10.Dez.–Gedreht und nicht geschüttelt

verfasst am 10. Dezember 2010
1_101204-uaz-m-schraglage Den mongolischen Altai im Winter zu fahren ist hart.
Viele Pisten sind komplett unter dem Schnee verschwunden. Keine Fahrspuren zu sehen.
Und wenn dann mal Fahrspuren die Orientierung erleichtern, dann sind sie nicht zu benutzen, weil metertief voll Schnee geweht.

Ich steige oftmals aus, um zu Fuss herauszufinden, welcher Weg der beste ist. Ich muss unbedingt solche gefährlichen Schräglagen wieder bei diesem UAZ vermeiden. Oder schiebe ich nur übertriebene Panik ?

2_101204-minus-29 Das Thermometer fällt weiter. Dank der Standheizung kann ich morgens den Motor vorwärmen. Eine Stunde braucht der Berg aus VollMetall, um aus dem Tiefkühlbereich auf Null Grad “warm” zu werden.

Die Koffertüre klebe ich ab, zuviel eisiger Wind drückt auf die Türdichtung.

Meine Wasseranlage funktioniert einwandfrei. Wie gut, dass alle Tanks zusätzlich eine Heizschleife der Heizung abbekommen haben.

3_101210-dreher-eisplatte 10 Tage Zeit für 5.000 Kilometer, quer durch Sibirien. Das TransitVisum der Russen gibt nicht mehr her.
Ich stell mir den Wecker, denn ich will und muss mit dem ersten Tageslicht schon unterwegs sein.

Immer wieder Vereisungen auf der Strasse. Komprimierter Schnee wird bei -20° zur Eisplatte. Ein kleines Problem, wenn eine Radseite noch Asphalt findet. Ein grosses Problem wenn aber das Eis über die ganze Breite geht. Dann heisst es Ruhe bewahren.
Zwischen Tjumen, Celjabinsk und Ufa kommst ganz dick, das sind immerhin 1.500 Strassenkilometer = 3,5 Fahrtage.

4_101210-dreher-t Zweimal rutscht mir das Heck beim Überholen zur Seite weg, aber ich kanns wieder einfangen.
Kurz hinter Celjabinsk, in einer leichten Kurve bricht dann das ganze Fahrzeug aus. Tempo 45, ich war schon auf der Hut.
Ich dreh mich um die eigene Achse und rutsche die Böschung hinunter. Wie versteinert warte ich auf das was passiert. Jetzt bloss kein Umkippen…
Im tiefen Schnee komme ich in leichter Schräglage zum Stehen. Mein Glück: die Böschung ist hier nur einen Meter hoch.
Mit einigen Anläufen und allen Sperren komme ich so gerade wieder auf die Strasse zurück
5_101213-weggerutscht-sattels2 Andere haben da weniger Glück und hängen unglücklich neben der Strasse.
Ich sehe in den nächsten drei Tagen mindestens 20 frische Abdreher.
Die Spuren im Schnee zeugen von vielen Dutzenden von Ausrutschern seit dem letzten Schneefall.
Das ist nicht so einfach,
im Winter durch Sibirien.