Beiträge aus der Kategorie ‘September 2009‘

Schiffe auf der Welle, aus Sand. (02.Sept.09)

verfasst am 2. September 2009
Ich hatte es auf der Hintour nicht gewagt, einfach so hinter der usbekischen Grenze Kurs 90° vorzugeben, und mich querbeet durch die Steppe zum Aralsee durchzuschlagen. Einen mir genehmen Weg hatte ich nirgends entdecken können.

Auf dem Rückweg ist alles anders. Der Kurs sowieso, der heisst jetzt 270 Grad. Und den See wollte ich ja nun wirklich mal sehen, demnächst ist er vielleicht sogar ganz verschwunden. Dann ist es zu spät….

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Auf nach Moynaq, der ehemeligen Hafenstadt, im Süden des Sees.
Den Hafen gibt es noch, aber bis zum Wasser sind es jetzt gut 100 Kilometer Sandstrecke.
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Das ist diesen Schiffen inzwischen auch egal, die Welle unter ihnen bewegt sich nicht mehr, sie ist aus Sand.

Ihr Ende längst besiegelt. der Rostfrass wirds schon richten, bzw. langsam auflösen.

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Die Fischer haben ihren Job verloren.
Dafür haben usbekische Baumwollfarmer weiter südlich damals einen neuen gefunden. Ihre Felder wurden aus dem Amurdaja dem wichtigsten Zufluss des Aralsees künstlich bewässert. Wasser was dem Aralsee abhanden kam.

Dank sei dem russischen Plan aus früheren Zeiten.

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Meine Jugendliebe wieder getroffen.

verfasst am 3. September 2009
Ich hab sie vergessen nach ihrem Namen zu fragen,
aber ist kein Problem, ich nenn sie eh einfach nur “Uschi”.

In Moynaq am Ende der Welt und Strasse, der alten Hafenstadt des Aralsees, standen sie im Mosqvitsch ganz plötzlich neben mir.
Und für mich stand sofort fest:
hier hab ich die aktuelle Neuauflage dieses epochemachenden Paares aus den 60er vor mir.
Diesmal nicht auf dem Weg nach Goa, sondern zum Wasser des Aralsees.
Sie kommen aus Polen, waren schon acht mal in Pakistan, haben von dort auch so nen bunt geschmückten Bedford mit nach Hause genommen.
Sie sind schon gut durchgeknallt, die beiden.

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Den Mosqvitsch 401 hat es nie als Cabrio gegeben.
Auch egal.
Sie haben das 32 Jahre alte Auto für 300 US Dollar erst vor ein paar Wochen in Kasachstan gekauft und kurzerhand das Dach abgesägt.

Jetzt ist ein Cabrio. Ganz klar.

Ein paar passende Headlines aufgepinselt, und los sind sie gebraust, zum Aralsee.

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Ob ich zum Wasser des Aralsees fahren würde, hat sie gefragt,
und ich hab geantwortet,
das ich es versuchen würde.

Wir haben uns dann den alten und vergessenen Schiffen gewidmet,
und uns aus den Augen verloren.

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Zwei Tage später, 300 Km weiter, beste Strasse durch Usbekistan,
da stehen sie mit dem “oben ohne” Auto im Feld.
Er will nicht mehr.

Ein altes Leiden dieser Spezzies,
die Benzinpumpe quirlt wohl nur noch Luft.
Alles zu heiss geworden.
Das ist jetzt schon der vierte Tausch, aber ohne dauerhaften Erfolg.
Die beiden sind erfahrene Schrauber.

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Nach dem Kaffee hab ich sie dann abgeschleppt.
Ich durfte Uschi endlich mal abschleppen,
Uiuiuih.
25 Kilometer ins nächste Kaff,
und dort in die Werkstatt.
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Kein Problem, meinen die Jungens dort, das bekommen sie schon wieder hin. Die Stimmung steigt,
Uschi verteilt Melone an alle Mitwirkenden.
Ich will noch beim Supermarkt Vorräte auffrischen
und verabschiede mich.
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Einen Tag später, Mittagszeit, schlechte Strasse in Kasachstan.
Anstrengendes fahren und da kommt mir der Anlass zur Pause gerad’ recht.
Die beiden, besser die drei, stehen auf dem Seitenstreifen.
Sie sind in der Nacht schon gefahren, da war es kälter. Aber in den letzten Stunden haben sie nur 80Km geschafft. Jetzt schlagen sie mit einem Schraubendreher Löcher in die Motorhaube. Das soll kühlenden Fahrtwind an die Pumpe bringen. Ich borge ihnen meinen Accuschrauber.
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Okay, einen Versuch ist er noch wert,
Anschleppen. Er läuft, aber nur 1,5 Kilometer weit. Motor wieder aus.
Jetzt ist endgültig Schluss. Jetzt haben sie die Nase voll.
Der Mosqvitsch soll seinen adäquanten Abgang bekommen
“We burn him down.”
Ich kann sie ja gut in die nächste Stadt mit Bahnhof mitnehmen.
Wirklich ?
Jetzt, hier in der kasachischen Steppe, abfackeln…?
Wär an sich kein Problem.
Da schert sich hier eh keiner drum,
glauben wir.
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Okay, noch ein letztes Mal, noch einen allerletzten Versuch.
Anschleppen.
Er läuft.
Mehr als 1,5 Kilometer,
ich bleibe sicherheitshalber hinter ihnen.
10 Kilometer, uiuih,
30 Kilometer…
und er läuft…..

In Dossor trennen sich unsere Wege. Ich fahre nach Süden.
Sie wollen endlich zum Wasser des Aralsees,
in den Norden,
nach Aral’sk..,
und haben mir ein Foto versprochen, egal wie sie dahin kommen werden.

He ihr beiden, lasst mal von euch etwas hören, ich will wissen wie die Geschichte
und der Mosqvitsch zu Ende geht…..

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AralSee - Die Anfahrt (03.Sept 09)

verfasst am 3. September 2009
1-090903-kaputte-bruecke-moynaq Moynaq ist auf guter Strasse zu erreichen, kein Problem.
Allerdings eine 140 Kilometer lange Sackgasse. Normalerweise.

