Beiträge aus der Kategorie ‘2016 Ural-Expedition‘

21.Juli - Filmshooting

verfasst am 21. Juli 2016
Zunächst geht es für mich und meinen Mog ins angeblich grösste Automotive Testgelände der Welt, rund 160km nördlich von Moskau, nahe der Stadt Dimitrov.

Fedor moderiert eine Reportage für die russische Ausgabe der Autobild, und ein youtubeClip dringend dazu.

Thema AdBlue, denn dieser Mog ist sicher einer der ersten mit Euro VI-Norm. Fedor macht mir den Zusatztank voll.

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Der Unimog kann noch viiieeel steiler, bis 100% lt Werksangabe, aber für die wirklich steilen Teststrecken brauchen wir wieder eine Sondergenehmigung, und auch ein Sicherheits-Schleppfahrzeug, also reichen auch 40%. 160721-steilrampe-guenthersleben-steyr-12m18-allrad-offroad-4x4-dsc06886
Am nächsten Tag gehts in die Sandgrube für das russische Allrad Magazin “4×4 Club”, ganz ähnlich dem “Allradler”.

Iwan bringt nen eigenen Photographen mit, und er bringt Nadja aus der Stadt mit,
und die bringt mir mein repariertes Handy wieder mit.

Wunderbar.
Denn ohne Mobile und hier etwas organisieren wollen, null Chance.

Danke Nadja

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26.Juli - unterwegs zum Ural

verfasst am 26. Juli 2016

aktueller Status:    ich bin auf dem Weg zum Ural,
heute 30Km östlich von Kirov, Ruhe- + Arbeitstag am Strand, bei 28°C fast wolkenlos.
Ich bin das einzige Wohnmobil hier, weil es in diesem Land praktisch keine gibt.
das Zweite kommt gleich, Freund Max mit seinem TGM, dann gehts raus aus Europa.

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Seit 14.00h sind wir vollzählig.

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27.Juli - Brücken-Er-Fahrung

verfasst am 27. Juli 2016

Das das so nach unserem Strandleben so nicht weitergehen konnte war klar.
Wir sind ja zum Abenteuern hierher gekommen.
Und bevor wir Asphaltmüde werden, ja da muss es doch eine Abkürzung geben.
Tatsächlich ist in meinem Autoatlas eine kleine weisse Route eingezeichnet …

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Die ersten 22Km bis zu einem Dorf sind leicht, ne gute Schotterpiste ist ja immer erheblich besser als ne schlechte Asphaltdecke.
“Gekrönt” wird diese Etappe von einer sehr stylischen Holzbrücke.

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Kurze zu-Fuss-Begehung, und für GUT befunden.
Macht Spass….

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Allerdings wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht,
- dass wir zwei Tage später genau wieder an dieser Brücke stehen werden,
- dass wir für die nächsten 25Km genau diese zwei Tage benötigen werden,
- dass wir unsere gesamte Berge-Ausrüstung werden einsetzen müssen,

und das wir über Stunden nicht sicher sind, es überhaupt ohne fremde Hilfe schaffen zu können.

Aber erstmal halten wir an diesem verlassenen Dorf.
geniessen diese absolute Ruhe in der Natur …

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28. Juli - schwer …

verfasst am 28. Juli 2016

Die Piste am nächsten Morgen ist keine,
sie ist lediglich ein zugewachsener Waldweg …
Aber zunächst gut Machbar.

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Es folgen mittellange bis lange Schlammlöcher in loser Folge …
aber mit viel Allrad, noch mehr Diff.Sperren und etwas Mut gehts weiter …

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Dann die erste Muskelarbeit…,
umgestürzte Bäume versperren den Weg,  Birken !

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Um möglichst Arbeitsunfälle zu vermeiden, haben wir alle Arten von Kettensägen gleich zu Hause gelassen.Was bleibt ist die Lieblingsmachete von Max aus uralten Tagen,
und eine Taschensäge.
Kein Problem, wir sind ja hier auf Urlaub, und nicht auf der Flucht …

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Geht doch, der Weg ist frei.
Demonstrariv steckt Max seine Lieblingsmachete mit einem kessen Hüftschwung zurück ins Halfter.
Er meint er habe soetwas schon mal in “Pirates of the Caribic” gesehen,
na denne ….

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28.Juli - schwerer …

verfasst am 28. Juli 2016

Noch mehr Bäume sägen, noch heftigere Schlammpassagen….
Max will sich an dieser Engstelle am Baum vorbei mogeln, landet aber im Morrast.

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Die Machete ist wieder gefragt,

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Morast oder Sumpf ?
Kaum noch zu unterscheiden. Eindeutig ist allerdings, dass die Gegend hier immer nasser wird, Meter für Meter.
Unsere schweren Fahrzeuge verlassen die Spurrillen nur unwillig, und manchmal garnicht mehr. Der nagelneue Klapp-Spaten kommt zum Einsatz, es müssen Rampen gebaut werden, um auf festeres Terrain zu gelangen. Baumäste sollen auch helfen …

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Diesmal haben wir es wieder geschafft.
darauf gibt’s ein Stärkungs-Wassereis aus der Gefrierbox.

