Beiträge aus der Kategorie ‘Reisebuch-Tadschikistan‘

Prolog.

verfasst am 22. Juli 2009
090722-fanm-03-berge-m-schnee Tadschikstan wir kommen,
langsam,
aber neugierig.
Zunächst mal direkt hinter der Grenze rechts ab:
Die Fan-Mountains.
Zum Einüben.

Die Seven-Lakes-Tour.
60Km Sackgasse mitten hinein in die Berge.

090722-fanm-06-schraeger-gelber Der Gelbe darf ein bisschen hüpfen
und auch auf der Kante spazieren fahren.

Geschwindigkeit?
7 Km in einer Stunde.
15 Km in zwei Stunden.
Zu Fuss wäre ähnlich schnell,
aber ohne den ganzen Rotkohl, Orangensaft, Sauerkraut etc..

090722-fanm-07-kindergruppe Fast ein bisschen lang unterwegs an diesem Tag.
Es wird schon Dunkel.

Die Einladung des Dorfes auf ihrem Marktplatz zu übernachten lehnen wir dann doch freundlich ab,
und fahren noch ein kurzes Stück weiter.

In zwei Km soll sowieso die Strasse aufhören.

090722-fanm-09-ubernachtung Am nächsten Tag sieht dann doch unser improvisierter Übernachtungsplatz ganz hübsch aus.
Laut war er eh.
Aber das hilft beim Einschlafen.
090722-fanm-14-berge-m-schnee2 Nächster Morgen?
Auto stehen lassen,
zu Fuss weiter.
See No 7 wartet.
Auf der Seven-Lakes-Route in den Fan Mountains.
Umgeben von gut 4.000ern mit ihren letzten Schneekappen.
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090722-fanm-17-m-see-t Uiuih, was ne feine Trecking Tour.
Und das Licht,
und die Sonne,
und dieses Türkis,
und..,

Fans der Fan-Mountains.

verfasst am 22. Juli 2009
Wir gondeln langsam die
“Seven-Lakes-Tour” zurück.

Die Strasse setzt Grenzen,
aber diese Landschaft lässt auch nicht los,
will nicht loslassen…,
wir auch nicht.

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Hier, rund 50 Km entfernt von der Zivilisation sind die Menschen scheu.
Die Mädchen nehmen die Hand zum Gesicht, um es chinant zu verbergen.

Aber allein ein Winken,
oder ein Griff mit der rechten Hand zum Herzen,
“Salam”,
vermag die Barriere in MilliSekunden zu brechen,

alles lächelt,
zeigt den Daumen nach oben,
winkt zurück.

Entfernte Welten treffen sich,
so nah….,
so spontan…,

“One World….”

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Die Rückfahrkamera produziert Bilder wie aus dem Fernsehen.

Aber er ist nah,
dieser reissende Schmelzwasserfluss,
rund 3 Meter,
direkt hinter uns.

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090722-fanm-20
Weit kommen wir nicht auf unserer Rücktour
14 Km,
und wir campieren an See
No 4 oder 5.
Dringende Reparaturen stehen an.
090722-fanm-21-saeco-t
Die Saeco will nicht mehr.
Zuviel Wasser ist durch die Rüttelpisten in die Bohnen geraten und hat sie weich gemacht.
Das Mahlwerk rührt nur noch in einem Brei.

Stunde später,
und ich verkoste den ersten doppelten Expresso…, geil !

090722-fanm-22-saeco-n
Wieder ne Stunde später,
ich hab landestypisch gekocht:
Rotkohl, Semmelnknödeln und Schweinegulasch.
Wir sind schliesslich eine österreichisch-deutsche Fahrgemeinschaft.

Das soll alles “The Pamirs” noch steigern können?
Reinhard meint ja.
Ich nehm ihn beim Wort.

(Tmax heute = 28° auf 2.400m Meereshöhe,
leicher Wind, Fotowolken,
Tmax FlussWasser = 6°, bbrrrr)

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Getreidekomprimierer

verfasst am 23. Juli 2009
Da ist noch ne nette Episode aus den Fan Mountains nachzutragen.
Auf dem Weg in die Berge lag ne Menge Stroh auf dem Asphalt herum.
An sich kein Problem, der Gelbe kann ja auch locker neben der Strasse fahren. Aber die kleinen Steinhaufen waren schon irgendwie komisch.
Und als ich so am Lenkrad drehe, da gibts aussen ein Geschrei.
1-090723-getreide-gesperrt
Ich möge doch bitte gerne mittendurch fahren.
Achso, der Gelbe als Getreidekomprimierer.
Das kann er bestimmt besonders gut.
Allein seine Reifengrössse ist so ziemlich das breitste was hier so rumfährt.
2-090723-getreide-von-innen
Und weil wir eben auf Urlaub sind,
setzt ich auch gleich noch mal zurück, und fahr eine Reifenbreite weiter rechts nochmal durchs Stroh.
9 Tonnen durch vier macht gut 2 Tonnen Druck pro Reifen,
das nenn ich ganze Arbeit
3-090723-getreide-raeder-g
Und womit keiner gerechnet hat,
ich fahr noch ein drittes,
ein viertes,
ein fünftes mal drüber,
bis das der Berg verschwunden ist.
Da lacht Herr Bauer,
und ich darf sogar ein Bild von seinem strahlenden, allerdings fast zahnlosen Lächeln machen.
Wir sind in Asien.
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Tunnelhorror

