Beiträge aus der Kategorie ‘--Mongolei II‘

17.Nov.–Grenzerfahrung

verfasst am 21. November 2010

Nun bin ich in der Mongolei,
und es war noch ein Affentheater eh ich draussen war.
Ich musste mit dem Taxi zur Grenze.
Zhang, der ‘Guide’ für jede Grenze’ ist den Gelben gefahren.
An der Grenze durfte ich in den Gelben, aber hinten sitzen…
(na das kenn ich doch irgendwoher…),
doch dann musste ich in einen Russenjeep umsteigen, bis zum Schlagbaum und so weiter…..

101117-erlianhort_border-russenjeeps
Um 18h schliessen sie hier für gewöhnlich,
um 18.45h bin ich in die Mongolei eingereist.
Letztlich hat Zhang einen lokalen AgenturMenschen eingeschaltet, und der hats dann zustande gebracht. Zum Schluss haben sie die letzten kleinen Papierschnipsel im Lauftempo abgeholt und neu verteilt.

Meine Grenzabfertigung in Mongolia, war ok. Alles im TotalDunkel, schwer zu durchschauen.  Ich bin dann auch mal locker an allen Kontrollen vorbeigefahren, aber man hat mich eingefangen, und dann persönlich von Station zu Station begleitet. Brauchte mich in keine Schlange einreihen. (alles Mongolen auf der Rücktour vom Einkaufen in China).
So geht’s eben auch, wenn ich schon (wie in China) keine Schilder lesen kann.

Die Bewohner Chinas sagen sehr stolz und auch wirklich sehr freundlich und ganz oft „Welcome in China“. Dabei strahlen sie mit den Lebkuchenherzen um die Wette.  Aber das Government traut sich nicht auch so zu handeln. Die haben die totale Angst, dass man „dem China“ diese Position in der Welt einfach wieder wegnimmt. Dabei geht das gar nicht mehr, aber die Chinesen trauen eben genau diesem Braten nicht.

