Beiträge aus der Kategorie ‘--Grenzerfahrung‘

Grenzerfahrung No1

verfasst am 6. Juli 2010

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Viele können es nicht werden, dafür sorgt schon die Route. Aber gleich die erste hat es in sich.
Ausreise Lettland nach Russland.
Ich mach mich in der PKW Spur breit, und das gefällt den Herrschaften hier ganz und garnicht.
Dabei haben wir seit 21.30h jetzt schon 2h draussen in der Warteschlange verbracht.
Ein Blick der Grenzer und Grenzerinnen reicht und es ist allen klar: ich gehöre hier mit dem Gelben nicht hin. Mehr als 3,5to.
Ich plädiere auf CampingMobil, auf Tourist und eben nicht Kieslaster, aber die Grenzer bleiben hart bis stur.
Auf nachdringliches Flehen erklären sie: sie würden mir ja gerne helfen, aber hier seien zuviele Kameras die das ganze Geschehen recorden würden. Und das käme bei den Vorgesetzten garnicht gut an, wenns jetzt ne Ausnahme geben würde.
Was mir bliebe wäre wieder rausfahren, ein LKW-Wartelos ziehen, und ca 24 h langsam nach vorne rollen, bis ich wieder hier stehen würde, nur eben eine Spur weiter rechts, in der LKW Abfertigung.

Aber was soll denn so ein NormalTourist mit so ner Regelung, nämlich den Jahresurlaub von 14 Tagen alleine mit zwei Tagen bei den hoch dekorierten Zöllnern verbringen. Ich fass es nicht und drängele weiter.

Die drei Defender sind inzwischen fast abgefertigt. Ich balge mich immer noch. Da kommt ein junger Schnöseltyp und meint, sie könnten mal ne Ausnahme machen, eine ganz besondere. Sie könnten die Filmszenen von meiner Vorfahrt löschen, und ich könnte weiter durch…
Da fasse ich es erst recht nicht. Ich will doch nur aus einem EU-Land ausreisen, Deutschland ist eh Gründungsmitglied dieses ehrenwerten Clubs, in dem Lettland Einlass gegeben wurde, und jetzt soll ich für ne nicht katalogisierte Dienstleistung zahlen. NEIN.
Also, ich hab noch nie bezahlt, werde auch diesmal nicht bezahlen, das ist Korruption, und ich schreib jetzt erstmal ein Protokoll.

Der ältere Schnösel wiegelt ab, er würde nochmal mit seinem Chef sprechen. Es ist jetzt genau null Uhr.
Und die Antwort lässt nicht lange warten: ich kann durchfahren. Meine Papiere sind ja eh schon kontrolliert, und nen Stempel gibt es hier sowieso nicht.
Mein “Danke” fällt sehr spartanisch aus.
Die Preisangabe fürs Löschen? Haben sie nicht mehr aufsagen können, ich war schneller aus der Hose gefahren, als das sie die Forderung konkretisieren konnten. Besser so.

Grenzerfahrung No2

verfasst am 6. Juli 2010

06. Juli 0.00h, langsames Vorrollen zur russischen Einreise.
Letztes Jahr hab ich sie als korrekt wenn auch umständlich erlebt.
Dieses Jahr ist es nicht anders. Mit unseren vier Fahrzeugen fahren wir hinein,
Drei werden bemeckert, und zwar in Gänze.

Die Diskussion wird hitzig, bemüht, verständnis- und fassungslos geführt.
Die Defender sind alle auf Peters Namen zugelassen. Er kann aber nur einen fahren. Die anderen brauchen eine notariell beglaubigte Halterbestätigung, Und die geht nur in der Schweiz. Wo die Fahrzeuge ja herkommen.
Mhh, das macht aktuell keinen Sinn, und ausserdem ist Peter doch höchstpersönlich anwesend.
Na wenn wir denen so kommen, dann wird jetzt das Gepäck gewogen. 50Kg pro Person Einreise sind erlaubt, der Rest ist für die Grenzer oder für Altkleider.
Mmmhh, das riecht nach Schikane.
2h vergehen einfach so.
Nach einer weiteren Stunde gibt es eine kostenträchtige aber immerhin lösbare Idee: Die drei Defender fahren wieder zurück in den lettischen Zollbereich. Dort faxt ein Notar aus Lettland eine Erklärung, und dann sollte die Einreise klappen.
Wir sind mit dem Gelben allerdings schon so gut wie durch und verabreden einen Treff hinter der Grenze.
Denn dieses teure Fax kann erst gegen 9h geschickt werden, zu üblichen Bürozeiten und wir haben gerad mal 4h morgens.
Mit dem Gelben gehts an einen ruhigen Schlafplatz, und rund 7h später treffen wir den Rest nach unserem schönen Schlaf wieder. Für sie waren das jetzt 13,5h Ausreise Lettland-Einreise Russland.
Wenn das keine Grenzerfahrung ist???