verfasst am 24. Juli 2009
090723-tunnel-0-anfahrt Ich bin unterwegs auf der wohl wichtigsten Nord-Süd-Verbindung ganz Tadschikistans:
von Taschkent/Usbekistan nach Dushanbe.
Die Strasse muss die “Hisor Range” überwinden. Eine Gebirge bis knapp 5.000m.
Statt einer 66Km Passstrasse wird seit einiger Zeit an einer neuen Tunnelstrasse gebaut.
Tunnellänge auf dem Scheitelpunkt rund 5Km.
Und die Geschichten um diesen Tunnel erreichten mich schon lange vor Reisestart in Deutschland.
Auweija.
090723-tunnel-1-hauptroute Ganz in echt:
so genau sieht die Tunneleinfahrt aus,
ein riesiger SchlammSee,
Betonsilo rechts, Baufahrzeuge aus China. Schotter der groben Sorte.
Die haben den sehr unfertigen Tunnel wohl schon freigegeben
(in Europa völlig undenkbar)
weil die Passstrecke auf 3.300m Höhe geht
(ebenso in Europa nicht vorhanden)
und seit 2 Jahren nicht mehr gewartet wird.
090723-tunnel-2-haupt LKW der rote rechts,
fast bis zur Achse + Stossstange im See versunken,
der blaue LKW gegenüber wartet auf mich,
dass ich durch den See durch bin,
den er fährt in Gegenrichtung genau in meiner Spur,
nen anderen Weg gibt es nicht.
090723-tunnel-3-einfahrt1 Einen Moment später,
jetzt erst seh ich die Tunneleinfahrt….
ein schwarzes Nichts.
Innen ist der Tunnel noch völlig im Rohzustand,
Ganz gut zu fahren,
so mit 10 km/h,
bis auf die Pfützen.
Wasserflächen, oft 50 Meter lang.
Dann sieht man leider die tiefen Löcher im Boden nicht mehr,
und schlägt entsprechend auf.
Geparkte, unbeleuchtete Autos von Baustellenleuten mitten im Tunnel,
kaum DeckenLicht,
und ein Slalom zwischen arbeitenden Betonmaschinen,
natürlich unbeleuchtet, aber man kann sie gut hören.

Mitten im Tunnel hab ich angehalten,
Motor aus,
und mal meine Lufthupe getrötet,
ein Wahnsinnsnachhall.
Schade, dass ich nicht mehr als einen Ton kann.

090723-tunnel-4 Tunnelausfahrt.
Vor lauter Dieselabgas sieht man in der diesigen Luft wenig.
Ganz rechts unten erkennt man Arbeiter,
ohne Licht,
sie spazieren im Tunnel.
Haben immerhin Gummistiefel an.
090723-tunnel-5 Gegenverkehr ?
Achso, es gibt ja kaum welchen….
Hier in Tadschikistan ist der Autoverkehr wenig entwickelt.
Im ganzen Tunnel haben wir lediglich ein anderes Fahrzeug gesehen.
So gesehen können die Chinesen sich mit dem Strassenbauprojekt Zeit lassen.
Man kommt ja schon durch, irgendwie….

Dushanbe

verfasst am 24. Juli 2009
Dushanbe.
Hauptstadt Tadschikistans.
Ich bin nicht so der Stadttyp,
auf Reisen jedenfalls nicht.

Man merkt schnell, dass hier der Präsident wohnt.

090724-dushanbe-1-praesident
Polizeistreifen,
alle 200 Meter.
Touristen bleiben unbehelligt.

Die Strassen sind müllfrei.
dafür sorgen Nacht für Nacht
viele dutzende Reisigbesen.

Parkanlagen, Springbrunnen, schattenspendende Alleen,
breite Boulevards.

Rechts das Theater der Stadt.

090724-dushanbe-2-theater
Ich setz mich ins Segafredo,
schlürfe nen doppelten Espresso
und nutze den kostenlosen WLAN.

Wer als Europäer in Dushanbe landet, erleidet keinen Kulturschock,
es ist fast alles wie zu Hause.

Nur die Preise erinnern ans asiatische Ausland:
Espresso 0,50€,
Mochito Cocktail 1,50€,
Vier Gänge Menue 1,70€.

Schachlik ist gern genommen.

090724-dushanbe-3-schachlik
Abends setzt in den Parks die grosse Party an.
Musik, auch live,
viele Kinder auf Skates,
Ghettobluster und verliebte Päärchen.

Tmax in Dushanbe 38°, wolkenlos, TNacht 30°;
bisher gef.: 7.500Km;
25.Reisetag;

090724-dushanbe-4-big-bear

unterwex zum Pamir

verfasst am 26. Juli 2009
090727-zum-pamir-1-schelchter-weg Raus aus der Stadt,
wozu bin ich denn hergekommen ?

Die Wahl fällt auf die südliche Route über Kulob zum Pamir.
Sie ist zwar etwas länger, soll aber besser in Schuss sein.

Für die ersten 340km stimmt das auch.
Aber dann gehts rund.

Mehr als 20Km in der Stunde gehen nicht mehr.

090727-zum-pamir-2-bruecke … über Wasser

… durchs Wasser,

das Angebot für Offroader
ist reichhaltig.

090727-zum-pamir-3-furt
090727-zum-pamir-4-grenzfuss Wir treffen auf den Fluss Panj,
und damit auf die afghanische Grenze.
090727-zum-pamir-5-entg-lkw Die erste Militärkontrolle.
Der Soldat nimmts gründlich, schaut in jede Schublade. Er sucht nach Waffen.
Dann fragt er locker nach Sexvideos. Habe ich beides leider nicht.

Beim rausgehen vergisst er sein Sprechfunkgerät.
Bei der nächsten Pause finde ich es
und denke es ist eine gute Idee einen entgegenkommenden LKW anzuhalten und es ihm mit zu geben.

Hmm, war keine gute Idee…

090727-zum-pamir-6-minenschild Ab sofort werden wir steckbrieflich gesucht.
Die Gelbe Tour wird höchstwachsam verfolgt und per Funk weitergegeben..
Wirklich jede Militärkontrolle zwingt uns zum Stopp, fragt nach dem Funkgerät.
Mehrfach reichen unsere Beteuerungen nicht, und wieder eine Durchsuchung.
Langsam wird klar:
wenn das Gerät in afghanische Hände geraten würde,
dann könnten die locker auf einfache Weise den tadschikischen Funkverkehr abhören.
Uiuih.
Vielleicht ein Stoff für den nächsten 007, aber wir werden so etwas bestimmt nicht wieder tun.
090727-zum-pamir-7-abendessen Abends halten wir an einem kleinen Familiienrestaurant an.
Der Hausherr setzt sich zu uns.
Er zeigt auf die andere Flusseite und vergleicht die Grenze mit der deutsch-deutschen.
Auf beiden Seiten wohnen Tadschiken. Sie sprechen die gleiche Sprache und feieren die gleichen Feste.
Bleiben aber getrennt.
Wieso gibts da eine politische Grenze?
Zudem verschlingt die Sicherung dieser Grenze den grössten Teil des tadschikischen Militärhaushaltes.
090727-zum-pamir-8-grenzfluss Und auch wenn wir sie nicht sehen können,
bei jedem Halt kommen sie aus dem Gebüsch, die Militärs
und schauen wachen Auges auf unser Tun.
So breche ich einige Photohalte ergebnislos ab.
Rechts Afghanistan,
links Tadschikistan.