Anschliessend wurde es noch mal richtig spannend.
Das Grenzkaff auf der mongolischen Seite ist wirklich das letzte StaubChaosDorf. Das wusste ich ja schon von der Hinfahrt. Also war mein Plan einfach durchs Dorf, bis alle Lichter verschwunden sind (war ja schon stockdunkel, ca 19h), und dann in der Steppe etwas abseits der Piste (Strassen gibt’s keine mehr, nur mehr Fahrspuren) nen Schlafplatz nehmen.
Okay.
Schon im Dorf fährt so ein Russenjeep ne ganze Zeit hinter mir her. Leicht zu erkennen, weil nur ein Hauptscheinwerfer geht. Hinten ein komisches grünes, zusätzliches Licht. Sieht man hier aber häufiger. Er setzt mehrfach zum Überholen an, schafft es dann auch, und fährt wenige hundert Meter vor mir an den rechten Strassenrand, stoppt, und macht alle Lichter aus.
Ich fahr gemütlich mit 20 bis 30 Km/h vorbei.
Nächster Durchgang: er startet wieder, überholt mich, fährt voraus, hält rechts an, macht alle Lichter aus.
Ich wieder gemütlich vorbei.
Die Piste gabelt sich, ich erwische den falschen Zweig, es geht in ein abgezäuntes Gelände hinein, der Jeep bleibt am Zaun stehen.
Ich komme auch nur 500 Meter weit. Ein Schlagbaum. Ich wende, fahre zurück, am Jeep vorbei.
Der dreht, fährt wieder hinter mir.
Ich fahre langsamer.
Er fährt genau neben mir. Keine Scheibe runter, kein Gesicht zu erkennen.
Ich leuchte mit der Taschenlampe rein, erkenne aber auch dann nix. Alles während langsamer Fahert.
Ich fahre weiter, mache mir aber Gedanken über meinen Schlafplatz. Solange Der nicht weg ist, macht das keinen Sinn.
Alle Strassenbeleuchtungen aus dem Grenzdorf sind verschwunden, stockfinstere Nacht, bis auf den Halbmond. Mein GPS zeigt mir eindeutig den Weg, es ist der gleiche rückwärts den ich hergekommen bin. Ich fahre quasi auf meiner eigenen Spur von vor gut drei Monaten zurück.
Doch plötzlich winken Menschen auf der Piste.
Mit rotem Leuchtstab, ein Polizist, jedenfalls hat er ne Uniform oder so an.
Und ein Typ mit Pudelmütze, der scheint noch wichtiger zu sein.
Ich solle stehen bleiben, und den Motor ausschalten.
Sie wollen Fahrzeugpapiere und Passport sehen. Dann durchsuchen sie den Gelben Koffer wirklich gründlich. Alle Schubladen soll ich auf machen. Die Aussenstauräume bleiben alle unkontrolliert. Ich muss aufpassen, dass keiner von den beiden ne Chance hat, in einem unbebachteten Moment etwas „verschwinden“ zu lassen. Irgendwie verstrickt mich die Pudelmütze immer in ein Gespräch, während die Uniform in den Schubladen arbeitet.
Dann hält der Russenjeep von unterwegs genau hinter mir.
Im ersten Moment denke ich: ohja, das ist auch Polizei, die wollten wissen was ich hier so des Nächstens herumfahre, aber denkste. Jetzt gehts los.
Es handelt sich hier wohl um einen Checkpoint der Polizei, die den gesamten Verkehr zur Grenze schon vor dem Grenzdorf kontrollieren.
Die Typen aus dem Russenjeep kommen auch zur Polizei und erzählen viel. Daraufhin kommt die Pudelmütze und bittet mich mit zum Russenjeep zu kommen. Er zeigt auf die Beifahrertüre. Ich sehe einen Kratzer, kaum ne Delle. Und wer diese Russenjeeps der Mongolen kennt, der weiss, dass eine Delle nullkommanix ist. Die sind völlig zerstört unterwegs, fahren mit platten Reifen, und die Türen schliessen nicht oder fehlen ganz.
Jetzt versteh ich sofort was hier abgeht. Der Mongole aus dem Russenjeep versucht klar zumachen, ich hätte ihn gerade eben gestreift oder sogar gerammt. Es geht um Geld, was sonst. Der reicheste Typ in dieser Runde bin ich, das sieht doch jeder. Geld ist Gelb.
Ich flippe ‚immediatly’ aus, werde laut. Protestiere auf deutsch und englisch, gerade was schneller geht. Ich meine, wenn so eine Dünnblechkiste meinem Gelben zu nahe kommt, dann sieht das für gewöhnlich vollkommen anders aus. Dann kann man IMMER den Leiterrahmen sehen, wenn so ein KinderGocart denn einen hat.
Zudem verweise ich auf die BauHöhe des Gelben. Für diesen Kratzer müsste ich meinen Gelben um mindestens 40cm tiefer legen. Das macht bei euren Pisten hier wirklich keinen Sinn.
Die Polizeimenschen haben schnell ein Einsehen und winken ab. War doch eindeutig zu blöd gepokert von dem Russenjeepmongolen, und der verschwindet.
Die Pudelmütze meint jetzt sie wäre mein Freund. Wir gehen ins GerZelt und er füllt ne Kladde aus. Kennzeichen? Woher? Wohin? Macht 10 US Dollar!
Okay, dann flippe ich eben wieder aus! Wieso fahre ich vor drei Monaten von Ulan Bataar über Saynshand und bis genau hierhin, und es kostet Nullkommanix, und jetzt 10e???
Nöö, zahl ich nicht. Warum überhaupt, sein Mittagessen muss er sich schon selber kaufen.
Mein Redeschwall ist längst erprobt, und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. Die Mütze winkt ab, gibt mir Papiere zurück und einen kleinen Laufzettel, den ich garantiert bis nach Deutschland mitbringen werde, weil ihn kein Mensch mehr sehen will. Und soviel Wert ist er dann auch: Nix.
Zur Belohnung erkläre ich jetzt der Mütze, dass er mein Freund ist, und halte ihm meine „take five“ hin. Er schlägt ein, aber richtig freuen kann es sich wohl darüber nicht, komisch.