17.Nov.–Grenzerfahrung

verfasst am 21. November 2010

Nun bin ich in der Mongolei,
und es war noch ein Affentheater eh ich draussen war.
Ich musste mit dem Taxi zur Grenze.
Zhang, der ‘Guide’ für jede Grenze’ ist den Gelben gefahren.
An der Grenze durfte ich in den Gelben, aber hinten sitzen…
(na das kenn ich doch irgendwoher…),
doch dann musste ich in einen Russenjeep umsteigen, bis zum Schlagbaum und so weiter…..

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Um 18h schliessen sie hier für gewöhnlich,
um 18.45h bin ich in die Mongolei eingereist.
Letztlich hat Zhang einen lokalen AgenturMenschen eingeschaltet, und der hats dann zustande gebracht. Zum Schluss haben sie die letzten kleinen Papierschnipsel im Lauftempo abgeholt und neu verteilt.

Meine Grenzabfertigung in Mongolia, war ok. Alles im TotalDunkel, schwer zu durchschauen.  Ich bin dann auch mal locker an allen Kontrollen vorbeigefahren, aber man hat mich eingefangen, und dann persönlich von Station zu Station begleitet. Brauchte mich in keine Schlange einreihen. (alles Mongolen auf der Rücktour vom Einkaufen in China).
So geht’s eben auch, wenn ich schon (wie in China) keine Schilder lesen kann.

Die Bewohner Chinas sagen sehr stolz und auch wirklich sehr freundlich und ganz oft „Welcome in China“. Dabei strahlen sie mit den Lebkuchenherzen um die Wette.  Aber das Government traut sich nicht auch so zu handeln. Die haben die totale Angst, dass man „dem China“ diese Position in der Welt einfach wieder wegnimmt. Dabei geht das gar nicht mehr, aber die Chinesen trauen eben genau diesem Braten nicht.