Ende im Vanchtal

verfasst am 29. Juli 2009
Schon in der Vorbereitung zeigte sich schnell ein besonderes Etappenziel dieser gesamten Reise:
der FedtschenkoGletscher.

Der grösste HochgebirgsGletscher ausserhalb der Polarregionen.

Markus Hausers tolle PamirKarte und auch GoogleEarth machten Mut, das müsste ganz gut zu schaffen sein.

Das Vanchtal rauf bis ganz zum Ende, zwei oder drei Stunden spazieren gehen, und schwupp stehen wir auf dem “ewigen Eis”.
Also gemma….
Das Vanchtal entpuppt sich erstmal als eines der engen Sorte.

090729-1-vanchtal-enge
Kein Problem,
Wille ist genug da,
da wird der Weg schon gehen…
Schmale Brücken ?
Da sind wir im Training….
090729-2-vanchtal-bruecke
Garkeine Brücke,
nur Wasser als Wegmarkierung ?
Gern genommen,
aussteigen wollen wir eh erst später,
der Gelbe braucht sowieso mal dringend ne Wäsche.
090729-3-vanchtal-nasser-weg
Und jetzt?
Jede kleine Wegmarkierung verschwunden.
Nur noch das Flussbett des Gletscherstroms,
mit Riesensteinen,
und gleich hinten
ist ne Flussdurchquerung der undefinierten Sorte fällig.
Und dahinter ?
090729-5-kiesbett
Wer weiss denn,
wie die restlichen 15 Km bis zum Ende der kartographierten Strasse aussehen.
Ich zucke nur kurz…,
und beschliesse:
Not-Aus !!
Ich fahr nicht weiter.
090729-6-ende-vanchtal1
Das wars.
Und überhaupt.
Ich bin recht kaputt von den letzten hunderten Kilometer Schotterpiste.
Und zum Abhängen kommt mir unser ganz besonders schöner Rastplatz sehr entgegen.
090729-7-restday
Reinhard und Ute organisieren einen Jeep für die Weiterfahrt am nächsten Tag.
Ich bleib “at home”, und lese “open air” meinen Sorbas zu Ende.
Bis die Seilbahn einstürzt.

Die zwei kommen wohlbehalten zurück.
Sieben Stunden sassen sie im Jeep.
Eine Furt durch einen sehr reissenden Fluss mussten sie mit vereinten Kräften erstmal neu bauen.
Und betreten haben sie das Eis auch nicht, aber immerhin gesehen, den FedtschenkoGletscher.
Keine Frage,
ich muss wiederkommen.

Mit Zelt und Treckingausrüstung.
Achso, und neuen Wanderschuhen…
Die mitgebrachten wurden in meinem  Schlaf aus dem Staufach geklaut. Schuhe

reinhard-ute-verhandeln

Mit Kourough gehts aufwärts

verfasst am 1. August 2009
1-090803-kourough Kourough, Zentrum des Pamirs, zumindest was Verwaltung und Handel betrifft. 25.000 Einwohner.
Und in Kourough wird gebaut, und zwar tüchtig. Die Agha Khan Stiftung hat 200 Millionen US Dollar springen lassen, und jetzt wird die grösste Universität weit und breit gebaut. Einschliesslich den Studentenwohnheimen.
2-090728-reinhard-und-ute Hier trennen sich auch wieder die Wege von Ute/Reinhard und mir.
Ich muss mein Fahrzeug-Permit verlängern lassen, und da wir am Samstag in die Stadt kommen, werde ich hier ein paar Tage bleiben. Emails gibts auch reichlich. Und etwas mehr Zeit auf dem Pamir hab ich auch.
3-090802-waesche1 Wäsche waschen ist auch noch angesagt.
Dazu fahr ich vor ein Homestay den Hügel rauf. Da steh ich ruhig und ungestört, und bekocht werde ich auch noch. Abendessen oder Frühstück, der Preis ist hier der gleiche, rund 1,30 Euro.
Sogar mit einem richtigen Eieromlett mit Zwiebeln und Tomaten, huiui.
4-090803-homestay-omlett1
5-090803-gruppe-aussen Den Abend treffe ich dann beim Essen fünf weitere Deutsche, alle auf der Reise durch den Pamir und durch die Welt. Jenny und Markus haben sich zwei Monate genommen. Die Wohnung in London vorher schon aufgelöst, und die neue in Genf noch nicht gesucht.

Die anderen beide haben zwei Jahre Zeit. Einmal rund. Wenns besonders schön war, dann fliegen sie auch nochmal ein zweites mal hin. Zimbabwe steht gerade dazu in der Diskussion.

6-090803-homestay-familie Der Abschied von der Herbergsfamilie fällt schwer,
die fünf hatten sich richtig heimisch hier eingerichtet.
Dieses Homestay gehört zum Projekt der MSDSP. Damit werden besonders die alleinstehenden Frauen gefördert, die sich mit einem Herbergsbetrieb eine finanzielle Existenz aufbauen möchten.

