17.Nov.–Grenzerfahrung

verfasst am 21. November 2010

Nun bin ich in der Mongolei,
und es war noch ein Affentheater eh ich draussen war.
Ich musste mit dem Taxi zur Grenze.
Zhang, der ‘Guide’ für jede Grenze’ ist den Gelben gefahren.
An der Grenze durfte ich in den Gelben, aber hinten sitzen…
(na das kenn ich doch irgendwoher…),
doch dann musste ich in einen Russenjeep umsteigen, bis zum Schlagbaum und so weiter…..

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Um 18h schliessen sie hier für gewöhnlich,
um 18.45h bin ich in die Mongolei eingereist.
Letztlich hat Zhang einen lokalen AgenturMenschen eingeschaltet, und der hats dann zustande gebracht. Zum Schluss haben sie die letzten kleinen Papierschnipsel im Lauftempo abgeholt und neu verteilt.

Meine Grenzabfertigung in Mongolia, war ok. Alles im TotalDunkel, schwer zu durchschauen.  Ich bin dann auch mal locker an allen Kontrollen vorbeigefahren, aber man hat mich eingefangen, und dann persönlich von Station zu Station begleitet. Brauchte mich in keine Schlange einreihen. (alles Mongolen auf der Rücktour vom Einkaufen in China).
So geht’s eben auch, wenn ich schon (wie in China) keine Schilder lesen kann.

Die Bewohner Chinas sagen sehr stolz und auch wirklich sehr freundlich und ganz oft „Welcome in China“. Dabei strahlen sie mit den Lebkuchenherzen um die Wette.  Aber das Government traut sich nicht auch so zu handeln. Die haben die totale Angst, dass man „dem China“ diese Position in der Welt einfach wieder wegnimmt. Dabei geht das gar nicht mehr, aber die Chinesen trauen eben genau diesem Braten nicht.