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Aber die Wirkung von Aufputschmitteln verfliegt erfahrungsgemäss schnell.
Spätestens an der nächsten Tiefschlamm-Stelle.
Alle Räder drehen langsam, stetig durch, der MAN rührt sich nicht. Aber der Mog steht mitten in einer Senke ohne Grip.
Wir binden ein zweites, elastisches Abschleppseil an das erste. damit der Mog jetzt von halbwegs festem Untergrund anschleppen kann, es hilft …

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Unsere Tagesbilanz bleibt erschreckend: 12Km in zwei Stunden, 50Km sollten wir schaffen, erst dann wären wir aus dem Wald heraus.
Für die letzten 800 Meter haben wir nochmal 2 Stunden gebraucht.
Der Dieselverbrauch steigt auf über 100 Liter/100Km. Davonhaben wir allerdings genug an Bord.

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28.Juli - nicht machbar …

verfasst am 28. Juli 2016

Wir pflügen den Wald um.
Neuer Plan: ich mach mich auf den Fussweg. In drei Kilometern soll es einen Abzweig geben. Wir wollen wissen, ob wir ab da eine leichtere Chance haben.
Nach nur 700 Metern Erkundigung hab ich schon die Gewissheit: es wird schlechter, viel schlechter …
Unsere gemeinsame Entscheidung ist klar: wir geben auf !

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Das Wetter verschlelchtert sich. Starkregen setzt ein.
Jeder von uns beiden hatte wohl schon daran gedacht: wenn es hier jetzt regnet, dann gehen unsere Probleme erst richtig los.
Unsere frischen, sehr tiefen Spurrillen füllen sich schnell randvoll mit Wasser.
Wetter und Aussichten trüben sich ein.
Vor ein paar Stunden hat Max Abdrücke von Bärentatzen gefunden: sind wir im für uns falschen Revier unterwegs ?

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29.Juli - Rückweg, + fast das Ende

verfasst am 29. Juli 2016

Der Regen hat sich gelegt, feuchte Luft.

Noch vor dem Frühstück höre ich Max durch den Wald rufen: „Ich wende dann mal…“.
Ich springe in meine Klamotten, auf dem schmalen Weg braucht er Hilfe. Rechts + links am Rand droht sofort der Sumpf des Waldbodens.

In einigen Zügen geht’s aber erstaunlich gut. Der MAN parkt jetzt in Rückzugsrichtung. Dann soll der Unimog auch noch herumgedreht werden, und das gelingt ebenso problemlos.

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Frohen Mutes gibt’s jetzt Frühstück, bei Max. Hat sich bewährt, das Abendessen gibts dann im Bliss 13ft, das hält die Kühlschränke übersichtlich.
Los gehts’s, wir sind ungeduldig, wollen sehen wie es weitergeht.
Max plädiert dafür noch weitere Luft aus seinen Reifen zu lassen. Weniger Luft bringt plattere Reifen, und die haben mehr Bodenauflage, können deswegen mehr Kraft in den Vortrieb bringen.
Aber ob jetzt 0,8bar nicht doch etwas wenig sind ? Mir kommen klare Zweifel.

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Wir starten vorsichtig und zunächst fluppt es sehr gut, wir machen Boden gut. Dann fehlt Max in meinem Rückspiegel. Ich stell den Mog aus, gehe zurück und sehe schon Max auf dem Waldweg stehen.

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Das sieht furchtbar aus: beide Reifen auf der Beifahrerseite haben wohl zuviel seitlichen Druck in einer Schlammrille bekommen, beide Reifen haben alle Luft verloren und sind platt. Beide Mäntel liegen nicht mehr an den Felgenhörner an, sie sind komplett unter der Last des LKW verbogen.

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Dazu hängt der MAN völlig schräg im Dreck. Also schleppen wir ihn zunächst sehr vorsichtig drei Meter nach vorne, die platten Pneus walken ganz furchtbar.

Als Hoffnungsschimmer erweisen sich drei frisch erstandene Hebekissen. von Max. Zwar ist die Füllgarnitur nur unvollständig, aber Not macht erfinderich…
Die Hebekissen müssen den 11to schweren LKW so anheben, dass die schadhaften Räder vollkommen entlastet und angehoben werden. Die ersten Versuche mobilisieren unsere Hoffnung. Es gelingt tatsächlich.

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Zuerst den hinteren, dann den Vorderradreifen. Damit die Reifen wieder gut abdichten müssen wir feste Schrubben, der halbe Waldsumpf klebt an den Felgen.

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Übrigens, eine Schwierigkeit sieht man den Bildern nur wenig an: hier wimmelt es von Mücken, Bremsen und gierigen Bienen. Wir hören auf die Stiche zu zählen, wehren nur noch gestenreich die Bedrohung ab, denn eine Chance ihr zu entkommen haben wir erst in ein knapp zwei Stunden.

Soviel brauchen wir für 7,5 Km raus aus diesem Wald. Dabei wollten wir 80Km schaffen, aber in die andere Richtung.
Mein Dieselverbrauch im Mog erhöht sich nochmal, jetzt auf stolze 120 Liter

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So stehen wir nach zwei Tagen wieder genau an derselben Stelle,
sind ungefähr 50 Km gefahren, und haben dafür rund 16 Stunden gearbeitet.
Aber unglücklich sind wir deswegen jetzt nicht ….

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31.Juli - Perm 36

verfasst am 31. Juli 2016

So heisst ein Lager für Strafgefangene, weit weg von allen Verbindungen zur Aussenwelt. Ursprünglich wurde es angelegt, um die Gefangenen für die Holzwirtschaft einzusetzen.