Ich bin dann noch so 15 Km durch die Nacht gefahren, hab eine Gabelung genau mittig genommen, und bin weg von allen Pisten ins Nullkommanix gefahren.
Aber wirklich gut geschlafen hab ich nicht.
Es ging immer wieder ein guter Wind auf, und ich hab dummerweise quer zur Windrichtung geparkt.
Und ansonsten war es so ausgesprochen ruhig da draussen. Das bin ich aus China wirklich nicht mehr gewöhnt….
Anyway, ich bin in Mongolia, endlich !

19.Nov.–Khamryn Kiid

verfasst am 22. November 2010

Wikipedia fällt dazu nix ein, der Lonely Planet weiss schon mehr,
(wenn man einen findet, denn die Mongolei-Ausgabe ist weltweit ausverkauft….),
Andy aus Jinan wusste da sehr viel konkretes.
Schliesslich war er mit dem Fahrrad extra diesen Schlenker gefahren.
Und was er an diesem einen Weinabend in China erzählte,
das war Grund genug.
Schliesslich War ich nach der GrenzOrgie reif für den Erholungstag.
Allein die Fahrt 30 Kilometer nur über Naturpisten nach Kompasskurs ist ein tolles Präludium.

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Das Kloster Khamryn Kiid liegt in der Wüste Gobi, Südmongolei. Rundum Steppe.
Zentrum der Anlage ist das “Shambala”, der Zeremonienplatz auf dem Hochplateau.
21 weisse Stupas flankieren den Fusssweg hinauf. Auf halber Strecke der “Belltower”, mein erster Übernachtungsplatz. Ich erreiche ihn mit dem letzten Tageslicht.

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Oben angekommen fällt mir eines sofort ganz krass auf:
Keine einzige HolzSouvenirBude, keine rotem Lampions, keine Lasershow…
Hurra, das passt wieder…

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und wie würde Michael jetzt sprechen:
“…und es sind Bilder von atemberaubender Schönheit entstanden…”

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23.Nov.–aus Ulaanbaatar

verfasst am 23. November 2010
Es hat mich erwischt…
Ich bin in Weihnachten angekommen.Die erste Deko überhaupt in diesem Jahr für mich, in Ulaanbataar. Allerdings,
es ist hier das einzige Zeichen weit und breit, und für eine Million Einwohner einen Tannenbaum aufzustellen find ich ok.

Ich fange mal ne Sammlung hiermit an. 10.000 Kilometer Weihnachtsdeko finden,
denn wenn ich erstmal zu Hause bin, dann ist der Spuk fast vorbei.

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Ich hab sie erwischt…
Die “Gut und Günstigen”…
Da fühlt man sich beim Kauf gleich sicher.
Da weiss Günther was er hat.Sogar Nutella gabs im Angebot, aber es war keines: 3,25€ das Glas, aber wer kann da widerstehen ?

Etwas chinesische Instant-Nudeln, zum langsamen Abgewöhnen,
etwas sehr-lecker-Brot,…

Die nächsten 3.000 Km bis Nowosibirsk dürfte Nachbunkern echt schwierig werden.

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Ich habs nicht bekommen…
das russische TouristVisum.
Hätt ich drauf bestanden, hätte ich zuerst mal ein mongolisches Reisebüro einschalten müssen, eine ProForma Reise buchen müssen, mit Hotel und allem SchnickSchnack. Kostet Zeit und auch Geld.

Jetzt hab ich ein TransitVisum. In der ExpressVersion 95 US Dollar, in 24 Stunden abholfertig.
10 Tage vom Altai bis zur Litauischen Grenze. Rund 6.000 Kilometer. Da wird das “in die Hände spuken” schon zuviel Zeit kosten.
Aber ich kenn die Strecke, ist machbar, wird nur etwas weisser werden, als am 14.Juli…

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Es hätte mich erwischen können…

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Ich streif so durch die Strassen und bremse abrupt. Ein Loch im Boden. Kein Kanaldeckel drauf. Und das mir… Wer mich ein bisschen kennt, der weiss, dass solche Kleinigkeiten für mich eine reele Gefahr sind.  Ich gehe weiter mit verstärktem Kontrollblick, nach unten.
Und dann erinner ich mich an diesen Film der reiseverrückten Engländer: “Long Way Round”. Die beiden haben die Menschen besucht, die da unten wohnen. Meist Kinder. Obachlos. Ohne Familie. Vor allem im Winter suchen sie Schutz da unten.
Letzte Nacht hatten wir minus 21°, in der kältesten Hauptstadt der Welt.