Mein Plan geht weiter,
ich will an den See.
Also südlich herum, ans Westliche Ufer, das auch heute immer noch eines ist.
Denn dank steil abfallender Küste, liegt der See dort einfach nur tiefer als früher, aber kaum weiter weg.

2-090903-teerpiste Auf meiner Karte ist ein Treckingpfad eingezeichnet.

Ich bin auf alles gefasst,
und finde die ersten 30km eine nagelneu asphaltierte Strasse.
Die Usbeken haben angefangen zu bohren und sind fündig geworden, vor allem Gas.
Da lohnt sich jeder Strassenbau für die schweren Ausrüstungstransporte.

3-090903-sandpiste Am Ende der Trasse frage ich gleich nochmal in der Kantine der Gasarbeiter nach dem weiteren Weg. Leider ist das Essen noch nicht fertig, aber es riecht schon sehr gut.
4-090903-salzsee Es geht weiter,
und die Piste ist nicht mal übel.
Es ist alles dabei,
tragfähiger Sand,
Steinwege
und der versalzte ehemalige Seegrund des Aralseses.
5-090903-autowrack Ich fahre auf die Steilküste zu,
und muss gleich da oben hoch,
gut 200 Meter.

Hoffentlich hat einer ne Auffahrt geschaffen…

und der Untergrund wird auch schwierig-feuchter, ich fahre ja auch in Richtung See…

und die Sonne nähert sich dem Horizont, naja…

Welches Problem wird zuerst zuschlagen ?

6-090903-sonnenuntergang Na keines.
Mein Weg endet tatsächlich in einer zwar etwas steilen aber gut machbaren Auffahrt.
Der Boden oben ist staubtrocken und sehr gut befahrbar, immer an der Abbruchkante entlang.
Und die Sonne lässt sich heute etwas mehr Zeit mit dem Untergehen,
ich fahr ja auch strikt nach Westen und mache so meine Tage selber etwas länger.l

AralSeeWasser gefunden (04.Sept.09

verfasst am 4. September 2009
1-090904-aralsee-der-see-sm Im Morgenlicht sehe ich das blaue Band des Wassers.

Nur um drei oder vier Kilometer hatte ich es am Vortag im Dämmerlicht verfehlt.

Also verlege ich den Frühstücksplatz sofort etwas weiter nördlich.

2-090903-aralsee-steilkste2sm Die Küste hier besteht nur aus weichem Gestein, oder sogar Sand.
Da hat es Wind und Regenwasser leicht gehabt,
eine wilde Landschaft zu bauen, nachdem der verdunstete See die Küste trocken gelegt hat.
3-090904-aralsee-steilkuste2sm Wilde Canyons sind entstanden,
auf deren Grund sich das einzige Grün weit und breit behaupten kann.
4-090904-aralsee-steilkste1sm Das wenige Wasser sammelt sich hier und die hohen Flanken spenden fast den ganzen Tag Schatten.
5-090904-m-wasser Gespenstische Ruhe.

Ich hab die paar Quadratkilometer rundherum allein für mich.

Und ich weiss jetzt schon nen guten Grund wiederzukommen.
Ich will einen Weg nach unten finden,
um meine Füsse in dieses Wasser zu stecken,
und diese Ruhe wieder zu erleben.

Abstecher nach Sikkim

verfasst am 7. September 2009
1-090907-tempeleingang Ich liebe buddhistische Tempel
und die fehlten einfach a bisserl bisher auf meiner Tour.
Also auf nach Sikkim,
äähhh, Elista.

Dieser Tempel lag also sozusagen auf meinem Weg,
oder kam ich
auf seinem Weg daher ?
Anyway.

2-090907-tempel Ein Kleinod im südlichen Russland, 100 Km südwestlich von Astrachan, und sieht aus wie in Sikkim.
Keine Ahnung warum und wieso,
vermutet hätte ich soetwas hier sowieso nicht,
also auf die Bremse und ne Fussrunde.
3-090907-kl-tempel-im-park “The Gold Temple

of Buddha Shakyamuni”.

4-090907-gebetsfahnen Und in diesem Städtchen Elista hat er wirklich eine exponierte Lage.
Vielleicht kennt einer meiner ambitionierten Leser die Geschichte, sie würd’ mich schon interessieren.
5-090907-gebetsmc2a6hle Aber irgendeiner muss beim Bau der Gebetsmühlen die Zeichnung falsch herum gehalten haben,
oder ich bin einfach zu klein dafür.

Angriff abgewehrt

verfasst am 9. September 2009

Diesmal eine Grenzerfahrung mit der Polizei.
Ich werde in Südrussland auf der Landstrasse von zwei Beamten aus dem Verkehr herausgewunken.

Der Grund ist wohl berechtigt. Sie zeigen mir Videoaufnahmen vom Kollegen, wo mein Gelber mit 86 Km/h in der fast unbebauten Ortschaft unterwegs ist. Erlaubt sind 60. Und die beiden sind sich ihres Sieges sicher, ganz sicher.

Mir ist erst im Laufe des Prozederes klar geworden, wie sehr es um die eigene Tasche und um den Sieg fürs Familieneinkommen geht. Hinter mir fuhr einer mit 84, der war nur Minuten im PolizeiLada drinne, hat schwarz bezahlt und war entlassen. Protokoll wurde erst garkeins angefasst.

Mit mir hatten sie sich offenbar den ganz grossen Reibach vorgenommen, und schon wieder zu hoch gepokert, wie schon andere an der usbekischen Grenze.

Der ganze Geschichte:
Sie sammeln direkt meinen internationalen Führerschein ein.
(meine alte und in 2007 abgelaufene Version, ne neue Version hab ich dabei, zeige sie aber nie, zudem gilt der Internationale nicht in Russland, und ohne die zusätzliche Vorlage des deutschen Führerscheins schonmal garnicht, aber den hab ich sowieso nicht dabei.…).

Sie stellen mir ne Quittung darüber aus und wiederholen x-mal das englische Wort „goob-bye“.  Sie sind sich ihres Druckmittels sicher, meinen mich gerade zum Fussgänger gemacht zu haben.

