Ausreise Ukraine

verfasst am 6. Juli 2009

Auf mit munteren Hallali, es geht raus aus der Ukraine, und…
ich bekomme nen Laufzettel.
Ne, bekomm ich doch noch nicht. Ich soll in das Mini-Büro gehen.
Dort sitzt eine Kleine, die noch keiner wollte, zu dick, zu unbeholfen, und auch nicht blond.
Jetzt macht sie in Versicherungen. Kfz-Versicherungen. Hab ich aber, steht extra in meiner grünen Versicherungskarte und sie glaubt es auch.
Aber da kommt ihr Boss im AngeberSportdress. Der wills Geschäft, ich aber nicht. Dauert knapp 5 min., dann muss auch er dran glauben. Die Lady hatte es eh schon.

Dann wieder zum LaufzettelMann. Das sind quasi die Schrankenwärter bei allen Grenzen.
Very wichtig !
Und er lässt mehrfach das Wort “presenta” oder so verlauten.
Das kenn ich schon. Das heisst wohl “Geschenk”. Aber auf den Ohren bin ich locker taub, und zwar in stereo.
Ich zeige verständnisvoll aber verständnislos mit beiden Händen auf meine schwachen Ohren. Er winkt ab.

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Endlich in die Abfertigung hinein.
No.2 ist ganz locker, lacht strahlend als er sieht, dass ich aus Deutschland komme.
Auf der Rückseite des Laufzettels schreibt er die Zahlen 3, 5 und 9 untereinander. Wieviel soll ich bezahlen ????
Nix bezahlen, nur die Büros mit diesen Nummern ablaufen. Ich gehe etwas erleichtert und neugierig zugleich zu No 3.
Falsch! Der will erst als letztes dran kommen.
Ich solle die Zahlen von unten nach oben ablaufen. Hmm, mach ich gern, erklärt sich aber nicht. Anyway.
No 9 ist nur freundlich, redet ein bisschen und stempelt dann.

Okay, der nächste bitte. zu No 5.
Der Hammer, fast unpassierbar. Ein Mann der Vorschriften, wohl kaum der Korruption.
Das Problem ist schnell erklärt. Ich bin auf Transit, nicht auf Urlaub, und da kann ich mich selber fühlen wie ich will.
Ich komme aus Polen und will gerade nach Russland ausreisen, also Transit.
Ich brauche ein Transitpapier, das habe ich aber nicht. Will ich auch nicht, denn mir schwant dass das alles kostet.
Er lamentiert, zeigt mir so ein Papier, ein beschriebenes. Denn die Blankos gibts in der Stadt, nicht am Zoll.
Ich zeige mich wenig neugierig, wo ich so ein Doku bekomme. Ich fühle mich als Urlauber und nicht als Transiter, und da besteh ich drauf.
Er schlägt seine Stirn in tiefe Falten und fertigt nen LKW mal ab.
Dann ich wieder. Ja, ich steh immer noch hier !

Er nimmt wieder dieses Papier. Mein Fahrzeug sei über 6to, und da werden beim Transit Strassengebühren fällig. 1.500 Kilometer für 300 Euro.
Rund 20 vollgeredete Minuten später sind es 100 Euro. Und wenn erst mal die Verhandlung anfängt, dann bleib ich eisern bis trocken.
Mein Paragraphenreiter aber auch. Er tut sich sichtlich schwer. Ich rede von Urlaub und KEIN Transit.
Dann eine neue Stragegie: er möge doch mal einen Vorgesetzten oder so anrufen. Vielleicht wüsste der mehr und besseres….
Er winkt ab, faltet seine Stirn noch mehr, zaudert, dreht sich, windet sich…, und stempelt ab.
Aber ich kann ihm sein schlechtes Gefühl ansehen. Ich glaube, da bin ich sein Fall “Glaube vor Unrecht”.
Okay, das war knapp.
No 3 ist harmlos und in 20 sek. abgestempelt.
Laufzettel komplett. Ausreise natürlich nicht.

Ich geh zum Officer zurück, zeige stolz meinen vollgestempelten Ausweis, und er fragt nach deutschem Bier.
Diese Logik wird mir immer verborgen bleiben. Ich winke natürlich ab. Ich bin doch der Fahrer, wenn ich da Bier trinken würde, dann würde er mich doch sofort verhaften, oder ?
Er gibt vorerst auf und überstellt mich an No 6.
Der will den Gelben von innen sehen. Ist locker gründlich, und gibt ein okay.
No7 ist wohl von der Militärpolizei. Nicht mal nen Streifen hat der auf der Schulter. Ich bin etwas beleidigt mit dem Nachwuchs konfrontiert zu werden.
Er will den Wagen sehen, und zwar von aussen UND innen. Wir fangen mit den Staufächern aussen an. Er ist überrascht über meine Schraubensammlung. Von meiner Schuhsammlung weniger. Nur drei Paar.
Koffer innen. Ich fahre meine Treppe nicht runter, er muss sich hochwuchten.

Oben angekommen meint er im Dunkel des Koffers: Für 20 USDollar würde er auf die weitere Durchsuchung verzichten.
Möchte ich aber nicht. Ich freu mich, wenn ich meinen Wagen mal zeigen darf. Und die Grenzer sind schliesslich das dankbarste Publikum.
Und schliesslich habe ich Urlaub und er nicht. Aber das denk ich mir nur.

Als wir das Bad zwischen haben, und ich Zahnbürste und Duschbad auspacke, da entschuldigt er sich. Er zeigt auf seine fehlenden Streifen und meint das wäre die Vorschrift.
Ich bin sehr sehr verständnisvoll, und öffne nach seinem Fingerzeig die Wäschekammern.
Da hatte ich zwei Rotwein wirklich schlecht versteckt, und er findet sie.
Dann die Flasche Edelgrappa für die lauen Sommerabende unter dem Sternenhimmel in der usbekischen Wüste.
Auweija. Das macht meinen Junior an.
Wodka ? Wiskey ? Natürlich nicht! Er sucht auf der Flasche, kann aber nix damit anfangen. Ich nutze seine Bildungslücke und sage “Weisswein”.
Er lacht und schüttelt sich. Wie kann man den sowas trinken.
ABER !!! Mit den beiden Roten ist das die dritte Flasche Wein im Auto. Eine zuviel !
Keine Ahnung. Kenne die Freigrenzen nicht, hab aktuell auch keine Lust drauf. Er nimmt sich ne Pulle Roten und konfisziert sie.
Komisch nur, als er sie unter der Jacke weg trägt.
Immerhin, das war der vorletzte, der zu bezwingen war, der letzte schaut nochmal ins Fahrerhaus, ob ich wirklich alleine unterwegs bin, nimmt den Laufzettel, und entlässt mich zur russischen Einreise.
Zwei Stunden, das geht doch, ich bin doch auf Urlaub !

Faszit: der Rote hat dran glauben müssen. Schad’ drum, aber in Anbetracht……
Und im Niemandsland, noch vor der russischen Grenze, mache ich einen Stopp, und kümmer mich mal um meine Ladung.
Die Flasche Grappa wie etliche andere Bier- und Weinflaschen verschwinden endlich mal in den letzten Winkeln und Verstecken.
Wär doch gelacht !
Russland, jetzt DU !