Brückenbauer

verfasst am 1. August 2009
Agha Khan machts möglich,
das engagierte Oberhaupt der Ismailis, einer Variante der Moslems.
15 mio gehören ihnen weltweit an, und sie praktizieren einen liberalen Islam.
Neben Ausbildung der Jugend, Förderung der Frauen, sorgt die Stiftung für eine alltägliche Völkerverständigung.
Zum Beispiel mit dem Bau von zwei neuen Brücken,
hier im Wakhan Valley.
Zwei Brücken zwischen Afghanistan und Tadschikstan,
eine in Kourough, die andere in Ishkashim.
1-090802-bruecke-kourough
Jeden Samstag geht in einem abgesperrten Areal genau an der Brücke auf den beiden Stirnseiten ein Eisentor auf.
Afghanische Händler kommen ohne weitere Auflagen von links, die tadschikischen Kunden und Händler von rechts.
Und sofort entsteht ein buntes Völkergemisch.
Die Verständigung ist kein Problem, es wird tadschikisch gesprochen.
2-090801-afghan-markt-stoff1
3-090801-afghan-markt-handler
Die Kleidung machts offensichtlich.
Drüben, also jenseits des Panj,
gehts es noch etwas anders zu.
3-090801-afghan-markt-talib
Die Jungen zB,
sie zeigen ihre Freundschaft offensichtlich,
sie schlendern Händchen haltend
durch die Angebote.
4-090801-afghan-markt-hondchen-halten

Wakhan Valley

verfasst am 3. August 2009
1-wakhan-valley_

Seit Kirmanjo fahre ich am ‘Panji’ entlang.
Dem Grenzfluss zwischen Afghanistan und Tadschikistan.
Drüben ist ein sehr anspruchsvoller Treckingpfad zu sehen.
Die Afghanen hier fahren kein Auto,
sie gehen Esel.
2-090803-wakhan-panji-reissend_

Tagelang das gleiche Bild.
Der reissende Fluss und dahinter ein Land mit täglichen Schlagzeilen, selbst in Europa.
150 Deutsche sollen da drüben schon gefallen sein.
Fühlt sich irgendwie seltsam an.
Aber ich hab mich schon an diese Nähe gewöhnt, geniesse die wilde Landschaft.
3-090803-wakhan-panji-parkend_

Gleich wird es dunkel,
ich bin auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz.
An der Strasse ist das Gelände flach,
und kein Felssturz kann mir hier etwas anhaben.
Noch etwas reinrollen, dann ist der Gelbe etwas besser versteckt.

Aber nicht versteckt genug.
Nacheinander wollen eine Polizei- und eine Militärstreife meinen Ausweis sehen. Kein Problem.
Der Soldat meinte es könnte gefährlich werden,
immerhin wäre ich in guter Schussweite der Afghanen,
aber ich überrede sie, bleiben zu dürfen. Okay.

4-090803-wakhan-valley-nacht_

Gerad als die Dämmerung beginnt,
ich sitze im Koffer am Tisch,
da höre ich einen lauten Knall.
Uppsss, damit hatte ich nicht gerechnet. Was jetzt?
Auf der anderen Flussseite erkenne ich den Schein einer Taschenlampe.
Hellweiss, gerad so wie aus einer LED Leuchte.
und solche Lampen haben die afghanischen Bauern nicht,
dann schon eher das Militär.

Da starte ich dann doch meinen Diesel,
und verschwinde,
schwach beleuchtet.

5-090803-wakhan-valley-panzer_

Schätze die afghanische Patrouille auf der anderen Seite hatte keine Lust,
die ganze Nacht ein grosses gelbes Auto zu beobachten,
und haben ein bisschen Rabatz gemacht um den Störfaktor zu vertreiben,
haben sie ja auch geschafft.

Später höre ich von anderen Travellern in ähnlichen Situationen,
dass die Afghanen schon mal gerne probieren,
ob ihre Knarren noch einwandfrei funktionieren.
Geschossen wird öfter an dieser Grenze,
allerdings wohl ungezielt,
also in die Luft.
Quasi als Abschreckung.

6-090803-militor_

Andererseits,
es gab vor ein paar Tagen ein schweizer Pärchen auf Fahrrädern,
die südlich von Singar an dieser Grenze campierten.
Da kamen dann tadschikische Soldaten,
haben das Gewehr auf sie gerichtet,
und sie ausgeraubt.
Wer soll sich denn da noch auskennen,
mit Freund und Feind.

Am YashilKul

verfasst am 7. August 2009
1-090807-m41-kreuzen Ich hab auf der Karte einen grösseren See entdeckt:
den YashilKul
(Kul = See auf tadschikisch).

Dazu kreuze ich diesmal nur den offiziellen PamirhighWay, die M41, und mach mich drüben direkt wieder auf Schotter breit.

2-090807-vashil-kul-wegtrennung Kurz vor dem See macht mich eine Horde Jungens an.
Ich müsste jetzt den Eintritt zum Pamir Nationalpark abdrücken, ca 15 Euro. Und überhaupt, den bräuchte ich im Prinzip schon lange.
Ich bin skeptisch. Sie offerieren mir eine stempelreiche Quittung.
Mit Bezahlen hab ichs nicht so.
Aber mein Plan ist auch etwas wert. Also zahle ich.

Zuhause werd ich mal recherschieren, ob das mit richtigen Dingen zuging.

3-090807-kuehe-am-yashil-kul Der Yahilkul entpuppt sich als DoppelSee. Als Stellplatz für die Nacht wähle ich genau den Überlauf zwischen den beiden, sehr grün und absolut ruhig.
Dazu muss ich nur noch an einem kleinen Bauernhof vorbei.
Winkend natürlich.
4-090807-yashil-kul-m-gelbem Wie immer bleibe ich erstmal auf dem Fahrersitz sitzen, um die Sicherheitslage zu peilen.
Ganz hinten, in Richtung des Bauernhofs tauchen immer wieder Köpfe auf, mindestens 30 min Fussweg entfernt, und verschwinden auch wieder. Komisch.
Ich beobachte weiter, und entdecke dann drei Gestalten am Horiziont. Sie kommen genau auf mich zu.
Okay, dann war dieser Platz doch keine gute Idee, ich bin wieder startklar.
5-am-yahilkul-green 30 min später steht die Mutter des Hofes mit ihren beiden Töchtern vor mir. Sie haben mir Willkommensgeschenke gebracht:
ein selbstgebackenes Brot, einen halben Liter Ziegenmilch, und selbstgemachte Mayonnaise.
Uppsss, da war ich wohl auf dem falschen und wieder zu sehr europäischen Dampfer unterwegs.
6-090807-nacht-am-yashil-kul2 Kurze Kofferbesichtigung, mein Geschenk ein Glas Orangenmarmelade.
Sie ziehen wieder davon und ich fühl mich sicher.