Ich weiche nicht von der Stelle, stehe exakt in Kreuzungsmitte am PolizeiLada. Wiederhole ohne Unterlass ich sei nur Tourist, quasi auf der Durchreise von Kasachstan in die Türkei, habe kein Geld bei mir.
220 Rubel (ca 8 Euro) halte ich ihnen hin und sie lachen abfällig.
Er schreibt die Zahl 15.000 Rubel aufs Blatt. Später werden aus diesen 500 Euro dann 200 Euro, dann 100 Euro, dann 100 Dollar. Aber wenn wir doch einmal beim Verhandeln dabei sind…..

Dann meinen sie, ich müsse jetzt wohl ins Hotel gehen, der Wagen würde verplombt. Später empfehlen sie mir, dass ich ja zu Fuss oder mit dem Bus nach Sotchi weiter könne.
Der “Fiese” von beiden spricht dann auch von Stalingrad, und Faschist, etc..
Ich mache einen auf Devot, lass alles geschehen, entschuldige mich für zu schnelles Fahren, plädiere auf durchreisender Tourist ohne Geld in der Tasche.
Eine Stunde später will der Fiese den Wagen von innen sehen. Ok. Aber das hat ihn eher schlechter gestimmt. Er findet bei der Durchsuchung mein Notebook und meint, der wäre dann ja wohl ihm. Ich widerspreche energisch und lege es wieder zurück.
An anderen Stellen spricht er von „Presente“, auf dem Ohr bin ich eh schon lange genug und erprobt taub.

Draussen geht die Leier wieder von vorne los. Keine Ahnung wie lange das so gedauert hat, aber es wird dunkel. Reiner Nervenkrieg. Aber die beiden lassen auf keinen Fall locker. Sie geben mir die Quittung für meinen Führerschein, und steckten ihn unter die Sonnenblende des PolizeiLadas.
Dann kommt ein weiteres Polizeifahrzeug mit zwei Beamten. Diese Beamten haben dunklere Uniformen, die Rangabzeichen sind zu unterschiedlich, und ich kann die Rangfolge mit meinen beiden Speziess nicht vergleichen.

Es geht hin und her, ich solle mich noch mal in den Lada setzen, da bleib ich dann einfach auch mal länger sitzen. Als die Rede auf Dollars kommt, lege ich noch 13 US Dollar aus meiner linken Hosentasche drauf.
In der unteren Tasche hab ich noch weitaus mehr.

Ich lege die bunte GeldMischung demonstrativ aufs Armaturenbrett. Aber er nimmt sie erstmal nicht und senkt seine Forderung auf 100 US Dollar. Die anderen drei stehen draussen rum.

Ich bleib weiter sitzen, biete so demonstrativ Paroli. Da packt den Jüngeren, den  Ruhigeren, irgendetwas:
Er gibt mir meinen Führerschein und sagt “ok”.
Ich wär entlassen und er ergreift das Geld.

Ich zum Auto, Schlüssel rein, und da kommt der Fiese eilig zu mir über die Strasse zum Gelben. Er steckt keinsfalls jetzt schon auf, er will Geld sehen.
Er deutet auf meine beiden Hosentaschen, die unteren, aus denen ich das Geld geholt hatte. Er deutete auf links, fasst von aussen an meine Hosentasche, fühlt meinen Pfefferspray, meint ich hätte da noch mehr. Ich hole den Pfefferspray raus. Das ist nicht das, wonach er sucht.
Dann deutete er auf die andere Tasche.
Uppss, jetzt wird’s anders. Ich weiss das da noch jede Menge weiteres Geld steckt. Beim späteren Nachzählen finde ich dort genau 163 US-Dollar und 50 Euro.
Da bleibt mir nur der Stimmungsumschwung.
Schluss mit Devot, jetzt wird offen gekämpfft.

Ich verweigere mich.
Keine Hand an meine Klamotten mehr.
Ab diesem Moment ist er sich natürlich auch absolut sicher, sein Zusatzeinkommen gefunden zu haben: nämlich mein Geld.
Ich verweise auf den „Deal“ mit seinem Kollegen. Wir wären uns doch einig geworden, und ich könne doch jetzt fahren……
Da platzt dem Fiesen der Kragen.
Er greift in mein Führerhaus, nimmt die Autoschlüssel an sich und geht zurück zum PolizeiLada. Ich will die Schlüssel wiederhaben, greife in seine Richtung und er packt meinen Arm unsanft und wehrt ab.
Sein Kollege, der noch im Polizeilada sitzt, nimmt die Schlüssel an sich.

Diese neue Situation lässt meine Stimmung deutlich umschlagen.
Ich spreche die Typen laut an, verwahre mich gegen jede körperliche Gewalt. Da mischt sich einer von den beiden Neuen ein. Er beschwichtigt, ruft auch den Fiesen zur Mässigung. Er will eindeutig nicht, das die Szene jetzt eskaliert, das würde auch den Polizisten schaden. Gewalt gegen Ausländer ist wahrscheinlich schlecht zu begründen.

Aber das Thema bleibt erstmal das alte. Der Mässigende versucht den anderen beiden beizubringen, das sie mich ziehen lassen sollten, aber das passt diesen beiden nun gar nicht.
Der Fiese ruft wieder Faschichst und andere Dinge auf russisch, die ich nicht verstehe. Sie sprechen noch mal von Führerschein einbehalten und Auto an die Kette legen.

Mein Stimmungsumschwung, die Fortsetzung: . Jetzt bestehe ich auf einem Protokoll. Ich will mit allen zur Polizeiwache fahren und dort wird das Protokoll aufgesetzt.
Aber bitte auch ein Protokoll zum Vorfall der Korruption.

Und in dieses Thema steigerte ich mich regelrecht ein. Ich hätte genug Menschen mit meinen Augen gesehen, die im Lada Bargeld an die beiden gezahlt hätten, ohne Protokoll. Und das möchte ich bitte auch auf der Polizeistation, also unter neuen Zeugen, protokolliert haben. Ich würde jetzt auf beiden Protokollen bestehen.
Ich hätte auch Geld bezahlt, 220 Rubel und 13 US Dollar und keine Quittung bekommen.
Ich gehe noch mal zum Lada und zeige auf den Ruhigeren: er habe Geld von mir bekommen und die Forderungen auf einen Zettel geschrieben: zuerst 500 Euro, dann 200 Euro, dann 100 Dollar. Dieser Zettel müsse jetzt noch in seinem Block sein.
Der Beschwichtigende merkte, dass das superschnell nach hinten losgehen kann.
Der Fiese regt sich noch weiter auf, kommt mir näher und näher und berührte mich. Da schreie ich regelrecht auf, gehe sofort auf den Beschwichtigenden zu und sagte er solle dafür sorgen, dass der Fiese den Abstand zu mir einhalten müsse.
Der Beschwichtigende beruhigt mich, und auch den Fiesen. Ich gehe deutlich nochmal auf die beiden Ersten zu, und rufe mehrfach das Wort Korruption. Zudem deute ich mit den Händen auf die Schulterklappen des Fiesen, dass ihnen die Rangabzeichen von den Schultern abgerissen werden würden.