23.Nov.–Wasserhilfe in UB

verfasst am 23. November 2010
In Ulaanbaatar ist ja wirklich alles zu bekommen.
Für jeden etwas im Angebot, da ist die Tour zu den Nomaden nur der lockere Einstieg.
Pferdetrecking ist eh den Nomaden vetraut.
Aber ob es denn ein Panzer sein muss,
oder in der Gegend rumballern….
Im ersten flüchtigen Blick auf den Inserenten hatte ich “Bloddy-Tours” gelesen….
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Ich selbst sehe mich hier ner ganz anderen Herausforderung nicht gewachsen:
Wer hat den bitteschön Lust mir und und dem Gelben bei -20°C Lufttemperatur mit rund 200 Litern Wasser auszuhelfen.
Am liebsten mittels eines Gartenschlauches gezapft.
Darf auch kalt sein…
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Da fiel mir nur einer ein: Mr.Tsegtsbaatar, der wundervoll deutsch sprechende Verkaufsleiter der RoverFiliale in UlaanBaatar.
Er hat mich gleich wieder erkannt und freute sich aufrichtig über meinen Besuch auf der Heimstrecke.

Wasser ?
Auch kein Problem.
Und nachdem mein eigener Wasserschlauch beim Ausrollen schon zur Eisleine erstarrt war,
nahmen wir seinen aus dem Heizungskeller der Werkstatt. Dankeschön !!!

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24.Nov.–AbenteuerReisen

verfasst am 24. November 2010
101124_1-schnee-nach-abzweig In meiner guten MongoleiKarte führen zwei Wege zum Kloster Erdenet. Beide sind als rote Strassen eingezeichnet. Da ich am liebsten nix doppelt fahre ist der Plan klar: die nördliche hin, die südliche für den weiteren Weg nach Westen.

Mit Garmin und Karte fühle ich mich sicher. Genau hier muss es zum Kloster gehen. Und ich bin ja in der Mongolei, da kann ich auf einen Highway nicht hoffen.
Also runter vom Schotter, auf in die Pampa, und die ist weiss,
sogar sehr weiss.

101124_2-erste-fahrspur-im-schnee-m-sonne Meine Karte wird unzuverlässiger.

Garmin zeigt den geraden Kurs,
aber es stellen sich Bergketten davor.
Ich versuche ein Tal,
fahre zum Ende und will den Sattel passieren.

Fahrspuren gibts keine mehr.
Fahrspuren gibt es schon länger keine mehr.
Ich bin der erste hier seit dem Schnee,
und auch der einzige.

101124_3-stupa-im-schnee Eine kleine Stupa mit Gebetsmühlen macht mir Mut.
Meine Richtung stimmt.
101124_4-festgefahren Dann gehts ganz plötzlich und ganz schnell:
ich laufe Gefahr zu schräg zum Hang zu geraten,
drehe den Gelben zum Tal hin,
gerate in eine Senke
und stehe still.

Voraus ist es eindeutig zu steil,
da geht nix mehr.
Und Rückwärts?
auch ganz schön steil,
gerade jetzt fehlt mir jeder Schwung.

Nur mit allen Sperren, Allrad, Untersetzung und einigen Anläufen bin ich wieder rückwärts frei.
Das wäre beinahe schief gegangen. Mitten, wirklich mitten in der Pampa.