Über das Brot freue ich mich sehr, aber Mayonnaise und Ziegenmilch rühre ich besser nicht an. Ich will meine Verträglichkeit nicht provozieren.
Und ich weiss ja auch nicht, was sie mit meiner Orangenmarmelade anstellen….

westlich von Alichur

verfasst am 8. August 2009
1-090808-piste-2 Im Rückwärts fahren bin ich nicht der Held.
Ich meine jetzt nicht so mit eingelegtem Rückwärtsgang. Das geht doch prima, dazu hab ich jede Menge Rückspiegel.

Ich meine einfach den gefahrenen Weg wieder für die Rücktour nehmen, quasi die Sack-Gassen-Methode.
Das mag ich nicht. Das versuche ich zu vermeiden, und zwar dringend.
Am Yashil Kul auch.

2-am-oestlich-yashilkul Hausers Karte sieht da noch ne dünne Linie nördlich um den Berg vor. Geysire solls da auch geben.
Aber wenn Markus Hauser (Danke für die tolle PamirKarte) die dünnste seiner schwarzen Linien einsetzt, dann kommst richtig Dicke.
Ich kann von Glück sagen, dass ich den Startpunkt finde. Er liegt gleich am Bauernhof von gestern. Und  tatsächlich kommt sie gerad wieder des Weges. Und wir winken wie alte Freunde.
Den besten Orientierungspunkt gibt der grosse Berg vor, da muss ich rum.
3-090808-oestlich-yashilkul-sam-kl Also wenn das gleich um die Ecke nicht weitergeht, und ich bin hier falsch, dann war es doch dieses Hochplateau schon wert,.
Aber die Piste geht weiter.
Und Meter für Meter werde ich sicherer, den ich bin hier richtig.
Der Pfad ist selten benutzt, ich seh an diesem Tag auch kein weiteres Auto mehr.
Der Gelbe strotzt nur so vor Zuverlässigkeit, ich kann mirs allein sein leisten.
4-090808-geysir Ich mach mich auf die Suche nach den Geysiren. Weisse Salzflächen zeugen von brachialer Gewalt.
Früher war hier allerdings mehr los, so vor 10 Millionen Jahren.
Jetzt blubbert eine kleine Quelle. Und kalt ist das Wasser noch dazu.
5-090808-piste-salz Mein Navi taugt auch in Asien immer noch gut, als Kompassnadel.
Die Wegrichtung der Piste stimmt immer noch,
aber es geht nur langsam weiter.
6-090808-verlassenes-dorf Ich umfahre ein verlassenes Dorf. Der Boden ist hier sehr weich, es geht durch einige Wasserläufe, der Gelbe im Kriechgang.
7-090808-wieder-m-41 Für 60 Km nehme ich mir 7 Stunden.
Dann bin ich zurück auf der M41, dem Pamir Highway, in Alichur.
Und weil ich den Tag solange ganz allein war,
machen wir gleich nen internationalen  Motorradstammtisch,
mitten auf der Strasse…,
aber das ist ne andere Geschichte.

Pamir High-Way

verfasst am 10. August 2009
Nun bin ich schon seit dem 3. Aug. im Pamir unterwegs, aber erst in diesen Tagen entdecke ich für mich den PamirHighway.
Zwischen Kourough und Langer war es zunächst ein grünes Tal,
immer mit Blick auf die afghanische Grenze.
1-whakhan-valley-sehr-grun
Rund um den YashilKul eine Seenlandschaft
mit schneebedeckten Kuppen im Hintergrund.
2-090807-gsl-am-yashilkul
Aber erst seit Alichur, auf dem Weg nach Murghab und weiter nach Karakul,
da fühle ich mich auf einer der höchstgelegenen Strassen der Welt versetzt.
3-dsc00137
Logisch,
dass sich “Highway” nicht wie üblich
auf das fixe Fortkommen beziehen kann.
Mehr als 50 km/h sind selten möglich.
Oft aber 30 km/h schon zuviel.
4-pamir-hway-m-schild
Eine breite Hochebene auf 4.000m Höhe,
und gerad mal wieder eine Passfahrt auf über 4.600m.
Soviel schaffen in Europa die besten Bergsteiger nicht.

Berge rundum ab 5.500m,
aber 7.600m sind auf chinesischer Seite auch in Sicht.

5-090810-passschild
Die Verkehrsdichte trägt der Abgelegenheit Rechnung.
Ein Fahrzeug pro Stunde,
oft auch keines.
6-pamir-hway-weite
Die Chinesen haben ihren Grenzpuffer bis zum Pamir Highway ausgedehnt.
Der Stacheldraht ist mit Hochspannung ausgerüstet.
Dazu läuft extra eine eigene Stromversorgung auf Masten parallel.
Soll da keiner reinkommen,
oder keiner rauskommen ?
Ich weiss es nicht.
7-pamir-hway-chin-grenze

Am KaraKul

verfasst am 11. August 2009
1-090810-piste-zum-dorf1 In Murghab lerne ich Michael und Eweline kennen. Mit Rucksack und ”local transports’ sind sie auf Hochzeitsreise. Allerdings ohne nach Polen zurück zu wollen.

Die Papiere zur Arbeitserlaubnis für Australien brauchen noch ein halbes Jahr.
Bis dahin wollen sie sich in China Arbeit als Englischlehrer suchen.

Die Berge westlich des Karakul Sees haben es ihnen angetan. Dort wollen sie vier bis fünf Tage auf Trecking Tour gehen.
Die Piste zu ihrem Startpunkt sieht schon auf der Karte abenteuerlich aus, also bringe ich sie hin.

2-090811-karakul-schlamm-m-gelb Der Gelbe geht an seine Grenzen. Der Boden ist weich und tief.

Eigentlich etwas leichtsinnig das ohne ein zweites Fahrzeug zu versuchen, und prompt stecken wir im Schlamm fest.

Ich seh uns buddeln, ohne Bleche und nur mit einem Klappspaten (Danke Su.)
Nochmal ein beherzter Versuch rückwärts in der eigenen Spur. Allrad, Untersetzung, Sperrdifferentiale, volle Motorleistung.
Es klappt.
Wir sind wieder frei.