Einen kurzen Moment später öffnet der Ruhigere von beiden die Türe des Ladas und beugt sich raus. Der Beschwichtigende deutete mir an, ich solle noch mal hingehen, aber ich merkte erst nicht was passiert, gehe dann auf die geöffnete Fahrertüre zu. Da hält mir der Ruhigere meinen Autoschlüssel und das zusammengerollte Geld entgegen.
Der Beschwichtigende sagte noch wortreich, das ich nix davon erzählen solle, und das jetzt alles gut sei.

Ich bedanke mich mit Handschlag bei dem Beschwichtigenden, schau die anderen beiden nicht mehr an, gehe zum Gelben, starte und fahre ziemlich euphorisiert los.

Der Fiese hatte noch kurz vorher angedeutet, als ich ihm die Korruption um die Ohren warf, das er den Gelben zerstören würde, oder so. Also schaue ich nach der Abfahrt noch eifrig in den Rückspiegel, fahre auch etwas schneller als normal, bin auch noch ein gut Stück aufgeregt, aber immerhin…, wieder unterwegs, nach gut drei Stunden.

Ich hab erst langsam dann begriffen, was da so passiert ist:
Ich bin erheblich zu schnell gefahren, soll ne satte, sicher auch angemessene Strafe bezahlen. Und nur weil die beiden blöden Beamten, ihren Groll abreagieren müssen: teures Auto, fachistischer Deutscher, und dann kein Geld dabei haben wollen, wer glaubt das denn…..,
weil diese blöden Beamten nur an ihre eigene Tasche denken, und auch mit Kleingeld nicht zufrieden sein wollen, nur deshalb komme ich völlig ungestraft ohne einen Penny zu verlieren davon.

Okay. Jetzt weiss ich noch etwas besser was hier gespielt wird.
Ich lerne dazu,
und bin schon ziemlich fit,
für den Osten der Welt..

Fang den Günther

verfasst am 11. September 2009

Meine “Grenz-Erfahrungen” verlegen sich gerad ins Land, ins Russland.
War ich doch auf der Hinreise noch ganz des Lobes, und hab den Stinkefinger in Richtung Ukraine gezeigt,
so muss ich doch den Finger weiter nach Osten kippen.
Auweija was ist hier, in Russland, los.

Story No1 vom 07.Sept setz ich mal als bekannt voraus.
Dann kommt der 08.Sept. Bis hierhin noch klar?
Für mich nur bis zum Frühstück.

Am Kreisverkehr ein Polizeicheckpoint. Die gibt es hier quasi als Lehrlingswerkstatt für demnächst dann als Selbstständige “arbeitende” Polizeistreifen.

Sie hatten wie üblich Personen- und Fahrzeugpapiere kontrolliert, nach dem Woher? und Wohin? gefragt und mich sogar noch drauf aufmerksam gemacht, dass meine Richtung falsch sei. Ich müsse durch den Tunnel.

Na da hat doch dieser KontrollCheckpoint etwas gutes geleistet.
Ich also durch den Tunnel, den Berg rauf, und hinter mir ein PolizeiLada ausser Rand und Band mit Blaulicht und Sirene.
Ich langsam rechts ran, und die Herren sind äusserst ungehalten. Ich solle doch bitte sofort (!) anhalten. Sie sind offenbar so zögerlichen Bremsdruck von den Einheimischen nicht gewöhnt, die gehen wahrscheinlich ehrfurchtsvoll und hoheitsgläubig sofort in die Notbremse.

Ich erkläre ihnen erstmal gestenreich, dass ich es nur gut mit ihrer Frontscheibe gemeint habe. Schliesslich sei der Seitenstreifen nur grob geschottert. Aber ich bekomme kein Lob, nur missachtende Blicke. Das Thema wird nicht behandelt, weil zum nächsten gegangen.

Ich sei nicht klar in meiner Spur gefahren, sondern zwischen zweien getändelt, mittig auf zwei Spuren, ohne weiteren Verkehr ringsherum, versteht sich.

Ich soll genau wie gestern im PolizeiLada mal Platz nehmen, sogar auf dem Fahrersitz. Der Cheffe malt ausführlich ne kleine Skizze auf Papier und fühlt sich siegessicher. Er ist wohl im gleichen PolizeicheckPoint ausgebildet worden wie der Kollege “von gestern”.
Er nimmt meinen Reisepass, legt ihn in seine Mappe, schliesst den Reisverschluss und will in mein verduztes Gesicht schauen. Da gibt es nix zu schauen.

Dann soll ich wieder aussteigen. Okay, kein Problem, gemacht.
Kollege Untergebener schwingt sich wieder auf den Fahrersitz, startet den Motor und machte sogar Anstalten loszufahren.
Da werde ich sofort lautstart und energisch, denn so am Morgen ist von mir nur die abgekürzte Version zu haben.

Ich bestehe laut auf Protokoll und Quittung für meinen Reisepass, das Wort “Polizeistation” werfe ich in die Runde, sofort und mehrfach.
Und das die eben am Kreisverkehr auch schon alle Papiere kontrolliert hätten und für gut befunden hätten.
Aber diesen deutschen Redeschwall brauche ich nur, um mehr Text zu haben, denn ne logische Verbindung zwischen den beiden Kontrollen gibts natürlich nicht.
Dann noch der Hinweis, dass ich im oder vor dem Lada weder etwas unterschreiben, noch bezahlen werde, wir aber gerne nen kleinen Konvoi zusammenstellen können, der uns zu ihrer Polizeistation nebst Chef-Chef und Übersetzer bringen wird. Ich könne auch gerne meine eigene gelbe Lampe dazu einschalten, wäre nämlich ein deutscher Gelber.
Toller weiterer Redeschwall mit gut zu unterlegenen Gesten und Mimiken.