Anschliessend wurde es noch mal richtig spannend.
Das Grenzkaff auf der mongolischen Seite ist wirklich das letzte StaubChaosDorf. Das wusste ich ja schon von der Hinfahrt. Also war mein Plan einfach durchs Dorf, bis alle Lichter verschwunden sind (war ja schon stockdunkel, ca 19h), und dann in der Steppe etwas abseits der Piste (Strassen gibt’s keine mehr, nur mehr Fahrspuren) nen Schlafplatz nehmen.
Okay.
Schon im Dorf fährt so ein Russenjeep ne ganze Zeit hinter mir her. Leicht zu erkennen, weil nur ein Hauptscheinwerfer geht. Hinten ein komisches grünes, zusätzliches Licht. Sieht man hier aber häufiger. Er setzt mehrfach zum Überholen an, schafft es dann auch, und fährt wenige hundert Meter vor mir an den rechten Strassenrand, stoppt, und macht alle Lichter aus.
Ich fahr gemütlich mit 20 bis 30 Km/h vorbei.
Nächster Durchgang: er startet wieder, überholt mich, fährt voraus, hält rechts an, macht alle Lichter aus.
Ich wieder gemütlich vorbei.
Die Piste gabelt sich, ich erwische den falschen Zweig, es geht in ein abgezäuntes Gelände hinein, der Jeep bleibt am Zaun stehen.
Ich komme auch nur 500 Meter weit. Ein Schlagbaum. Ich wende, fahre zurück, am Jeep vorbei.
Der dreht, fährt wieder hinter mir.
Ich fahre langsamer.
Er fährt genau neben mir. Keine Scheibe runter, kein Gesicht zu erkennen.
Ich leuchte mit der Taschenlampe rein, erkenne aber auch dann nix. Alles während langsamer Fahert.
Ich fahre weiter, mache mir aber Gedanken über meinen Schlafplatz. Solange Der nicht weg ist, macht das keinen Sinn.
Alle Strassenbeleuchtungen aus dem Grenzdorf sind verschwunden, stockfinstere Nacht, bis auf den Halbmond. Mein GPS zeigt mir eindeutig den Weg, es ist der gleiche rückwärts den ich hergekommen bin. Ich fahre quasi auf meiner eigenen Spur von vor gut drei Monaten zurück.
Doch plötzlich winken Menschen auf der Piste.
Mit rotem Leuchtstab, ein Polizist, jedenfalls hat er ne Uniform oder so an.
Und ein Typ mit Pudelmütze, der scheint noch wichtiger zu sein.
Ich solle stehen bleiben, und den Motor ausschalten.
Sie wollen Fahrzeugpapiere und Passport sehen. Dann durchsuchen sie den Gelben Koffer wirklich gründlich. Alle Schubladen soll ich auf machen. Die Aussenstauräume bleiben alle unkontrolliert. Ich muss aufpassen, dass keiner von den beiden ne Chance hat, in einem unbebachteten Moment etwas „verschwinden“ zu lassen. Irgendwie verstrickt mich die Pudelmütze immer in ein Gespräch, während die Uniform in den Schubladen arbeitet.
Dann hält der Russenjeep von unterwegs genau hinter mir.
Im ersten Moment denke ich: ohja, das ist auch Polizei, die wollten wissen was ich hier so des Nächstens herumfahre, aber denkste. Jetzt gehts los.
Es handelt sich hier wohl um einen Checkpoint der Polizei, die den gesamten Verkehr zur Grenze schon vor dem Grenzdorf kontrollieren.
Die Typen aus dem Russenjeep kommen auch zur Polizei und erzählen viel. Daraufhin kommt die Pudelmütze und bittet mich mit zum Russenjeep zu kommen. Er zeigt auf die Beifahrertüre. Ich sehe einen Kratzer, kaum ne Delle. Und wer diese Russenjeeps der Mongolen kennt, der weiss, dass eine Delle nullkommanix ist. Die sind völlig zerstört unterwegs, fahren mit platten Reifen, und die Türen schliessen nicht oder fehlen ganz.
Jetzt versteh ich sofort was hier abgeht. Der Mongole aus dem Russenjeep versucht klar zumachen, ich hätte ihn gerade eben gestreift oder sogar gerammt. Es geht um Geld, was sonst. Der reicheste Typ in dieser Runde bin ich, das sieht doch jeder. Geld ist Gelb.
Ich flippe ‚immediatly’ aus, werde laut. Protestiere auf deutsch und englisch, gerade was schneller geht. Ich meine, wenn so eine Dünnblechkiste meinem Gelben zu nahe kommt, dann sieht das für gewöhnlich vollkommen anders aus. Dann kann man IMMER den Leiterrahmen sehen, wenn so ein KinderGocart denn einen hat.
Zudem verweise ich auf die BauHöhe des Gelben. Für diesen Kratzer müsste ich meinen Gelben um mindestens 40cm tiefer legen. Das macht bei euren Pisten hier wirklich keinen Sinn.
Die Polizeimenschen haben schnell ein Einsehen und winken ab. War doch eindeutig zu blöd gepokert von dem Russenjeepmongolen, und der verschwindet.
Die Pudelmütze meint jetzt sie wäre mein Freund. Wir gehen ins GerZelt und er füllt ne Kladde aus. Kennzeichen? Woher? Wohin? Macht 10 US Dollar!
Okay, dann flippe ich eben wieder aus! Wieso fahre ich vor drei Monaten von Ulan Bataar über Saynshand und bis genau hierhin, und es kostet Nullkommanix, und jetzt 10e???
Nöö, zahl ich nicht. Warum überhaupt, sein Mittagessen muss er sich schon selber kaufen.
Mein Redeschwall ist längst erprobt, und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. Die Mütze winkt ab, gibt mir Papiere zurück und einen kleinen Laufzettel, den ich garantiert bis nach Deutschland mitbringen werde, weil ihn kein Mensch mehr sehen will. Und soviel Wert ist er dann auch: Nix.
Zur Belohnung erkläre ich jetzt der Mütze, dass er mein Freund ist, und halte ihm meine „take five“ hin. Er schlägt ein, aber richtig freuen kann es sich wohl darüber nicht, komisch.

Ich bin dann noch so 15 Km durch die Nacht gefahren, hab eine Gabelung genau mittig genommen, und bin weg von allen Pisten ins Nullkommanix gefahren.
Aber wirklich gut geschlafen hab ich nicht.
Es ging immer wieder ein guter Wind auf, und ich hab dummerweise quer zur Windrichtung geparkt.
Und ansonsten war es so ausgesprochen ruhig da draussen. Das bin ich aus China wirklich nicht mehr gewöhnt….
Anyway, ich bin in Mongolia, endlich !