3-090811-karakul-leeres-dorf1 Jetzt bin ich gewarnt.
Ab jetzt nur noch fetzig los.
Der Boden bleibt weich,
kleine Wasserdurchfahrten bringen Erholung.

30 Km Offroad, davon 5 wirklich heftig. Nach gut 2h ist es geschafft.
Wir sind im Dorf.
Aber die frenetische Begrüssung fällt aus.
Keiner zuhause,
das Dorf verlassen.

4-090811-karakul-herberge Es ist schon dunkel geworden.
Statt Zelt bauen die beiden ihr Lager unerschrocken in einem leerstehenden Haus auf.

Wir kochen zusammen. Gute Nacht.

Und wieder bin ich froh mein eigenes kleines Zuhause dabei zu haben.
Mit Matraze, Kopfkissen und Günthers Bettdecke.
Im See schimmert der Vollmond.

5-090811-karakul-michaeleveline Wanderer stehen früh auf, aber ich will auch los.
6.30h, Kaffee, Tee, Rucksäcke packen. Unsere Wege trennen sich,
und ich mach jetzt die Schlammpackung alleine.

Aber pfiffig wie ich bin,
hab ichs jetzt erheblich leichter.
Das Thermometer war in der Nacht in die
Miesen gefallen.
Bodenfrost.
Immerhin sind wir hier schon über 4.000 Meter hoch.

6-090811-der-kara-kul Der Boden ist längst nicht so weich wie gestern nachmittag, das Thermometer zeigt immer noch 0Grad.

Zudem wähle ich die nördlichere Piste, die geht weniger durch die feuchte Niederung,
sondern an der Bergkante entlang direkt um den See herum.

7-090811-gelbe-am-zelt-karakul Und am Ufer des Karakul sehen mich von weitem schon Andreas und Claudia über die Berge kommen.

Das wird dann unsere Frühstücksrunde, und unser drittes Wiedersehen,
auf dem PamirHighway.
(to be continued…)

Am Fusse des Peak Lenin

verfasst am 14. August 2009
In der ein oder anderen Email hab ich schon davon berichtet:
Ich will zum Peak Lenin,
nicht der höchste, aber einer der schön gelegenen 7.134er des Pamir.
Und für den Gelben leicht zu erreichen, denn das Basecamp liegt am Ende einer 25 Km Sackgasse,
auf 3.900m,
in Kirgistan.

Also raus aus Tadschikistan.
Die Grenze grenzt auf einem unwirklichen Pass,
auf kaum wahrnehmbarem Pfad.

1-090812-schl-weg-m-gelb
Schon die Abfahrt nach Sary Tash zeigt im Rückspiegel das was ich suche: Bergpanorama. 2-090812-ruckblick-sary-tash
Die Versuche in Sary Tash Geld zu tauschen, oder Diesel zu bunkern schlagen fehl.
Selbst grössere LKWs fahren hier mit Benzin, oder elend vielen Gasflaschen. Dafür hören sie sich dann auch an wie amerikanische Strassenkreuzer.

Kurs weiter westwärts.

Von Sary Mogol soll es einen südlichen Abzweig zum BaseCamp geben.
Die Strasse ist keine,
die Piste beschert die längste Staubfahne aller Zeiten.
Ich fahre auf die Berge zu,
und es wird dunkel.

3-090812-staubfahne
Das Ende entpuppt sich als das falsche.

Ich lande auf einem Bauernhof,
und werde freundlich empfangen.
Klar, kann ich hier bleiben, und ne Eselstour auf den nächsten 6.000er kann ich auch gleich haben.

Aber ich verleg mich erstmal aufs Abdichten meiner Kofferdurchbrüche.
Selbst kleinste Löcher bescheren mir neuerdings tägliche Putzarbeiten.
aber dafür ist die Aussicht doch schonmal grandios.

4-090813-basecamp-i
Das Basecamp ist zwar nur 4 Km weiter westlich,
aber der Bauer meint ich bräuchte 50Km dorthin.

Ich kanns nicht richtig glauben,
versuche ein paar “Abkürzungen”
und brauche letztlich 70 Km und einen ganzen Tag.

Es gilt zwei tiefe Gletscherflusschluchten zu umfahren.

5-090813-steinmeer-z-basecamp-ii
Dafür finde ich ein kleines Paradies,
…und nicht das Basecamp.

Es wird wohl etwas weiter hinten bei den Jurten sein,
aber ich nehm lieber ein Hochplateau weiter vorne,
und hab es für mich ganz allein.

Auch Lenin, der alte Querdenker,
ist erfreut mich zu sehen,
und spendiert zwei Tage wolkenfreien Blick.
Ich brauch nicht mal früh aufzustehen.

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In der Nacht bekomm ich Angst um Mutter Erde.
Die Sternschnuppen veranstalten Dauerfeuerwerk.
Mir gehen meine Wünsche aus…
und schlafe schmunzelnd ein.
7-090814-nacht-peak-lenin

Peak Lenin II

verfasst am 15. August 2009
Am nächsten Tag lerne ich ein paar Bewohner der Jurten kennen. Zwei Knirpse trauen sich, sie kommen näher.
Jeder bekommt Maoam aus der grossen Kiste, aber sie machen sie nicht auf. Sie werden sie auch nicht essen, sie sind zu wertvoll.
Sie werden sie bei Freunden gegen etwas anderes eintauschen, und fragen auch gleich nach mehr.
Da halte ich die Hand auf, wünsche eher die Kaubonbons wieder zurück. Sie lachen und sind froh, eine Runde ergattert zu haben.
1-090813-lenin_ii-2-knirpse
Drei auf Eseln kommen vorbei. Schauen neugierig in den Koffer. Wir kennen uns schon von gestern.
Auf dem Rückweg, Stunden später, sind ihre Säcke gefüllt mit getrocknetem Dung. Für Herd und Ofen.
Sie leben hier im Sommer ohne Strom inmitten der Natur und von der Natur. Dabei sind sie locker und selbstbewusst.
Das steckt an.
2-090813-lenin_ii-m-brille
3-090813-lenin_ii-huebsche
4-090813-lenin_ii-esel
Ich spaziere über die nächsten Hügel, gewinne Perspektiven.
Auch der Wendepunkt meiner Reise,
denn ab hier gehts nach Westen, gehts zurück.
5-090813-lenin_ii-mit-schlucht
6-090813-lenin_ii-wegstrecke

Strassen für die Welt.

verfasst am 16. August 2009
1-090816-baustelle-umfahren Ich muss hier mal dringend ne Lanze brechen.