Hat dann noch bestimmt ne gute halbe Stunde an Wiederholungen gedauert, aber plötzlich gibt er mir den Ausweis zurück (Fahrzeugpapiere und Führerschein hat er nie gehabt und nicht verlangt…) und machte eine „Fahr-weg“ Handbewegung. Hab ich dann auch wortlos gemacht.

Nächste Situation, wirklich kaum 30 min später.
Ich fahr hinter ‚nem LKW, es geht bergab, ich will ihn überholen, aber er dreht auf, ich schau mir den Mittelstreifen genauer an, Farbe ist ziemlich abgefahren, und erkenne: „Durchgezogen“. Also bleibe ich wo ich bin.
Berg wieder rauf, ganz oben, da stehen sie, zwei PolizeiLadas unter Bäumen, im Schatten. Blickrichtung: die durchgezogene Linie, übrigens in diesem Falle ohne zusätzliches Überholverbotsschild.
Im Schatten nicht der Sonne wegen, sondern hier können sie ganz schlecht von der Strasse aus gesehen werden. Da hat die Familie wohl schon den Wunschzettel für Weihnachten abgegeben.

Nach den Polizeiwagen, die Strasse macht ne leichte Kurve, Linie  jetzt unterbrochen, ich schere aus und überhole. Wieder 1.000 Meter weiter, ich hab den Lada mit Blaulicht und Signalhorn hinter mir. Was ein Aufstand.
Anhalten.
Ich zeig mal wieder meinen seit 2  Jahren abgelaufenen Internationalen Führerschein, und den Reisepass. Zudem bestreite ich sofort jedes Fehlvergehen, und fühle mich komplett unschuldig.
Aber die beiden Jungens geben sich noch übermütig, sie haben ne Videokamera mitlaufen lassen, und ich muss mir „meinen“ Film auf ihrem Laptop jetzt ansehen.
Zunächst ordne ich die Szene falsch ein, und meine sie werfen mir den Überholvorgang vor. Aber dann wird mir klar: die Szene zeigt meinen abgebrochenen Überholversuch wegen durchgezogener Mittellinie. Dabei hab ich mit zwei Reifen die Linie überfahren. Anders hätte ich kaum sehen können, wie sich der Mittelstreifen in den nächsten Metern „entwickelt“. Die Jungens bestehen jetzt drauf: Die Linie darf keinesfalls und nie und nimmer, und mit rein garnix überfahren werden.

Protokoll fangen sie keines an auszufüllen, eine Geldforderung für den Weihnachtszettel gibt es auch noch nicht. Ha, da komm ich ihnen jetzt einfach zuvor, ich kenn doch locker das Drehbuch, und ein paar Proben hab ich auch schon mitgemacht.

Ich dreh sofort auf, rede mal wieder von Polizeistation: Ich versteh hier zu wenig, da muss ein Übersetzer her, den wirds auf der Polizeistation geben, und dann regeln wir das schon. Also, fahren wir los.
Und überhaupt, ich war schon in Kirgistan, in Tadschikistan, in Usbekistan, in Kasachstan auf dieser Reise, und zeige ihnen auch noch direkt die vielen Visaaufkleber und Stempel in meinem Pass.
Uppss, das war für die Herren jetzt vielleicht doch ein bisschen viel. Sie zeigen sich doch tatsächlich beeindruckt, die beiden. Sie fragen nach, und schauen auf die bunten Hinterlassenschaften der ausländischen Kollegen. Da lenkt der Lautere von beiden ein, kein Problem, alles halb so wild, ich könne fahren.
Na das waren jetzt nicht mal 20 Minuten. Ich werde besser.

Und hab auch gleich die nächste Chance. Vorfall No3 an einem Tag, langsam bin ich bedient.
Am Nachmittag.
Wie in jedem Dorf stehen die blau Uniformierten auch in diesem, mit mehr Sternen als IQ. Und der mir entgegen kommende Verkehr blinkt schon mit Lichthupe: Achtung. Also achte ich sehr genau auf meine Speed, schaue nach besonderen Verkehrszeichen: keine zu entdecken. Und trotzdem werde ich rausgewunken.
Er bleibt erst mal demonstrativ auf der anderen Strassenseite stehen, ich mache das Fenster runter, und er schüttelt den Kopf. Jetzt soll ich wohl vor Ehrfurcht alles Geld zusammen raffen, oder was ?

Er kommt auf mich zu, entdeckt, dass ich seine Sprache nicht kann, lässt die Radarpistole ganz komisch, weil so belanglos, am Riemen nach unten fallen, schaut auf mein Kennzeichen, und ich bin noch so in meinem deutschen Redefluss, dass ich genau drauf geachtet hätte, und garantiert nicht zu schnell gewesen wäre, und überhaupt, ohne Übersetzer geht hier gar nichts…
Ich hab fast nicht mitbekommen, wie er mir den Ausweis wieder zurückgeben will, und mich mit einer Handbewegung mich in die Ferne schickt….,
huch, das waren nicht mal vier Minuten seit Motor aus,
ob er mich verstanden hat ?????

Dann gabs da in Sotchi nen Tag später noch ne Fusstreife (!) im Hafen, die meinte, mit meinem Visum würde was nicht stimmen, und für 50 Dollar könne er das in Ordnung bringen,
aber da hab ich gleich abgewunken.
Wenn sie ihm seinen Lada wegnehmen, dann kann doch wohl nur was mit ihm nicht stimmen, und er solle erstmal schauen gehen, das er sein Auto wiederbekommt, dann können wir ja nochmal drüber reden,
aber bis dahin bin ich eh längst geflüchtet,
aus Russland.

Aber auch das war auch noch nicht alles,
aber es wiederholt sich halt alles,
gääähhnnn……
Bezahlt hab ich eh NIE.
(Stand: 13.Sept 09, 16.30h)

Letzte Meldung - Neuer Plan

verfasst am 12. September 2009
090911-apolonia-ii1 Nein,
das ist zwar das Schiff Appolonia II, für das ich ein Ticket in die Türkei/Trabzon gekauft habe, dann aber nicht benutzt habe.
Denn Russland hat es tatsächlich nicht versäumt, auch noch in der allerletzten Minute viel zu hoch zu pokern, um dann letztendlich doch alles….
090911-kassenhaus2 Nein,
das ist zwar die Kasse in Sotchi/Südrussland mit ner unschuldig Hübschen, die es gut gemeint hatte, dann aber schliesslich doch wieder mein gutes Geld rausgeben musste.

