Ausreise Kirgistan

verfasst am 15. August 2009

Ausreise in West Kirgistan nach Tadschikistan.
Lt. LP ist dieer Grenzposten nur von einheimischen Bauern links und rechts der Grenze nutzbar, für alle anderen gilt: “Closed”

Sie wollen mich also auch nicht reinlassen.
Mein Grenzoberer (im folgenden nur noch “mein Mann”) hat mehrfach mit seinem Kommandeur telefoniert.
Dann hat mein Mann sein Handy auch mir gegeben und ich hab selbst mit dem Chef vom Chef ganz gut englisch gesprochen. Sie bestehen allesamt darauf: dies ist keine internationale Grenze und ich muss zurückfahren.

Da stehen also 20 Min. Fahrzeit auf direktem Wege zur tadschikischen Grenze gegenüber mehr als einer ganzen Woche Fahrtzeit über Murghab und Co. bis Dushanbe.
Und die Wege, die kenne ich bereits. Nein Danke, die sind nur grausam und Materialverachtend.
Das mit der geschlossenen Grenze…, das wusste ich doch schon.
Ich habs halt versuchen wollen.
Also wenn ich ein richtiger Globetrotter werden will, dann darf mich sowas nicht von meinen Plänen abhalten. Dann gilt es solche Aufgaben zu meistern…..

Es wird dämmrig.
Mein Mann räumt mir ne 20% Chance für den nächsten Tag ein.
Morgen kommt sein Kommander “Nr.Höher” aus Bishkek. Also der Chef vom Chef vom Cheffe. Vielleicht…..

Und ich hab auch keine Lust im Dunkeln weiter zu fahren, weder vorwärts noch rückwärts.

Von einem anderen Mr.Wichtig werde ich sehr ausführlich zu den Terroristen auf der Nordroute Kala-Khum befragt. Weshalb ich die Südseite gefahren sei, woher ich gewusst habe, dass die Nordroute gesperrt sei. Ich hab ihm dann Fotos angeboten, um zu zeigen wie ich gefahren bin. Die Brücke mit den Stahlplatten erkennt er wohl wieder, so ist meine südliche Route bestätigt. Ein gutes Alibi, kein Kerker.

Was auch allesamt sehr stutzig macht, dass ich von der Grenze bei Sary Tash, Einreise Kirgistan bis zu dieser Grenze drei Tage gebraucht habe (sichtbar am Einreisestempel Kirgistans). Das sei ganz besonders komisch. Zumal ich ja einen auf Geschäftsreisend mache, als „Driver“ vom Gelben…. Und drei Tage für dieses Stückerl ????

Ok, und wenn das morgen sogar funktioniert mit der Ausreise, (meine Ausweise lasse ich erstmal bei meinem Mann), was sagen dann die Tadschiken ?
Ich hab null Bock wieder zurück nach Murghab zu fahren, dann eher Osh, aber das sind extrem schlimme Strassen, die Fahrerei war kein Zuckerschlecken.

Dann bin ich auf dem Weg nach hier auch noch falsch abgebogen, mind 30 km Umweg, und dann hab ich zufällig angehalten weil meine Spur vom MAN nach einem Schlag der Sonderklasse daneben liegt.
Ich muss das Lenkrad jetzt nach rechts halten damit er geradeaus läuft, das gefällt mir gar nicht.
Kann sein dass ich auf die Spurstange aufgeschlagen bin und die hat dann ‘nen Bogen drinne, also laufen beide Vorderräder nicht mehr parallel.
Hier auf dem Schotter ist das nicht gar so schlimm, aber auf Teer dürfte dann der Reifen extrem schnell einseitig ablaufen. Zudem ist das Geradeaus Handling eindeutig schlechter. Muss ich irgendwie irgendwo reparieren, einstellen lassen.
Und gerad als ich aussteige, da stand ein Motorrad mit Beiwagen neben mir, der hatte keine Luft mehr. Da konnte ich helfen, aber oh Schreck, mein Staufach hinten, Fahrerseite ist voll Diesel. Da ist der Reservekanister wohl ausgelaufen, obwohl ich ihn dicht und gründlich verschlossen hatte, als ich die drei Liter dem Tadschiken gespendet hatte, vor Tagen.