Für alle Wanderarbeiter, die in Asien unterwegs sind,
oder auch in Afrika (Gruss an Jutta),

sie sind längst zum Alltag geworden:
Die chinesischen Strassenbauer!

Und auch zum Feindbild.
China baut Strassen für die Welt.

2-090816-baustelle-staub Chinesen bauen keine Strasse,
sie wühlen eine.
So eine Baustelle ist dann nicht mal 10, 30 Km lang,
die sind gerne auch mal 100 Kilometer lang und umfassen 20 Brückenbauwerke.
So auch in Tadschikistan.

100 Kilometer mit einer Spitze von max 15 Km/h bedeutet:
man lernt in mehr als 7h so wirklich jeden Arbeiter
und jede Planierraupe persönlich kennen.

3-090816-baustelle-parken Bei den topografischen Bedingungen bedeutet Strassenbau auch sehr oft Vollsperrung.

Da es aber keine Ausweichmöglichkeiten über die 7.000er gibt,
trifft man sich im Parkstau,
und übt sich schonmal in buddhistischer Gelassenheit.

4-090816-sperrungszeiten Immerhin werden die Zeiten genau angegeben,
und Chinesen sind zuverlässig.

Im Norden Tadschikistan soll ich ohne erkennbaren Grund in so einer weitläufigen Baustelle anhalten.
Na da tun sich die Europäer besonders schwer in Geduld.
Ich frage nach, aber der Chinese, am Strassenrand sitzend,
beharrt auf meinem Stillstand.
Komisch. Keine Raupe, keine Walze in Aktion,
und ich soll still halten?

5-090816-baustelle-arbeiter Sekunden später detoniert mit lautem Knall und Gepolter eine Bombe.
Das war ne Sprengung,  Gesteinsbrocken fliegen uns um die Ohren.
Der Chinese lacht und will zurück in sein Camp mitgenommen werden.
Klar, kein Problem.
Und obwohl wir beide in Tadschikistan Fremde sind, und jeder des anderen Sprache nicht verstehen kann,
sein “Danke” kommt so leicht rüber….

Bei Roschi

verfasst am 18. August 2009
1-090818-militor-checkp-aussen Es ist wiedermal später geworden als ich wollte.
Dunkel.
Schlechte Aussichten nen schönen Übernachtungsplatz jetzt noch zu finden.
Dann noch dieser MilitärCheckpoint. Das dauert wieder.
Aber ich hab ne gute Idee,
Ich frag die Herrn sofort,
ob ich hinter der Schranke für die Nacht stehen bleiben kann.
Natürlich kein Problem.
Nur eine Bedingung: morgen früh muss ich zum Chai-trinken in die Militärbude kommen. Okay, das bekomme ich noch hin.
Gute Nacht.
2-090818-ruoschi-1 Der nächste Morgen. Mein Muntersein wird sofort entdeckt, werde herangewunken.

Roschie tischt auf.
Er ist sichtlich und sehr bemüht, mir ein ansprechendes Frühstück zu liefern.
Im RotKreuz Schrank ist das Brot (und nix Erste Hilfe) versteckt.
Die Bienen entfernt er noch schnell aus dem Honig,
und auch sonst kommt auf den Tisch,
was er so in den letzten Tagen den LKW Fahrern abgenommen hat.

3-090818-ruoschi-3 Roschie, 22 Jahre alt ist seit 4 Jahren beim Militär. Hier hat er jetzt das Oberkommando über einen sehr vergessenen Posten.

Im Range eines Leutnants, befehligt er vier weitere Kumpels, und sie gehen auch sehr locker miteinander um, wenn gleich Roschie eindeutig die Hosen hier anhat.
Nicht mal seine eigene Tasse muss er spülen.

4-090818-schreibtisch Ich kann locker beobachten, wie jeder, aber auch jeder LKW Fahrer ein paar SumoniScheine in den Papieren deponiert hat, und Roschie sie einsammelt und in seine Brusttasche steckt.
Alles ganz normal,
und die Abfertigung/Kontrolle geht so wirklich problemlos und zügig.

5-090818-ruoschi-2

Fürs offizielle Foto nimmt er dann auch Haltung an,
mit meiner Kaffeetasse…,
denn zu dieser hab ich ihn eingeladen, logo.

Mit reichlich Milch (Konserve aus drittletztem Laster)
und mit Honig hat er sie dann weggetrunken.
Das war offenbar zur Linderung des “besonderen” Geschmacks nötig.

Was tut man nicht eben alles aus Völkerverständigung.

Shokh Dara Valley

verfasst am 22. August 2009
1-090822-nach-roschtkalla-aanfahrt Mein PamirHighway:
von Yashilkul nach Murghab,
von Murghab zum Karakul,
von Karakul zum Peak Lenin,
und schwupp bin ich draussen aus dem Pamir.
Nee das ging mir alles zu schnell.

Also wieder rein nach Tadschikistan und zum Pamir zurück.
Das Shokh Dara Valley wäre ne Versuchung.
Die Infos über die Strecke sind widersprüchlich:
Lonely Planet schreibt von 4WD, und die örtlichen Taxifahrer lehnen eine Befahrung strikt ab.
Na da schau’n wir halt mal selber nach…..

2-090822-nach-roschtkalla-anfahrt Beim Abzweig zur Piste bin ich mir noch unsicher,
da soll es jetzt weiter gehen?

Allrad rein, Sperrdifferentiale auf Block,
Untersetzung sowieso.

Nach einigen tausend Kilometern bin ich mutiger geworden.
Der Gelbe tuckert gemächlich den Berg hoch,
und es ist steil,
sehr steil.