Wir sind in der Nacht angekommen. Ein Security-Mann kommt raus um eine zu Rauchen. Klar können wir direkt vor dem Eingang campen, kein Problem.

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Nach Lösen der Eintrittskarte (625 Rubel, ca.7€/Person) übergibt man uns ein Handy, mit der deutschsprachigen App des Museumsführers.
So ist es leicht, sich in die Situation der damaligen Gefangenen zu versetzen.

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Es gibt auch einen reellen Eintrag zu diesem Lager in wiki,

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31.Juli - Seitenwechsel

verfasst am 31. Juli 2016

31.Juli 2016

Wir verlassen unseren Erdteil. Nach rund 2.700 gefahrenen Km (Unimog-Start in Moskau), und Max mit rund 4.000 km (Fähre bis Helsinki) stehen wir auf der symbolischen Ostgrenze Europas.

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01.Aug. - Urlaubsfeeling

verfasst am 1. August 2016

Nach all den Aufregungen ist jetzt wieder Tourizeit.
Übernachtungsplätze zu finden ist hier keine Kunst,
Der sibirische Sommer ist immer einer: Dauersonne + ab 30° aufwärts.

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Serov.
Provinzgrenzen werden hier mit riesigen, oft sehr phantasievollen Schriftmarken demonstriert.
Wir merken es auch meist am Wechsel der Asphaltqualität, von gut zu schlecht, oder auch umgekehrt.

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Bei der Einfahrt in die nächste Stadt ist erstmal ne Reifenbude fällig.
Max will lieber ein “gutes” Rad auf der Lenkachse haben, also Rädertausch.
Bei so ner Gelegenheit gibts immer viel zu palavern:
woher? wohin? aus Deutschland? Mercedes+ MAN gut !
“Schweinsteiger”? “Merkel” ?
In der Reihenfolge.

Frage ich nach einer Photoerlaubnis fühlen sie sich geehrt, bringen sich in Position,
das Leben kann sooo einfach sein …

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Serov hat etwas zu bieten,
wir verbinden Einkaufen mit Sightseeing.
Eine junge Stadt, mit viel jungem Volk, und Kinderwagen an allen Strassenecken.

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01.Aug. - in der Provinz

verfasst am 1. August 2016

Auch Kleinstädte wollen besucht werden.
Bahnhöfe sind gebaut wie Kirchen

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und gleich gegenüber Relikte aus alten, kommunistischen Zeiten,

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Manchmal hängen diese Rohre auch nur in 4,00m Höhe, und wenn es dann kracht, dann kracht es sehr gewaltig, denn es sind Gasleitungen.

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02.Aug. - raus aufs Land

verfasst am 2. August 2016

Raus aus der Stadt, hinaus aufs Land.  Abenteuer lockt!
Zunächst alle Tanks vollmachen. Beim Unimog schnell erledigt, hier gibts nur die Grundausstattung: 145 Liter Dieseltank. Davon sind die letzten 15 kaum erreichbar.
Aber ich hab ja mein Backupfahrzeug dabei: Max hat Kapazität für 600 Liter, und wir haben sogar eine “Schüttelpumpe” mit dabei.
Unsere Wahl fällt eindeutig auf Qualität, und so werden wir Kunde der “Gazprom”.

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Aber so richtig zufrieden werden wir nicht, sitzt doch das Mädel hinter einer vollverspiegelten Schaufensterscheibe, und in den Laden hinein darf auch keiner.

Zudem irritiert uns etwas das Warensortiment: Neben Diesel + Motoröl gibt es eine umfangreiche Auswahl an Kondomen aller Schattierungen.
Kein Problem, Max hatte schon in D “vorgesorgt”, aber die brauchen wir erst später …

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Es geht nach Norden, aus IWDEL hinaus,
und schon liegt rechter Hand die Verwahranstalt für auffällig gewordene,
hier in Russland, da geht wirklich alles…..

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02.Aug. - Kurs nordwärts …

verfasst am 2. August 2016

Direkt hinter Iwdel beginnt das wozu wir hier sind: Piste fahren.
Und das soll uns ausgerechnet verboten sein ?
Was ein Glück das wir “Wohnmobil” im Fahrzeugschein stehen haben,
das werde ich der Obrigkeit hier schon erklären können …

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Für die ersten 132 Km brauchen wir gut 6 Stunden. Reine Netto-Fahrtzeit versteht sich.
Die Landschaften + Perspektiven können unterschiedlicher kaum sein.

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Das war schon vor der Reise klar: dieses Sibirien ist eine sehr nasse Gegend.
Sümpfe, Bachläufe, Flüsse + ausgewachsene Ströme. Wer hier von der Piste abkommt, der geht gleich in mehrfacher Hinsicht unter.
Brücken gibts nur anfangs …
Klar biegt die sich gerade durch, klar knirschts unter meinen Pneus,
aber solange sie elastisch ist, solange hat Max hinter mir auch noch etwas davon …

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Hier liegt unser Weg ein Stück lang sogar direkt IN einem kleinen Fluss,
alles so in meinem Navi eingezeichnet.
“Maps for Me”, eine rudimentäre, kostenlose App, die sich der Karten des “OpenMapsProjekt” bedient, und die selbst hier im Nowhere-Country unheimlich präsise sind.