Anschliessend wurde es noch mal richtig spannend.
Das Grenzkaff auf der mongolischen Seite ist wirklich das letzte StaubChaosDorf. Das wusste ich ja schon von der Hinfahrt. Also war mein Plan einfach durchs Dorf, bis alle Lichter verschwunden sind (war ja schon stockdunkel, ca 19h), und dann in der Steppe etwas abseits der Piste (Strassen gibt’s keine mehr, nur mehr Fahrspuren) nen Schlafplatz nehmen.
Okay.
Schon im Dorf fährt so ein Russenjeep ne ganze Zeit hinter mir her. Leicht zu erkennen, weil nur ein Hauptscheinwerfer geht. Hinten ein komisches grünes, zusätzliches Licht. Sieht man hier aber häufiger. Er setzt mehrfach zum Überholen an, schafft es dann auch, und fährt wenige hundert Meter vor mir an den rechten Strassenrand, stoppt, und macht alle Lichter aus.
Ich fahr gemütlich mit 20 bis 30 Km/h vorbei.
Nächster Durchgang: er startet wieder, überholt mich, fährt voraus, hält rechts an, macht alle Lichter aus.
Ich wieder gemütlich vorbei.
Die Piste gabelt sich, ich erwische den falschen Zweig, es geht in ein abgezäuntes Gelände hinein, der Jeep bleibt am Zaun stehen.
Ich komme auch nur 500 Meter weit. Ein Schlagbaum. Ich wende, fahre zurück, am Jeep vorbei.
Der dreht, fährt wieder hinter mir.
Ich fahre langsamer.
Er fährt genau neben mir. Keine Scheibe runter, kein Gesicht zu erkennen.
Ich leuchte mit der Taschenlampe rein, erkenne aber auch dann nix. Alles während langsamer Fahert.
Ich fahre weiter, mache mir aber Gedanken über meinen Schlafplatz. Solange Der nicht weg ist, macht das keinen Sinn.
Alle Strassenbeleuchtungen aus dem Grenzdorf sind verschwunden, stockfinstere Nacht, bis auf den Halbmond. Mein GPS zeigt mir eindeutig den Weg, es ist der gleiche rückwärts den ich hergekommen bin. Ich fahre quasi auf meiner eigenen Spur von vor gut drei Monaten zurück.
Doch plötzlich winken Menschen auf der Piste.
Mit rotem Leuchtstab, ein Polizist, jedenfalls hat er ne Uniform oder so an.
Und ein Typ mit Pudelmütze, der scheint noch wichtiger zu sein.
Ich solle stehen bleiben, und den Motor ausschalten.
Sie wollen Fahrzeugpapiere und Passport sehen. Dann durchsuchen sie den Gelben Koffer wirklich gründlich. Alle Schubladen soll ich auf machen. Die Aussenstauräume bleiben alle unkontrolliert. Ich muss aufpassen, dass keiner von den beiden ne Chance hat, in einem unbebachteten Moment etwas „verschwinden“ zu lassen. Irgendwie verstrickt mich die Pudelmütze immer in ein Gespräch, während die Uniform in den Schubladen arbeitet.
Dann hält der Russenjeep von unterwegs genau hinter mir.
Im ersten Moment denke ich: ohja, das ist auch Polizei, die wollten wissen was ich hier so des Nächstens herumfahre, aber denkste. Jetzt gehts los.
Es handelt sich hier wohl um einen Checkpoint der Polizei, die den gesamten Verkehr zur Grenze schon vor dem Grenzdorf kontrollieren.
Die Typen aus dem Russenjeep kommen auch zur Polizei und erzählen viel. Daraufhin kommt die Pudelmütze und bittet mich mit zum Russenjeep zu kommen. Er zeigt auf die Beifahrertüre. Ich sehe einen Kratzer, kaum ne Delle. Und wer diese Russenjeeps der Mongolen kennt, der weiss, dass eine Delle nullkommanix ist. Die sind völlig zerstört unterwegs, fahren mit platten Reifen, und die Türen schliessen nicht oder fehlen ganz.
Jetzt versteh ich sofort was hier abgeht. Der Mongole aus dem Russenjeep versucht klar zumachen, ich hätte ihn gerade eben gestreift oder sogar gerammt. Es geht um Geld, was sonst. Der reicheste Typ in dieser Runde bin ich, das sieht doch jeder. Geld ist Gelb.
Ich flippe ‚immediatly’ aus, werde laut. Protestiere auf deutsch und englisch, gerade was schneller geht. Ich meine, wenn so eine Dünnblechkiste meinem Gelben zu nahe kommt, dann sieht das für gewöhnlich vollkommen anders aus. Dann kann man IMMER den Leiterrahmen sehen, wenn so ein KinderGocart denn einen hat.
Zudem verweise ich auf die BauHöhe des Gelben. Für diesen Kratzer müsste ich meinen Gelben um mindestens 40cm tiefer legen. Das macht bei euren Pisten hier wirklich keinen Sinn.
Die Polizeimenschen haben schnell ein Einsehen und winken ab. War doch eindeutig zu blöd gepokert von dem Russenjeepmongolen, und der verschwindet.
Die Pudelmütze meint jetzt sie wäre mein Freund. Wir gehen ins GerZelt und er füllt ne Kladde aus. Kennzeichen? Woher? Wohin? Macht 10 US Dollar!
Okay, dann flippe ich eben wieder aus! Wieso fahre ich vor drei Monaten von Ulan Bataar über Saynshand und bis genau hierhin, und es kostet Nullkommanix, und jetzt 10e???
Nöö, zahl ich nicht. Warum überhaupt, sein Mittagessen muss er sich schon selber kaufen.
Mein Redeschwall ist längst erprobt, und verfehlt auch hier seine Wirkung nicht. Die Mütze winkt ab, gibt mir Papiere zurück und einen kleinen Laufzettel, den ich garantiert bis nach Deutschland mitbringen werde, weil ihn kein Mensch mehr sehen will. Und soviel Wert ist er dann auch: Nix.
Zur Belohnung erkläre ich jetzt der Mütze, dass er mein Freund ist, und halte ihm meine „take five“ hin. Er schlägt ein, aber richtig freuen kann es sich wohl darüber nicht, komisch.

Ich bin dann noch so 15 Km durch die Nacht gefahren, hab eine Gabelung genau mittig genommen, und bin weg von allen Pisten ins Nullkommanix gefahren.
Aber wirklich gut geschlafen hab ich nicht.
Es ging immer wieder ein guter Wind auf, und ich hab dummerweise quer zur Windrichtung geparkt.
Und ansonsten war es so ausgesprochen ruhig da draussen. Das bin ich aus China wirklich nicht mehr gewöhnt….
Anyway, ich bin in Mongolia, endlich !