3-090822-nach-roschtkalla-schlafplatz Bei gut 4.000 Metern erreichen wir die Hochebene,

und so hab ich mich schon kennengelernt:
der weite Blick, die grosse Ruhe,
und viel Luft drumherum,
das ist es was mich zum schmunzeln bringt,
und dieser Übernachtungsplatz bietet alles.

4-090822-nach-roschtkalla-marxengels Der nächste Tag,
das Tal weitet sich.
Gleich müsste es passieren,
noch ein Tal,
das nächste.
Genau, da prangen sie in der Landschaft “on Top”,
Herr Marx und Herr Engels,
bzw. die beiden nach ihnen benannten Berge.
5-090822-nach-roschtkalla-marxengelsomelett Und ich zelebriere den Moment ganz ähnlich
wie ich Herrn Lenin Tribut gezollt habe:
ich mach mir ein Omelett mit Aussicht.
6-090822-nach-roschtkalla-felsenenge Weiter gehts durchs Shokh Dara Tal.
Die Schlucht wird enger und enger.
Gehts dahinter überhaupt weiter?
Klaro,
sonst wäre doch die Erde eine Scheibe….
Und der Verkehr ist praktisch gleich null.
Zwei Autos in 6 Stunden,
da reicht locker eine Spur.
7-090822-nach-roschtkalla-m-fluss Die Zivilsation naht, die Strecke bereitet keine besonderen Probleme.
Der Polizeicheckpoint vor Kourough auch nicht.
Sie meinen zwar, dass ich die notwendige Erlaubniss für die Roschtkala Region nicht in meinem Pass stehen habe, aber ich will ja auch garnicht hinein, ich will doch nur raus.
Da lachen sie und lassen mich passieren,
was denn auch sonst.

Wieder im Wakhan Valley (23.Aug 09)

verfasst am 23. August 2009
1-090823-wakhan-fels-berge Dieses Wakhan Valley ist einfach das Markenzeichen des Pamirs.

Tief eingeschnitten hat sich der Panji ins weiche Gestein.
Ich möchte mal im Frühjahr in dieses Tal zurückkommen,
wenn der Wasserstand durch die frische Schneeschmelze noch deutlich höher gestiegen ist.

2-090823-wakhan-enge-strasse

Die Strasse in diesem Tal ist nebensächlich, sie nimmt sich den Platz der bleibt.

Vielen Streckenabschnitten hier sind Planierraupen fest zugeteilt.
Sie parken in Bereitschaft, denn dauernd heisst es Felstürze beiseite räumen und die Fahrbahn notdürftig wieder befahrbahr machen. Entsprechend langsam ist hier das Fortkommen.

3-090823-wakhan-flussstrasse

Sie windet sich mit jedem Meter in einen andere Richtung.

Und hinter jeder Ecke gibt es neue Bilder,
ist für Abwechslung garantiert

4-090823-wakhan-afghan-seite

Über einige hundert Kilometer ist dieser Fluss Panji auch die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan.

Über diese Grenze wird wohl die Hälfte des tadschikischen Staatshaushaltes erwirtschaftet. Mit Opiumschmuggel.
Und jetzt, bei meiner dritten Fahrt durch diesen grandiosen Canyon fallen mir einige Fahrzeuge auf, die sehr geschäftig sich wieder zurückfallen lassen.

Ich sehe die Feldstecher, die einige um den Hals tragen.
Drüben sind nur Eselswege in den Fels geschlagen, und kleine Karawanen unterwegs.

5-090823-wakhan-chinlaster In letzter Zeit sind auf dieser Seite die vielen chinesischen Laster dazu gekommen.
Sie nutzen den PamirHighway für den Warentransport zur tadschikischen Hauptstadt Dushanbe.
Der Handelsweg “Seidenstrasse” ist so befahren wie noch nie zuvor.
Aber im Auftrag bauen die Chinesen die Querverbindung weiter im Norden zwischen Dushanbe und Sary Tash/Kirgistan komplett neu aus. Dann wird es wieder beschaulicher, auf dem Pamir Highway.

Aber für die Anwohner auch wieder ein bisschen schwieriger. Immerhin lässt sich mit den Truckern auch das ein oder andere Geschäft machen.

Gelbe Reparatur (24.Aug 09)

verfasst am 24. August 2009
1-090824-schl-strasse Die Strassen in Tadschikistan sind wirklich schlecht.
Und es gibt einen ganz einfachen Grund:
Die Tadschiken brauchen keine besonders guten Strassen,
sie haben gar kein solches Verkehrsaufkommen.
Auf landesweiten Durchgangsstrassen, wie etwa vom Norden des Landes zur Hauptstadt Dushanbe, verkehren pro Stunde oft nur zwei oder drei Fahrzeuge.
Wozu dann in den teuren Strassenbau investieren.
Ein Zollinspektor oder auch ein Lehrer verdienen im Monat 100 US Dollar. Dafür gibt es keine Autos.
2-090824-mann-geht-zum-gelben Meine Durchschnittsgeschwindigkeit im ganzen Monat August in Tadschikstan lag gut unter 30 Km/h. Und die waren oft noch viel zu viel.
Auch meiner Auspuffhalterung.

Da sind 3mm Stahl einfach an der Knickstelle durchgeschüttelt und abgerissen.

An der Tanke in Kala-Khum wussten sie Rat.
Durch den Ort durch, in Richtung Norden, nach einem Kilometer das erste Haus auf der rechten Seite,
der macht das.

3-090824-werkstatt-m-fluss Und der hat’s auch gemacht.
Dabei hat er die schönst gelegenste Werkstatt die ich bisher gesehen habe. Direkt am türkisen Schmelzwasserfluss.
4-090824-mann-schweissen Und was sich zunächst als das pure Chaos herausstellt…,
er sucht weniger sein Werkzeug als ich in meinen paar Staukisten.

Eine Stunde hats gedauert,
10 Euro wollte er dafür haben.
Da war bestimmt auch einiges an Tourizuschlag drinne,
aber ein bisschen Entwicklungshilfe wird von uns Zugereisten eben auch immer gefordert.
Und hier triffts genau den Richtigen,
geht kein Penny an Verwaltungskosten verloren.