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Unser Etappenziel ist ein längst verlassenes Dorf. Hier gabs mal nen extremen Waldbrand, da wurde das Dorf aufgegeben.

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Keines Menschen Seele mehr,
dafür haben Milliarden von Mücken, Bienen, Bremsen das Dorfleben in ihrer Hand,
oder soll ich besser schreiben:
in ihrer Gewalt!

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03.Aug. - auf zum “magic place”

verfasst am 3. August 2016

Klar ist unser Vorhaben ambitioniert.
Im ganzen www ist kein einziger Bericht zu finden, wo es Fahrzeuge ganz nah zu den Steinsäulen geschafft haben. Max hatte sogar in russischen Foren gestöbert, 4×4-Offroader angeschrieben und nur sehr vage Auskünfte bekommen können.
Fast immer haben sie es im Winter geschafft. Dann sind die Pisten kräftig mit Schnee bedeckt, und die Flussläufe zugefroren. Ideal für Schneemobile.

Aber seit der vorletzten Tanke haben wir einen heftigen Motivationsschub bekommen.
Unternehmungslustige Jungens im hier üblichen Tarnfleck-Outfit kommen auf uns zu. Sie waren wohl mit ihren Quads in Wäldern + Pfützen spielen und erkundigen sich nach unseren auffälligen Fahrzeugen, dem woher + wohin.

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Ich ziehe mein Handy heraus und zeige meinen Startbildschirm: die Steinsäulen des Manpupuners. Sofort beginnt ein grosses Halli-Hallo. Letzten Winter waren sie dort, nicht mit den Quads, mit Schneemobilen, und wie zum Beweis zeigen sie Bilder auf ihren Handys.

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Jetzt werde ich lebendig und will es genau wissen. Haben wir mit unseren Fahrzeugen eine Chance ? Wie nah können wir heran kommen ? Welche Schwierigkeiten erwarten uns? Wie finden wir den besten Weg ???

Landkarten werden gezückt, keine ist detailiert genug. Dann zeichnen wir uns eben selbst eine. Gottseidank kann die Tochter der Truppe sehr gutes englisch, Missverständnisse praktisch ausgeschlossen.

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Und die Infos stimmen uns sehr extrem zuversichtlich.
Nach dem letzten Lager noch 25 Km bis zum Dartlov-Pass. Der ist steinig aber für uns gut machbar. Dann noch weitere 100 Km genau nach Norden, durch Wald + Sumpf bis es nicht mehr weiter geht.
Dann sind es noch genau 2 Km zu Fuss den Berg rauf.
Schwupp wären wir da, alles kein Problem.

Uiuiuihhh, das will jetzt erstmal geschnallt werden.
Wir sind theoretisch + praktisch auf dem genau richtigen Weg.
Zur Feier kehren wir in das griechische Gasthaus an der Tanke ein. Die heissen hier alle “Cafe” und griechisch ist da auch nix drinne, egal, wir haben Grund zu feiern.

03.Aug. - es wird schwer …

verfasst am 3. August 2016

Wir starten gegen 10h, aber es wird 11h. Ein Tetrapack hat seine Kirschsuppe in Max’ Staukiste entleert. Das ist neu. Bisher waren es zahllose 1,5l Wasserflaschen die sich durchscheuerten. Das ist schon eine Eingabe bei Lidl & Co wert. Diese dünnen PET-Flaschen sind null pistentauglich.

Wir starten am verlassenen Dorf und die ersten Km sind problemlos zu meistern, wir sind ja im Training.

Dann wird der Weg immer enger, der Bewuchs immer dichter.

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Nur zum Luft holen tut sich ein gutes Stück weiter eine Lichtung auf,
gut für eine kurze Verschnaufpause.
Hier hat ein Bulldozer mit aller Gewalt einen Zeltplatz aus dem Boden gestampft.
Brauchen wir gerad leider nicht, aber den Bulldozer … ??

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Wir freuen uns zu früh,
nur 150m weiter wird noch enger, und bleibt auch einige Zeit so.

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Dieser “Weg”  bietet alle Register,
hört der enge Wald auf, kommen tiefe, lange Schlammpassagen.

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Manchmal hat man versucht sie mit Birkenstämmen zu befestigen,
aber das muss schon lange her sein.
Fast alles was im Wasser lag ist verfault, aber die Reste können tükisch sein …

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Ein paar hundert Meter weiter kämpfen wir mit extrem tiefen Spurrillen. Meine Portalachsen helfen mir hier sehr,
die Diff’s von Max TGM scheuern sich durch den Sand.

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Neben Bulldozern verkehren hier wohl nur Holzrückefahrzeuge der Uralt-Eisen-Klasse wie die 6×6 ZILs oder 6×6 Ural.
Wir kommen uns immer exotischer hier vor.

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Wir landen völlig überrascht in einem Camp.
Hier wimmelt es nur so von Grossgerät.

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So ganz ergibt das hier am Ende der Welt für uns keinen erkennbaren Sinn.
Ich versuche Kontakt aufzunehmen.
Nach anfänglicher Scheu klappt die Verständigung doch mit ein paar Brocken englisch.
Die beiden sind Goldsucher. Das Projekt ist auf 10 Jahre angelegt. Im Winter ist das Arbeiten einfacher, jetzt versinkt alles im Schlamm. Das meiste Gerät ist wohl im Winter mit einem gigantischen Schlitten von der gelben Raupe über den zugefrorenen Fluss nach hier gezogen worden.