25.Nov.–Kalt, sehr kalt !

verfasst am 25. November 2010
1_101111-erlianhot-am-gercamp Schon seit der chinesischen Grenzstadt Erlianhot bewegt sich das Thermometer konstant im Minus. Mein in Beijing getankter Diesel macht prompt auch schlapp, die Maschine will nicht.
Meine Dieselheizung hat zu wenig Strom zum starten. Sie meldet “Error”.
Wunderbar,
gerade jetzt,
denn ich parke heute mitten in der chinesischen Steppe an einem verlassenen GerCamp.
Weil es so schön ruhig hier ist.
Sehr ruhig.
2_101111-erlianhot-gelb-am-gercamp In dieser Nacht habe ich meine Gas-Luft-Heizung genutzt, so ging das Schlafen.
Ein Trick hilft mir in der Not am Morgen dann weiter: Ich reduziere den Stromverbrauch und warte.
Die Sonne steigt halbhoch, für 10A Ladestrom.
Nach 4 h sind 35 Ah mehr in den Batterien, genug um die Dieselheizung zu starten.
Dann schalte ich die Umwälzpumpe für den Motorkreislauf ein, und heize mit der Dieselheizung den Motor vor. Nach weiteren 1,5h wage ich den Versuch, dreh den Zündschlüssel: Motor läuft.
Jetzt aber schnell 6 Liter Normalbenzin druntermischen, um den Motor morgens starten zu können. Wenn ich schon keinen Winterdiesel bekomme, denn der ist wegen des Wintereinbruchs in ganz Erlianhot ausverkauft.
3_101121-temp-anzeige-29 In UlanBaatar dann ein neuer Temperatursturz. Wie schonmal hier geschrieben: die kälteste Hauptstadt der Welt.
Morgens um neun am 22.Nov sind es -21°C. Wenn ich da mehr als eine Sekunde warte nachdem die VorgühLamp erlischt, hab ich mit dem Anlassen des Motors keine Chance. Da hilft nur noch mal versuchen, mit besserer Reaktionszeit.
Das Foto ist schon von unterwegs,
bei rollender Maschine hab ich dann alle Nerven der Welt für ein Foto,
aber vorher ….
4_101123-schneewehungen Die Dieselheizung leistet gute Arbeit, wenn denn die Batterien genug Leistung bringen, denn die kühlen auch kräftig ab.
Aussen -21°, innen +25°, macht 46° Temperaturunterschied im Koffer zu draussen.
Allerhand, und kein Wunder, dass sich die Koffertüre extrem verzieht. Ich kann sie nicht mehr öffnen und muss durchs Fahrerhaus aus- und einsteigen.
Bei meiner Rausfahrt aus Ulaanbaatar sind die neuen Abenteuer erstmal Schneestürme.
5_101124-windschatten-hinter-hutte Auf dem Weg zum Kloster Erdenet wirds noch kühler.
Städte gibts keine, und die Dörfer machen keinen wirklich einladenden Eindruck.
Da helfen windgeschützte Plätzchen in der weissen Natur,
und zur Not tuts auch ein verlassenes Wohnhaus im Nichts.
Ich weiss auch warum verlassen:
Hier sind es am Morgen -26°C.
Mein Rekord.

27.Nov.–Schneemobil

verfasst am 27. November 2010
101126-vor-dem-sattel-m-gelbt Auf meinem Spezialweg zum Kloster. Noch 120 Km, aber ich find jetzt die Piste nicht mehr.
In meiner Karte eine rot markierte “Mainroad”, in meinem Blick nichts als weisse Wüste.
Drei Versuche, dann breche ich ab. Kein Weg, keine Fahrspur, kein Durchkommen über die Bergkette.
Ich bleibe diese Nacht in Hashaat, 40 Km vor meinem Ziel.
Bei einem heftigen Schlag ist mein Auspuffrohr aus dem Topf gerissen. Ich brauche eh Hilfe.
101126-vor-dem-sattel-m-gelb Ich übernachte gleich vor der Werkstatt, die eigentlich ein Krämerladen ist.
Am nächsten Morgen frage ich nochmal ausdrücklich nach der Richtung. Diesmal winkt er etwas weiter nach Westen, und an der Dreifach-Gabelung solle ich mich ganz links halten. Und später, an der zweiten Dreifach-Gabelung dann mittig. Okay, dann Mann los.
Hier draussen sind wenigstens Fahrspuren, manchmal.
Nur frische zählen. es gibt wenig Niederschläge und ist immer tiefstkalt. Da können Fahrspuren noch nach ner Woche so aussehen wie von gestern.
101126-landcrusiser-in-meiner-spur Trotzdem, ich verliere sie alle, stehe allein im Weiss, und erblicke ein GerCamp. Fahre schnurstracks drauf zu.
Die drei Burschen schlachten gerade. Das nenn ich ja mal Tiefkühlfrisch, wir haben -23°C. Da kann jede Tiefkühltruhe ruhig aufstehen bleiben, Stecker raus nicht vergessen.