Am Donnerstag hatte ich erstmal 650 US Dollar (!) für den Gelben und mich auf die Theke gelegt. Bei aller Grösse nicht wenig, für 12h Böötchen fahren.
Aber am Freitag, als ich einchecken wollte, war es dem Herrn Manager der Travelagency dann doch noch zu läppich.
Jetzt zerriess er mein erstes Ticket und rief fürs neue 800 US Dollar auf.
Und ich setzte die Null dagegen.
Wie gewonnen, so zerronnen,
dann fahr ich eben zu Fuss.

090911-grenzanlage-ukraine Nein,
das sind nicht die türkischen Grenz- und Hafenanlagen,
sondern die ukrainischen, die ich mit dem Schiff ansteuere.
Denn jetzt schipper ich nicht rechtsrum ums Schwarze Meer,
sondern fahr aktuell linksrum.
Und ne kleine Fähre ist dann doch heute (12.Sept) fällig geworden, von Russland auf die ukrainische Krim, 80 Euro für eine Stunde.
Weiter gehts über Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien…
Die Türkei kann warten, muss sie jetzt auch.
Russland sei Dank.

Transit (13.Sept.09)

verfasst am 13. September 2009
ukraine-autofahre Ukraine
Diesmal lassen mich tatsächlich alle Kontrollorgane der Ukraine unbehelligt. Die haben wohl diesen Blog gelesen und haben die Chance erkannt, den Schwarzen Peter endgültig nach Russland zu schieben. Da schiebe ich mit.

Die 1.000 Km Transit durch Ukraine spule ich in knapp zwei Tagen ab. Und es wäre noch kürzer gegangen, wenn man mich nicht in die falsche Richtung geschickt hätte. In Isamil gibt es keinen Grenzübergang!
Jetzt weiss ich es auch.

1-090915-1815 Moldawien,
Ich will aus der Ukraine raus nach Rumänien, und lande in… Moldavien.
Für genau 800 Meter, denn dann ist Moldavien schon wieder zu Ende. Aber das heisst garnix. Denn beide kontrollieren äusserst penibel Staufach für Staufach.
Und der letzte Korruptionsvorfall: wenn ich keine Lust hätte die Customs-Deklaration auszufüllen, tätens auch 5 Euro.
Na da hab ich doch ganz klar Lust auf den Bogen Papier, schneller kann ich hier kein Geld gewinnen.
2-rumanien Rumänien
Das sieht tatsächlich sehr europäisch aus,
Autos parken zum ersten male wieder auf der Strasse.
In allen Ländern weiter östlich verschwinden sie des Nachts in den eigenen Grundstücksgrenzen.
Bukarest durchquere ich in der Nacht. Das geht einfach.
3-090915-friedhof Bulgarien
Im Süden die wilden Berge immer an der Grenze entlang.
Die Strassenqualität ist fantastisch.
Da haben die Bulgaren in den letzten Jahren doch erheblich aufgeholt.
Die Strassenvignette kann ich sogar nur für einen Tag lösen. Kostet weniger als einen Euro.

Autohändler (17.Sept.09)

verfasst am 17. September 2009
090917-halbe-autos-c Mitten in Griechenland,
dieser Autohändler.
Was ist das denn ?
Zumindest die Leuchten sind bestimmt nicht korrekt eingestellt !
090917-halbe-autos-b1 Okay,
Vorteile beim Parkplatz suchen gibts eindeutig,
aber ich weiss nich……
090917-halbe-autos-a1 und wo sind jetzt die ganzen Hinterteile ?
Ist hier gar ein Fetischist am Werk ?
090917-halbe-autos-fahrrad Und wieso bitteschön ist das noch zusammenhängend ?
Ich versteh das alles nicht.
War ich zu lange weg,
und hat inzwischen die Weltwirtschaftskrise voll zugeschlagen ?
Hmmmm.

Griechenland (22.Sept.09)

verfasst am 22. September 2009
1-090917-der-gelbe Griechenland -Thessaloniki
Ich traue meinen Gelben nicht mehr so recht über den Fahrweg. Der vordere rechte Reifen läuft einseitig ab,
Also zum MAN Service, alles gecheckt, nix gefunden, und Geld wollen sie dafür auch keines.
Zum Metallschweisser, der sehr fachmännisch meinen Auspuff wieder heile macht, denn den hatte ich in den Bergen Südbulgariens einfach fallen gelassen.Die Auspuffhalterung war wieder gebrochen.
Zum Reifenmann der sicherheitshalber meine Spur vermessen soll. Auch nix gefunden, na dann tauschen wir einfach mal die Räder.
Ok, dann hab ich jetzt auch ein gutes Gefühl
2-090917-plaka-am-strand Griechenland - Ostküste Hellas: Plaka
Nachsaison, überhaupt nix mehr los.
Aber Wetter könnte mir auch besser sein.
Besser ich wechsle die Seite, die Küstenseite, von Ost nach West.
3-0900917-greece-innenland Quer durch die griechischen Berge.
Und ich muss schmunzeln:
da gibt es noch eine schöne Hommage an Zentralasien:
der Schotter hört plötzlich auf,
und die Bergstrasse windet sich ein paar Kurven extra schön.
4-090918-paleros-gelber1 Griechenland - Westküste Hellas: Paleros,
Kenn ich vom Segeln, (lieben Gruss an Theo),
und wusste schon vorher, dass das schön wird.
Ist es auch.
Wunderschön und echt griechschich:
keine Parkgebühren auf dem schönsten Platz des Dorfes, am Hafen.
keine Verbotsschilde “no camping”
und ab dem zweiten Tag grüssen die Griechen mich wie einen Altbekannten.
5-090918-paleros-tische Souvlakia, Kokinisto, Sanganaki…,
keine Vornamen sondern lecker Küche.
Draussen sitzen bei 25 Grad, des Nachts wohl gemerkt,
man spricht viel deutsch.
Mike hat 12 Jahre in Hamburg gelebt, mit einer Deutschen verheiratet.
Er führt das Dionysos, 15h am Tag, sieben Monate im Jahr.
Seine drei Jungens sind zweisprachig erzogen, Englisch haben sie in der Schule abbekommen.
Und wie man mit Gästen umgeht, das haben sie vom Paps.