Ja, wir sind auf dem richtigen Weg, da hinten gehts weiter … !
Sie schätzen die Entfernung zum Datlov-Pass noch auf gut 25 Km, und dann bis zu den Steinsäulen nochmal auf 80 Km.

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Bisher haben wir heute für die 35 Km gut 4h gebraucht. Ergibt einen Schnitt von 8 km/h …
Seit Iwdel fahren wir nun schon 170 Km Piste, unser Stundenmittel liegt bei rund 10 Km/h, und zurück müssen wir das ganze auf jeden Fall auch noch.

03.Aug. - wir drehen um.

verfasst am 3. August 2016

Es ist schon viertel nach vier,
wir starten vom Goldgräbercamp Richtung Djatlow-Pass. Ein enger, dunkler Waldweg.
Wir dachten eigentlich diesem Pass schon näher zu sein, aber der einzig für uns fahrbare Weg brachte uns zu sehr nach Nordost- statt nach Nordwest.
Bis zum Camp hatten wir uns jetzt 35 Km durch den Dschungel gequält, sind unserem Ziel aber offenbar keine 10 Km näher gekommen. Das drückt auf die Stimmung.

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Unsere Geschwindigkeit sinkt weiter radikal:
Unter der dünnen Schicht Waldboden ragt immer wieder gewachsener Fels hervor. Offenbar die  ersten Zeichen, dass wir dem Pass näher kommen. Nur sehr vorsichtig können wir die Fahrzeuge bewegen, kaputte Reifen wollen wir uns nicht leisten. Wegen der tiefen Schlammlöcher hatten wir den Druck gut absenken müssen.

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Es geht kaum mehr vorwärts und wir besprechen uns neu:
Gut 100 Km sind es sicherlich noch. Bei einem Stundenmittel von 7Km/h sind das 2 Tage ab jetzt. Dann diese 2 Tage bis hierhin zurück, und die Strecke bis zum Asphalt zurück sind noch mal 2 bis 3 Tage. Dann sind wir ne Woche weiter. Wenn nichts besonderes dazwischen kommt.
Und daran glaubt von uns beiden jetzt keiner mehr.
Wir geben auf !
Aber den Wendepunkt zelebrieren wir.
Stühle raus, eine Mahlzeit, Fahrzeuge checken, Kaffee trinken  …

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Man hatte uns schon gewarnt, das es sehr steinig werden würde,
jetzt wissen wir warum …

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Unsere Navigation zeigt, dass wir ziemlich genau noch 51 Km Luftlinie von den “Sieben Starken Männern” entfernt sind.
Heute ist uns das zuviel,
aber wer weiss ….

04.Aug. - Drei starke Männer.

verfasst am 4. August 2016

Erst beim zurück gehen merke ich, wie gross die Anspannung beim vorwärts gehen war: Das Ungewisse ist weg. Das Ziel ist schon bekannt, ja fast vertraut.
Zeit die GoPro mal an die Aufbauten zu hängen,
Platz für Unsinn, wenn wir durch die Flüsse ein Ehrenrunde nach der anderen drehen.

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Ich versenke mal eben den Batteriekasten samt Batterien im Wasser. Bei einer möglichen Wattiefe von 1,20m darf ja eigentlich nix passieren. Passiert auch nix, wird nur mal ein bisschen sauber von innen.

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Wir fahren noch in Burmantovo vorbei. Auch eine Sackgasse (25Km). Das einzige Dorf das hier in unseren Karten eingezeichnet ist.

Heute soll hier ne Rallayeveranstaltung starten, aber wir sehen rein garnix davon.

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Ebenso in unseren Karten ist eine Piste vermerkt, die nach Norden um den Ural herum führen könnte, aber alle Infos hier vor Ort lauten anders. Das wäre eine reine Winterroute, also aktuell für alle und jeden: unpassierbar.
Okay, nehmen wir wieder die Brücke zurück,
und ignorieren ein p160804-bumantowo-bruecke-guenthersleben-steyr-12m18-blissmobil-allradler-offroad-4x4-dsc00093aar neue Schilder …

Auf der letzten Etappe kommen uns dann noch ein paar sehr zwielichtige Typen unter. Einer fuchtelt mit einem Ausweis vor unseren Nasen herum und sie stellen Fragen die wir nicht verstehen. Das ist von Vorteil, denn so kann auch keiner erwarten, das sie unsere Antworten verstehen werden. Unverrichteter Dinge (Bakschich, Permit? …) zieht jeder in seine Richtung einfach weiter.

Ein Photo möchte ich aber doch noch !
Uiuih, der Ausländer will ein Photo von uns.
Sie stellen sich sofort mächtig in Positur:    Drei starke Männer !!!
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05.Aug. - Zurück auf Start

verfasst am 5. August 2016

Unsere Rücktour soll uns zu einem neuen Ausgangsort bringen. Von Iwdel gehts 200 Km weiter nach Nord-Osten, nach Yugorsk. Frischwasser müssen wir bunkern. Die Tankstellen sind nicht wirklich dafür gerüstet, aber unser Blick fällt auf eine nagelneue Autowaschhalle.