Ich hab nur eine Idee und bestehe darauf: Einer der drei steigt jetzt in den Gelben ein, und fährt solange mit den Berg rauf bis ich sicher bin. Dann kann ja ein anderer meinen Pfadfinder mit dem Pferd abholen, was anderes haben die drei nicht.
So finde ich wirklich eine Spur. Der dann sogar entgegenkommende Landcrusier findet dann meine. So wird er bei den Dreien landen !

101126-pkw-festgefahren Auch die Mongolen tun sich offenbar schwer.
Das hilft mir, zumindest moralisch.
Dieser meint er käme in einer LKW Schneespur weiter. Kommt er natürlich nur ein bisschen weiter.
Und ich komme jetzt garnicht weiter, denn er steht in meiner Spur,
also fahr ich 1 Kilometer zurück, in meiner eigenen Spur,
das ist einfach.Denn hier lohnt sich für mich das Warten nicht.
101126-lkw-umgefallen Das hier ist schon etwas schiefer gegangen.
Der Fahrer wollte auch vom Fahr-Weg aufs Feld, duie Strasse ist mehr als zugeweht.
Aber da ist ein Entwässerungsgraben neben der “MainRoad”. Und genau der ist unsichtbar, weil voll Schnee geweht. Und dann bei der üblich hoch getürmten Ladung.
Da ist er umgefallen.
Die Mongolen nehmen so etwas sehr gelassen, packen die Plürren wieder aufn Haufen und warten. Das wird schon weitergehen, irgendwie….

02.Dez.10– Winter in Mongolia

verfasst am 2. Dezember 2010

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04.Dez.–bei den Murats

verfasst am 4. Dezember 2010
101127-auspuff-demontiert-steppe Ja ja die Mongolen, die sind mir schon wer …
Ich will mal die Geschichte von Murat erzählen. Besser gesagt von Murat+Family.

Das fängt ganz harmlos und auch alt bekannt an: mein Auspuff ist mal wieder hin. Mitten in der mongolischen Steppe, zwischen Arvanher und Bayanhongor. Das Endrohr rutscht wieder mal aus dem Topf. Die für genau diesen Halt vorgesehen Schelle scheint irgendwie vom Montag abzustammen.

101127-auspuff-demontiert Kein grosser Akt. Hier so im stürmischen Steppenwind reparier ich da garnix, schraube lieber die Halterung auch noch ab, und staue das Endrohr einfach weg. Der Gelbe wird so auch nicht lauter.
Nun komm ich zeitig in West-West Mongolei, in Ölgliy an.
Da steh ich abends so auf einem belebten aber angenehmen Parkplatz zur Nachtruhe, da klopft es an meine Box.
Rollos sind unten, also kann keiner sehen, dass ich drinnen bin. Mache die Türe zum Durchgang auf, und sehe einen Lada vor mir parken. Murat mit seiner Frau.
Sie lauern mir geradezu auf.
101128-vor-restaurant Als Murat mich sieht, springt er aus dem Lada und empfiehlt mir alle seine Dienste, vom Hotelbett (hab ich schon), übers Abendessen (hatte ich schon), bis zum Museumsbesuch (will ich den ?).
Okay, nen Auspuffreparierer könnte ich brauchen.
Ohhh, da bin ich bei ihm goldrichtig. Er ist Spezialist. Ich soll doch gleich den Diesel anwerfen und hinter ihm herfahren.
Das können wir morgen in Angriff nehmen, heute hab ich meinen Schlafplatz gefunden, und der Diesel schläft auch schon.
Murat lässt nicht locker. Es kostet mich locker ne halbe Stunde, dann zieht er mit Frau und Lada von dannen. Bis morgen um 9h dann.
101203-opa-murat Ich hab es schon definitiv gewusst. Um 8.30h poltert es gegen die Türe. Murat. ich geb ihm noch ne halbe Stunde frei.Erstmal Tee trinken. Opa Murat, Oma Murat, Bruder und Schwester Murat, Nichte Murat. Das find ich ja wirklich nett, mal etwas in so ne Familie reinschnuppern. Vor allem Opa ist locker drauf und erzählt nen Schwank. Ich schmunzle und lache an verschiedenen Stellen, und alle sind zufrieden. Dann der Auspuff. Ob ich denn Werkzeug dabei hätte? Wie Werkzeug? Hat er denn keines? Naja, ein bisschen schon…, wollen wir mal sehen.
Im Grunde hätt’ ich es selber machen können, aber Murat gibt sich alle Mühe und steuert auch ne Schraube samt Mutter aus der Blechsammelschublade bei.