Albanien (24.Sept.09)

verfasst am 24. September 2009
1-090923-albanien-ruine Albanien, war ich noch nie.
Einreise von Griechenland auf besserem Feldweg, sehr locker, kenn ich so noch gar nicht.

Die erste Stadt
bringt den zweiten Schock:
Neubauten im Rohbau, und dann aufgegeben. Nur der Betonbauer hat hier Geld verdient. Fensterbauer, Fliesenleger und all die anderen gehen leer aus. Immer.
Welcher Touri soll denn jetzt das Geld bringen ?
Da bleiben wohl nur Einheimische übrig.

2-090923-brennender-mull Der erste Schock ?
Ganz ähnlich wie in Griechenland. Keiner hat ein Konzept für den Müll.
Er fliegt einfach auf denselben.
Die Berge werden immer höher. Eine PET-Flasche verfault eben nicht.
In Albanien gibt es eine Idee der kleinen Leute. Sie zünden die Haufen einfach an.
Und es stinkt und qualmt zum Himmel.
3-090924-brennender-berg Überhaupt haben es die Albaner mit dem Feuer.
Kurz vor der Hauptstadt steht dieser Berg weit sichtbar in Flammen.
Es nimmt keiner Notiz davon.
Die Feuerwehren auch nicht.
Ist wohl nur ein kleiner Berg
4-090924-kuh-unter-sonnendach Wo viel Schatten ist,
da ist aber auch viel Licht.

Die Albaner haben ein wirklich grosses Herz für Rindviecher.

Die haben nicht nur Ehrenplätze am Strand,
und hinterlassen dort auch ihren ganz speziellen Müll.
Eigens für sie wurden ganz besonders grosse Schattenspender gebaut.

Tirana (25.Sept.09)

verfasst am 25. September 2009
1-090925-tirana-pyramide Die Hauptstadt Albaniens erstaunt sofort.

Bunt, quirlig und vor allem jung.

Die Uni mitten in der Stadt,
und gleich nebenan das sogenannte “Blockviertel”.
Cafe an Cafe,
und sogar ein “Rockcafe”.

2-090925-tirana-hardrockcafe Der Rolling Stones Klassiker “Satisfaction” geht gerad durch die oberen Fenster,
und wir schmuggeln uns die Treppe rauf.
Keine Chance,
schmuggeln kommt ganz schlecht,
wir werden sofort zu Ehrengästen,
den einzigen,
bei der Probe.
3-090925-tirana-cafe Zu sozialistischen Zeiten war dieses Viertel nur ausgewählten Personen zugänglich.
Heute mischen sich hier Ost und West.
Zum italienischen Espresso ruft der Muezzin über den Platz.

Lifestyle,
wie er im Big Apple kaum anders aussehen kann.

4-091025-tirana-buntes-haus Und wenn man schon nicht die Plattenbauten abreissen kann,
so kann man wenigstens mal nen Eimer Farbe zur Hand nehmen.
Schliesslich ist sogar der Herr Bürgermeister freischaffender Künstler,
und sein Aufruf von überwältigendem Erfolg gekrönt worden.

Der Trend zum Zweitstrom. (25.Sept.09)

verfasst am 25. September 2009
1-090925-tirana-zweitsrom-aggegat Nur mit der Stromversorgung hier in Tirana,
da scheint wohl einiges im Argen zu liegen.
In der gesamten Innenstadt stehen unzählig viele Dieselaggregate herum.
In Toreinfahrten, in Garagen
und in Vorgärten.
2-090925-tirana-zweitsrom-kabelverteiler2 Dazu ist neben dem städtischen ein zweites, offenbar privates Stromverteilungsnetz installiert.
Locker zwischen den Baumwipfeln und Holzmasten zieren sie das Stadtbild.
3-090925-tirana-zweitsrom-kabelverteiler Und wer soviel Aufwand auf eigene Faust betreibt,
der wird wohl von der Hauptversorgung viel zu häufig allein gelassen.

Karo + Sepp (26.Sept.09)

verfasst am 26. September 2009
Montenegro, der SedloPass (1.907m),
direkt unterhalb des höchsten Berges des Landes:
Karo und Sepp brutzeln ihr Abendessen. Es gibt Gnoccis.
Sie sind auf dem Weg.
Nicht nur zu den Kletterfelsen Europas,
sie wollen bis nach Pakistan und Indien.
Karo hat ihren Job gekündigt,
Sepp hat sein Architekturstudium abgeschlossen.

Ihr VW T2 hat rund 350.000Km runter,
da sind die Kinderkrankheiten wohl endgültig ausgemerzt.

090929-karo_sepp-beide
Und wie wir so über die Welt sinnieren schwappt eine Brandungswelle ins kleine Camp am Pass.
Eine Gruppe israelischer Edel-Touristen schnuppert Bergluft.

In fünf Allradler fallen sie ein, bestaunen den Berg, aber bald mehr noch diese kleine Truppe Weltreisender.
Bitte recht freundlich…,
und dann verebbt die Welle wieder und wir sind herrlich allein.

090929-karo_sepp-reisegruppe
Den Abend verbringen wir bei Wein und Grappa, und es ist schon sehr erstaunlich, wie locker und sicher die beiden ihre lange Reise antreten.

Bei mir kommt ein gutes Stück Wehmut auf,
die beiden starten gerade,
und ich bin auf dem Weg zurück.

Natürlich tauschen wir am nächsten Tag unsere Emailadressen aus,
und ich bin gespannt wie es bei den beiden weiter gehen wird.

090929-karo_sepp-schlafplatz2

“The Challenge” (30.Sept.09)

verfasst am 30. September 2009
090930-bobotov-kuk-t1 Jetzt wird’s ernst.
20.000Km waren ruhig, beschaulich, interessant und insgesamt gut lösbar.
3 Monate waren grösstenteils gemütlich, easy going und bequem.

Und jetzt ?
Jetzt wird’s mehr als ernst,
jetzt wird’s gefährlich.
Ich sag nur: Bobotov Kuk.