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Die Jungens sind ganz begeistert wegen des besonderen Besuches. Statt Bargeld fürs Wasser möchten Sie Photos fürs Familienbuch, gerne …

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Yugorsk entpuppt sich sehr junge Retortenstadt, die nur wegen der vielen Erdöl- und Gasfelder im Norden gegründet worden ist. Holz bietet auch noch eine Grundlage des Stadteinkommens.

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05.Aug. - den Ural umrunden

verfasst am 5. August 2016

Von Yugorsk gehts geradewegs schnurstracks nach Norden, Kurs 0°, nach Agirish. Das bedeutet 100 Km Betonplatten, und am Ende geht gerade ein echtes Unwetter hernieder. Gottseidank ist wenig Verkehr hier, denn wir beharren nicht auf dem Recht des Stärkeren, sondern weichen dann auf den Randstreifen aus.

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Unser Plan ist es den Ural gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden. Dann findet sich vielleicht noch eine andere Möglichkeit auf die Steinsäulen, den ManPuPuner  zuzufahren.

In Agirish ist es allerdings schon vorbei mit den Betonplatten. Bis zur nördlichen Querverbindung sind es noch geschätzt 140Km, aber schon jetzt müssen wir wieder anfangen zu kämpfen.

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Nach 30Km werden wir zum ersten male zu Brückenbauern.
Die Schneeschmelze im Frühjahr hat für Chaos gesorgt. Wir untersuchen genau den Untergrund. Wir tragfähig ist er? Was ist die beste Spur über die Betonröhren. Langsam krabbeln wir drüber. Erst hinter uns rutscht der Kies in den Fluss.

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Die nächste Stelle sieht garnicht so tückisch aus …, sie hat es aber in sich.
Etwas unkonzentriert versuche ich die Birken zu nehmen …, und scheitere !
Der Unimog dreht langsam aber sehr gleichmässig auf allen Vieren durch. Dabei schleudert er allerdings auch eine Birke nach der anderen auf die Rückseite. Zusätzlich rutscht das ganze Gefährt ebenso zielsicher nach rechts Richtung Abgrund.

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Uns bleibt nichts anderes übrig als Kies heranzuschaffen, um damit die Birkenstämme zu fixieren. Da ich nicht viele Versuche mehr übrig habe, wird es besonders viel Kies. Der nächste Versuch muss sitzen.

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Sehr gefühlvoll, und jetzt hochkonzentriert. Es klappt.
Max nimmt die gleiche jetzt fixierte Spur, es ist dunkel geworden. Halb elf in der Nacht. Wir bleiben einfach auf der Piste stehen. Verkehr gabs die letzten Stunden keinen mehr, wer kann hier bloss auch nur lang wollen …

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06.Aug. - schon wieder umdrehen …

verfasst am 6. August 2016

Nach dem Frühstück stabilisieren wir erst einmal das Reserverad von Max. Spannbänder haben sich gelöst und Metallarme zollen den Betonplatten wohl einen Tribut.
Wie gut das der Mog eine kleine Haube hat, da kann man vorzüglich im Sitzen reparieren.

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Wir starten ganz locker und frohen Mutes.
Aber der dauert nur rund 20 Minuten.

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Hinter einer Kurve gehts bergan, und die Holzrücke-Fahrzeuge haben in den letzten Jahren hier tiefe Furchen produziert. Die tiefsten Täler sind bestimmt 80cm tief. Viel zu tief auch für die Portalachsen des Unimog.

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Ich geh rund 1,5Km zu Fuss voraus um zu schauen wie sich der Weg entwickelt.
An sich wirds hinten besser, aber wir haben nur einen Spaten. Nur wenn wir die Spurrillen auffüllen, mit Birken und Kies, nur dann kommen wir weiter. Ein Tag ist da schnell rum.
Wir beraten uns.

Ab hier sind es noch rund 100Km über Pisten die wir nicht kennen. Einige Flussquerungen können wir in der Karte ausmachen.
Wir geben auf. Es fällt nicht leicht.

Und es geht wieder zurück über die frisch gebauten Brücken und sie halten.
Aber ein tolles Gefühl wird es trotzdem nicht.

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06.Aug. - neuer Plan

verfasst am 6. August 2016

In Agirish brauchen wir eine Denk-Pause. Das Dorf hat uns kein Glück gebracht,
und anderen offenbar auch nicht …

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Die Dorfjugend entdeckt uns,
wir basteln einen neuen Plan. Darin sind wir schon längst Profis.
Und der nächste klingt abenteuerlicher als alle anderen zuvor.

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Wir wollen am Linksknick südlich Agirish jetzt einfach wieder nach Norden abdrehen,
und landen nach 30Km vor vielen Schildern, Stacheldrahtzäunen, und beleuchteten Fabrikanlagen.

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Google-Übersetzer liefert uns auch gleich die Fakten:
Wir stehen vor dem Beginn einer Privatstrasse der Gazprom.
Befahren für Unbefugte verboten.

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Wir wollen jetzt genau an diesen Schilder unseren Übernachtungsplatz aufschlagen.
Und wenn die vorbeifahrenden uns unbehelligt lassen, keiner nach dem woher-und-wohin fragt, bis morgen früh,
dann werden wir einfach diese Privatstrasse nehmen.
Okay, ich stell mir den Wecker, wir wollen schon gegen 6h im Morgengrauen losfahren…,
quasi ein bisschen im Schutze der Dunkelheit …
na denne …, Gute Nacht.

