Flucht aus Tibet II

verfasst am 20. August 2010
100821-gsl-am-fenster Nach einem Tag Verhandlungspause in Bayi geht es weiter. Heike und ich dürfen jetzt im Koffer sitzen. Ein Gefühl wie im GlacierExpress.

Ein Fremder fährt den Gelben.
Ich hab gut zu tun mich daran zu gewöhnen.
Mr.Zhan schaltet erheblich zu früh, wie alle Chinesen,
und wenns es bergab geht, kuppelt er aus, und ackert mit den Trommelbremsen bis das sie Stinken.
Ich werde es ihm trotz vieler und anschaulicher Unterrichts- einheiten in den Pausen auch nicht mehr abgewöhnen können. Chinese eben.

100821-serpentinen Die Landschaft ist jetzt völlig abgedreht. Wir machen fast mehr Höhenmeter als Meter voraus.

Die schmale Schotterpiste liegt im dauernden Wettstreit mit den reissenden Flüssen:
Mal ist die Strasse gut gesichert mit grossen Steinblöcken im Vorteil.
Ein anderes Mal hat der Fluss die Zähne gezeigt und Teile der Strasse weggerissen.
Im Prinzip fahren wir eine 350 Km lange Einbahnstrasse. Allerdings weiss der Gegenverkehr davon nix. Gottseidank gibt es sehr wenig davon.

100821-bergstrasse Mr.Zhan findet LKW fahren anstrengend.
Er hat zwar auch schon in seinem Leben acht Jahre ReiseBus gefahren, aber er dachte er wäre jetzt eigentlich
etwas besseres.
Wenn also freie Luft draussen ist, also keine Militär- oder Polizeikontrollen erwartet werden, dann darf ich auch nochmal ans Lenkrad,

welche Wohltat, welcher Blick.

10082-gegenverkehr Die Strasse ist extrem schlecht, das Tempo drei volle Tage unter 20 km/h.
Der Gelbe springt trotzdem ohne Ende, und an einer Stelle passiert die Katastrophe.

Ich bin gerad am Steuer,
übersehe eine tiefe Querrille,
der Gelbe fliegt regelrecht ab,
und im selben Moment schreit Heike hinten aus dem Koffer.
Sie blutet.

100822-auge-2 Heike ist regelrecht an die Decke geflogen und hat sich eine Platzwunde neben neben dem Auge zugezogen.
Ihre Kamera ist durch den Koffer geschossen,
das Display zerstört.
Auweija.

Das ist nochmal ein Grund mehr,
dass wir uns über den Reiseverlauf ärgern.
Aber ändern können wir es nicht.
So gut es geht versuchen wir die Wunde zu tapen, soll ja kein markantes, neues Kennzeichen werden.
In den nächsten Tagen schillert Heike jedenfalls in allen Farben.