Zum Abendessen soll ich natürlich auch kommen, oder am besten gleich da bleiben.
Was macht denn jetzt die Rechnung, frage ich ? Naja, also für das Auspuff reparieren, für den Tee, fürs Abendessen, und für meinen Schlafplatz vorm Haus 35.000 Tokrig (ca. 20€). Ich handel auf 30.000 Tockrig runter, und alle sind zufrieden. Ich schlafe wirklich ruhig und gut.

101203-vor-murats-haus1 Am nächsten morgen zum Tee.
Ich hab festgestellt, dass meine Reserve H4 Birne auch nicht mehr funzt. Ob er eine neue im Dorf auftreiben kann, aber 24V muss sie haben, LKW-Technik.
Kein Problem, meint er. Kostet? Na 12V kostet 6.000 Tokrig, 24 V 12.000. Und für seine Bemühung nochmal 5.000.
Ich bräuchte auch drei Brote und 5x 1,5l Trinkwasser. Auch kein Problem, Brote kosten 3.000 und das Wasser 5.000.Ich solle meinen Diesel stehen lassen. Wir fahren mit dem Lada. Sohnemann und Frau fahren auch gleich mit. Die beiden steigen irgendwo im Bazar aus, wir fahren eine Strasse weiter. Er spricht einige Leute auf der Strasse an, bei einem AutoteileContainer fragt er nach, aber er hat keine. Wir fahren wieder ne Strasse weiter, Frau und Sohn steigen ein, Sohn hat die passende Lampe in der Hand. Ergo: ich war wichtigster Teilnehmer eines Ablenkungsmanövers. Ich durfte auf keinen Fall beim Kauf der Birne dabei sein, so sehr überteuert hab ich sie bekommen. Brot und Wasser kamen auch wie von Geisterhand ins gelbe Haus.
101204-junior-murat Zudem versucht Murat immer wieder genau das abzustauben, was er so in meinem Haus herumliegen sieht: mein Handy mit Touchscreen (seins hat nur Tasten), ein “Schoolbag” für den Sohn (mein Loewe Treckingrucksack mit 85 Liter), meine Fleecejacke und meine Jeans, die ich gerade anhabe und so weiter…
Bekommen hat er von alle dem nichts. Dabei hätte ich schon einige nützliche und wertvolle Geschenke parat gehabt, “Not used”, sondern nagelneu.
Achso, fünf abgezählte Kulis wollte er noch haben, für alle männlichen Familienmitglieder, einschliesslich Opa. Die hat er bekommen, und für Mama Murat auch einen.
Meine Meinung: Das ist nicht mein einziger solcher Fall in der Mongolei. Solche Mongolen haben ihr Nomadentum aufgegeben, und das Überleben stellt sich als schwieriger heraus, als das es die Froh-Botschaften aus der Werbung glauben gemacht haben. Sind deshalb die mongolischen Nicht-Nomaden andere Mongolen? Ich denke schon !