07.Aug. - Stopp mit Wärter

verfasst am 7. August 2016

Der Wecker klingelt, die Diesel sind schnell gestartet, die Piste geht easy.
Auf die Sandhaufen müssen wir aufpassen, da liegt schon der Reparaturkit für den nächsten Winter parat.

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80 Min. und 40 Km später fahren wir durch ein Arbeitslager der Gazprom. Viele Schrottfahrzeuge stehen am Pistenrand. In Sichtweite wird eine Mega-Pipeline in den Boden gestampft.

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Rechts parkt ein besonders hochbeiniger UAZ, der hätte uns gestern wirklich sehr gut gepasst …

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Genau 250 Meter weiter wird unser Vorwärtsdrang nachhaltig gestoppt.
Eine Schranke versperrt den Weg, die Aufschriften können wir zunächst nicht entziffern.

Ein Lada braust heran, wir wurden wohl schon bemerkt.
Der Schrankenwärter steigt aus, hat den Schlüssel in der Hand, geht aufs Schloss zu und fragt beiläufig nach irgendeinem Permit.
Wir stutzen …, und er jetzt auch !
Wir haben keinen Passierschein !
Oh ! meint er, dann könne er nicht aufschliessen !

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Was jetzt folgt wundert uns sehr, bringt uns aber letztendlich nicht weiter.
Der Schrankenwärter telefoniert mit seinem Betriebsfunkgerät quer durch die Instanzen. Im nördlichen Punga organisieren sie einen Dolmetscher. Ihm tragen wir unseren Wunsch vor:
Wir möchten hier durch !

Er fragt nochmal nach: “Nach Punga? Hier ist nichts weiter als Fabriken, nichts für Touristen.”
“Wir wollen aber nach Punga, und dann vielleicht weiter nach Westen.”
“Nach Westen? Da gibt es keine Strasse, nur eine Schneepiste im Winter!”
“Ja, wir wollen es aber versuchen …”

Wir geben nicht auf, unser Dolmetscher telefoniert mit der Verwaltung in Yugorsk. Er bietet an, das wir wieder 160Km Piste nach Yugorsk zurück fahren, dort können wir versuchen einen Passierschein zu beantragen, und dann wieder zur Schranke hier zurück kommen, nochmal 160 Km Piste.
“Nein, telefonisch können wir das nicht erledigen.”

Und jetzt ?

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08.Aug. - Wassermarsch

verfasst am 8. August 2016

So richtig Lust uns das Permit zu beschaffen haben wir nicht. Max hat in seiner Karte sowieso eine Umfahrung dieser Sperre gefunden. Also fahren wir nur rund 20Km zurück und biegen ganz entspannt nach Osten ab. Frühstückspause.

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Dieser Weg ist uns schon ein Stück sympathischer. Er ähnelt viel mehr unseren bisherigen Klein-Wegen, als dieser Gazprom-Trasse gerade eben. Auch wenn jetzt der Baumabstand wieder heimlig nahe kommt, und uns die Fahrspur weitestgehend unter dem Schlamm verborgen bleibt, egal …

Wir, bzw. Max marschieren entschlossen das Terrain ab. Wir sind halt Profis.

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Hinter der nächsten Wegbiegung wirds wieder gaaanz anders.
Das lieben wir ja hier an diesem Jungle:
Mann weiss nie welche Aufgabe sich als nächstes in den Weg stellt.

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Vor uns liegt wohl ein Sumpfgebiet.
Das hatte die Karte auch schon erahnen lassen: immerhin sind wir in einem Quellgebiet von drei Flüssen.

Irgendwer hat vor Jahren ein paar Karren Sand ausgeschüttet, und damit der schön liegen bleibt einfach ein paar dieser Birken drüber geworfen. Sieht wirklich romantisch aus.

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Diese Etappe stellt sich aber ganz schnell als ganz besonders tückisch heraus.
An vielen Stellen ist der Sand unter den Birken verschwunden, sie schwimmen nur noch auf. Der Sand selbst ist reiner Fliessand: drehen die Räder nur kurz durch, ist der Sand sofort verschwunden, weil abgerutscht.

Der Unimog rotiert wild, springt über Birken, wühlt sich durch den darunter liegenden Sand,
und irgendwie schafft er es auf die nächste trockene Stelle. Ufff, das war recht knapp.

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08.Aug. - Unterwasserbergung

verfasst am 8. August 2016

Der MAN schafft nur die ersten Meter…,
… und sitzt mit dem Kühlerschutz auf einer mächtigen Birke auf. Die hat er allerdings vorher noch tüchtig unter die Wasseroberfläche gedrückt. Gottseidank hat der Kühlerschutz gehalten, wenn er auch etwas seine Form verloren hat …

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Alle Räder finden in dem “Fech-Fech” keinen Grip. Wenn wir den LKW ins Schlepp nehmen, droht der Kühlerschutz an der Birke hängen zu bleiben. Der Unimog steht zudem viel zu weit weg.
Was jetzt ?

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Zunächst sortieren wir die Baumstämme, störende werden aus dem Weg geräumt und zu einer kleinen Rampe zusammengestellt. Wir müssen den Untergrund tragfähiger machen.
Versuche zuvor mit Brettern und Klötzen scheitern kläglich.

