es wegsteckt.

Hat er auch.
Und zwar ziemlich souveraen.

090713-3-kiste-g Deshalb gibts auch keine Desaster.
Garkeine ?

Nunja,
eins von einer etwas anderer Sorte.
Naemlich der Roten.
Bruch im Heckstauraum.
Ein Pastaglas,
was ne Sauerei.
Nebenan die Tomatendose war auch schon aufgeplatzt,
aber es ist hier so heiss, die sind eintrocknet bevor ich sie entdeckt hatte.

090714-desaster-nusspli-1 Aber es kommt noch doller….

Desaster No2.
Der DoppelblindTest geht nicht mehr.
Mein ReferenzNusspli aus den neuen deutschen Bundeslaendern,
hats aus dem Oberschrank gerissen.
Weil der den Riegel nicht halten konnte.
Was ne Sauerei.

090714-desaster-nusspli-2 Dabei haette der Schaden weiss Gott groesser sein koennen.

Immerhin hats rund 10 Dosen und Glaeser kullern lassen.

Aufgewischt,
weggemacht.
Kein Problem ?
Sag ich doch !
Aber sorry Heike,
ich brauch ein neues…