090930-bobotov-kuk-stein Der höchste Berg Montenegros.
Und da hilft es auch nicht, das wir schon am SedlPass unterhalb des Berges stehen.
The Challenge!

2.511 Meter ragen hinter unserem Minicamp steil in den Himmel.

Keine Frage, das ist zu schaffen.
Nix wie los.
Direkt nach dem Frühstück, so gegen 10 Uhr. Sind ja nur ein paar Meter.
Da braucht man definitiv keine Taschenlampe, keine besonderen Trinkwasservorräte, keine warme Decke für den Notfall, und schon garkeine Wanderkarte.
Das ist doch alles für Warmduscher…

090930-bobotov-see Acht Stunden später.
Der Gipfel war toll,
erst 50 Meter unterhalb müssen wir passen, zu steil, kein Seil dabei.
Die Rückroute sollte auf jeden Fall anders sein als hin, aber welche.
Na, das war dann wohl die falsche.

Und wieso geht denn jetzt schon die Sonne unter, kann das sein ?

Wegmarkierungen mit der HandyLampe zu suchen ist mühsam.
Wie gut dass wenigstens der Vollmond am Berg erscheint und scheint.

090930-bobotov-kuk-sonnenuntergang Uppss, das ist noch weiter als gedacht.
zu Trinken ? Alles schon weg.
Ein Müsliriegel geht noch, und hilft, zumindest der Moral.
Irgendwo muss doch die Strasse sein…
Die Oberschenkel vibrieren.
Wieso kann man nicht erst bergab und dann bergauf laufen?

Ende gut alles gut.

Wir stolpern bergab, im Mondlicht taucht endlich, endlich das Asphaltband auf. Jetzt nur noch hinauf bis zum Pass.

090930-esstafel Zwei Autoscheinwerfer nähern sich von hinten, er hält neben uns.
Keine Frage, wir steigen dankbar ein. Aber wieso weiss er vom Gelben, und wieso will er ihn kaufen ?
Logo war er ihm schon längst aufgefallen, und logo will er in die Welt hinaus, aber da muss er sich ein anderes Fahrzeug suchen.

Allerdings, die Einladung ins Restaurant nehmen wir sehr dankend an, Zahlen sogar selber, schliesslich soll er keinen Grund bekommen, zur Verrechnung,
mit dem Gelben.

Knapp und knapper (14.Okt.09)

verfasst am 14. Oktober 2009
Rückreise,
und ganz wie bei Hannibal mach ich die durch die Alpen.
Schnee hatte eh noch in meinen Foto-Hintergründen gefehlt,
na also denne….
1-091014-albulapass-schnee
Mein Hannibal ist/heisst Gelb, hat 230 Pferde und ist ganz schön gross.
so um die 3,50m in der Höhe
und 2,32m in der Breite.
Und der AlbulaPass ist nur
2,30m breit.
Jedenfalls sagt dass das Schild zum Start am südlichen Punkt.
Und da steht noch etwas von “Berggrün” ginge nur bis 3,30m
in der Höhe.
Aber wer will schon nach “Berggrün”?
Wahrscheinlich irgend so ein Bergdorf.

Und die fehlenden 2cm in der Breite? Na an denen wird es schon nicht scheitern.

2-091014-albulapass-schneepause
Mit frohem Mutes
auf in den Schnee.

Der Albula Pass glänzt mit 2.300 Meter und ist selbst wohl mächtig stolz.
Sieht auch alles ganz nett aus,
aber wir kommen gerade so von 4.700 Meter über NN,
und werden ein bisschen stolz.

3-091014-albulapass-schild
Die Abfahrt geht gleich gut
wie die Auffahrt,

nur zum Schluss da droht Ungemach:
Der Tunnel aller Tunnel,
und beschildert ist der mit
“Max Höhe = 3,30m!”

Rechnerisch fehlen da locker 20cm
für die freie Durchfahrt.
Aber rein augentechnisch ?????

Zurück hab ich nun garkeine und ganz selten Lust.

4-091014-albulapass-tunnelt
‘Vorsicht’ ist ja die Mutter aller gelben Kisten,
also ganz langsam,
und wieder am Fahrerhaus hochklettern
und nen Blick Richtung Koffer wagen,
wieder ein Stückchen vor,
wieder Lage peilen,
wieder ein paar Zentimeterchen vor,
nun wieder hochklettern, am Koffer lang schielen,
es passt,
sooooo gerade,
da waren betimmt noch 1 cm Platz.
Sonst hätte ich die Luft rausgelassen.
Na also.

Nur die Eiszapfen, die haben es nicht überstanden,
weil sie überstanden.
Hab aber neue bestellt.

5-091014-albulapass-eis

Das Ende vom Lied (15.Okt.09)

verfasst am 15. Oktober 2009
091008-gsl-beim-fruehstuck Jawohl,
die Unken haben es schon von den Dächern gerufen.
Manch einer weiss schon Bescheid,
die anderen jetzt:

Ich bin wieder im Rheinland
zu Hause.

Die Rückfahrt war wirklich einfach,
und bescherte ein neues Etmal.
920 Kilometer an einem Tag,
in 12 Fahrstunden,
Durchschnitt 77 km/h.
Das geht nur in
“good old germany”,
dafür brauchts flüsterleisen AalGlattAsphalt.
Und gemässigten Verkehr.

Und ein Resumee?
Gibt es,
is auch ganz einfach:
Nochmal machen….!!!!
Aber bitte etwas weiter,
und etwas länger.

Das ist nämlich gut auszuhalten,
das Reisen.

Bilanz:
22.000 Km durch 18 Länder in 109 Tagen.
20,8 Liter Diesel auf 100Km, zu ca 50 ct/Liter.

Auspuffhalterung 2x gebrochen, Auspuff 1x neu festgeschweisst;
eine zerbrochene Kaffeetasse;
ein paar Beulen, Kratzer und Dellen in den Möbeln (durch umherfliegendes Interieur),
ein paar Kratzer und Riefen aussen am Kofferaufbau (wie immer durch Bäume, Äste und dererlei…);

und jede Menge nachdenkliche, bewundernswerte, aufreibende, überraschende, belustigende, haarsträubende, köstliche ….. Geschichten…..;

091014