Diesmal sind auch unsere “Rahmen”-Bedingungen für die Bergung besonders tricky. Viele Birken schwimmen lediglich, aber welche. Der Sand ist reiner Fliessand und gibt keinen Halt. Wir stolpern durch den Parcour, Wassertiefe oft mehr als einen Meter.

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Inzwischen hab ich eh das Gefühl in einem Werbeclip für die Fa.Vetter zu stecken. Schon wieder bieten diese Hebekissen eine gute Chance aus dem >Schlamassel heraus zu kommen.
Diesmal bringt sie Max unter die gut ausgefederten Vorderräder, und die liegen rund 35cm unter Wasser.

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Die Dichtprüfung unter Wasser besteht ein Kissen nicht. Egal, wir haben nicht die freie Auswahl. Müssen wir halt schneller aufpumpen als das Loch die Luft verlieren kann.
Und viele Versuche hier wegzukommen haben wir auch nicht. Jede Bewegung im Zuckersand quittiert der mit panikartiger Flucht. Grip für den Weg ins Trockene gibts hier sowieso nicht. Da heisst es mit allen Rädern sehr schön gleichmässig und langsam das rettende Ufer anstreben.
Und zwar rückwärts.

Und es gelingt tatsächlich.
Der MAN schleppt sich selbst langsam zurück,
die Hebekissen springen neugierig wieder an die Wasseroberfläche.

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08.Aug. - Rückzug

verfasst am 8. August 2016

Der MAN steht zwar rückwärts zur Fahrtrichtung, aber immerhin schon auf dem Trockenen.
Der Unimog steht dagegen abgeschlagen hinter unserem Birken-Sand-Viel-Wasser-Feld.
So ganz wohl ist mir nicht. Das Rettungsmanöver von Max hat die Strecke auch nicht verbessert.
Zum Wenden bleiben 30cm in jede Richtung, bevor der Sumpf uns verschlingen kann.

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Dann die Bewährungsprobe:
Ich geb dem Möggelchen die Sporen, alle Sperren geschlossen, nur der kleinste Gang.
Viel Motorleistung treibt das Ackergerät durch den umgefallenen Wald …

… und es gelingt tatsächlich.
Mein Respekt vor dieser Arbeitsmaschine wächst ins Unermessliche …

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Einer gesicherten Weiter, bzw. Rückfahrt steht jetzt tatsächlich nichts mehr im Wege,
denn den Weg kennen wir ja schon: es geht zurück …
aber zunächst pausieren wir in Anbetracht dieser sibirischen Herausforderung.

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Wir haben einen neuerlichen Entschluss gefasst:
Der Unimog hatte zwar diese Passage geschafft, aber wer weiss was in den nächsten 50Km noch alles kommt. Soweit sind es nämlich noch bis zur nächsten Kleinsiedlung.
Andere Routen sind noch wesentlich weiter östlich in den Karten gezeichnet.
Alle Russen sprechen allerdings auch immer von “Winterrouten”,
und warum, darüber können wir uns jetzt mehr und mehr ein eigenes Bid machen.

Also geben wir unser Ziel der Uralumrundung auf.

09.Aug - wieder in Yugorsk

verfasst am 9. August 2016

Nach so viel Tagen im Outback kann man natürlich auch etwas Zivilisation schätzen.
Der erste Besuch geht zu den schon längst bekannten Autowäschern.

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Ich such mir nen Waschsalon für meine Klamotten, denn ab jetzt könnte es ja wieder etwas ordentlicher zugehen.
Leider übersehe ich dieses Schuild und komme zu spät zur Abholung. In Russland kein Problem, man kennt sich und ein Nachbar klingelt die Wäscherin wieder herbei.

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In Yugorsk fühlen wir uns wohl, eine jugendliche Stadt. Hier wohnen vor allem Arbeiter für die Gas- und Ölfelder rund 30 bis 200 Km nördlich von hier.

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Für unsere letzte gemeinsame Übernachtung wählen wir den Friedhof.
Schliesslich haben wir ja auch eine Idee zu begraben,
jedenfalls für diesen Sommer …

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09.Aug. - Westlich des Urals

verfasst am 9. August 2016

Rund 5.000Km Heimreise liegen vor mir. Ich wähle die Strecke über Moskau, hab dort noch etwas zu erledigen. Max geht südlicher durch die Ukraine.

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Auf der Höhe von Perm versuch ich nochmal nach Norden auf die westliche Seite des Urals zu kommen, aber auch hier ist nach 400Km Schluss. Ich bin nur noch alleine unterwegs, und da werde ich rein garnix riskieren. Aber ich kann mir diese Gabelung ja schon fürs nächste mal merken, jetzt gehts erstmal wieder die 400Km zurück, zur M9, Richtung Moskau.

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Holzlaster prägen nicht nur die Fahrspuren im Outback. Hier sehe ich auch wo sie ihre Fracht loswerden. Bei einem Sägewerk fährt so ein rauchendes Ungetüm vor.

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Die Cheffin kommt raus und misst stichprobenartig die Durchmesser der Stämme. Danach richtet sich dann der Preis.

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Moskau empfängt mich mit bestem Wetter, wie übrigens auf der ganzen Tour.
Ich halte vor dem mir längst bekannten Fahrradladen …

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… und leiste mir ein besonderes 26″ MTB mit Klapptechnik….
Die Verhandlungen sind zwar zäh, aber letztlich erfolgreich: mit einem win-win Handschlag.

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