Was ein Glück das ich mein „Brötkörbchen” dabei habe, einzeln verpacktes Vollkornbrot. Seelenbalsam in Notzeiten. Da lege ich eine der letzten Scheiben Käse aus D gerad’ drauf. Geht besser…..

Von meinen paar Problemen hab ich nur eins gelöst. Ich hab neuen Diesel getankt, fast 100 Liter zu nem guten Preis und bezahlt in Dollar. Das geht immer problemlos.
Den Müll hab ich noch immer, und zwar das ganze Staufach voll. Hab ihn zuletzt in Dushanbe geleert, das ist hier schwieriger als die WC Kassette zu entleeren. Und kein frisches Wasser hab ich nachgebunkern können. Und Sprudel konnte ich auch nicht einkaufen. Aber das liegt auch daran, weil ich nicht weiss welche Währung ich tauschen soll. Komme ich nach Tadschikistan rein, dann hab ich sogar noch ein paar Sumonis.

Ganz zum Schluss des ersten Tages an der No-go-Grenze fragt mein Mann dann auch nach „Money“. Ich frage zurück „how much“, aber da zieht er die Frage schon wieder zurück. Wahrscheinlich weil längst viel zu viele Bescheid wissen was ich will und nicht bekomme.

Morgen zwischen acht und neun weiss ich mehr.
Immerhin hab ich langlaufende Visas, das ist nicht typisch für einen Touristen, sondern eben mehr für den hier arbeitenden.
“Gute Nacht” und gut beschützt.

Ich wache noch genau vor dem Wecker auf (7.40h). Ein Kaffee und dann will ich wieder hin. Da kommt gerade ein Jeep vorbei, hält am Office und der Aussteiger wird umfangreich begrüsst. Das ist er also, der Herr aus Bishkek. Meine 20% Chance.

Ein Kamaz ist auch eingetroffen, parkt vor mir. Ich geselle mich zum anschwellenden Haufen dazu.

Leider hebe ich die Hand zum Grusse und rufe „guten Tag“ in die Runde, statt jedem die Hand zu geben, wie nem alten Freund. Ist hier so üblich und für mich etwas befremdlich, wo wir uns doch in Deutschland gerade das “Hände geben” abgewöhnen. Muss nächstes mal professioneller vorgehen.

Aber Monsieur Bishkek besteht sofort und sehr einsilbig auf „kein Internationaler Zoll” und ich müsse umdrehen. Seine Sprechweise und Gestik ist kurz angebunden, abweisend, undiskutierbar. Da war mein Mann von gestern aber netter drauf.
Mein Reisepass wird nochmal geprüft, aber kein Änderung.
Der Kamaz Mann wird rangewunken. Auch viel Umstand bei ihm. Papier Kontrolle. Und ich kann zusehen, wie grosse Kartons aus dem Kamaz herausgeholt wurden und in den Jeep des Mr.Bishkek umgeladen werden
Langes Warten für mich.

Dann soll ich noch mal mit dem Bishkeker ins Büro. Und hier versuchte er mir nur noch mal zu erklären, das dies kein intern Zoll sei, und ich umdrehen müsse.
Dann spricht er kurz von „Money“, verwirft seine Frage aber wieder, genau wie mein Mann gestern.
Vierter oder fünfter Termin im Büro, nach längerer Wartezeit.
Ich solle die Türe hinter mir schliessen. Wieder: “kein intern Zoll” !

Dann mein Part: aber ich arbeite in Dushanbe, hab ein Drei-Monats-Visum, auch für Kirgistan, reise dauernd hin und her, hab dazu auch very multiple entry Visum. Die Kurve zurück über Murghab und Kourough nach Dushanbe sei unzumutbar. Das gehe von meiner Arbeitszeit ab.

Aber er bleibt hart, oder soll ich es stur nennen. Wir gehen wieder nach draussen, er beschäftigt sich noch mal mit dem Kamaz Mann.
Ich bleib einfach stehen, wie bestellt und nicht abgeholt. Ich versuche es nicht auszusitzen, sondern auszustehen.

Der Bishkeker ruft mich wieder, wir gehen zusammen wieder ins Büro/Container, runtergekommen, aber gepflegt.
Er fängt wieder von vorne an, ich auch. Dann redet er von Money, macht aber sogleich wieder den Rückzieher. Ich ziehe ‘nen 20er aus der Tasche und leg ihn neben meinen Reisepass. Er lässt ihn liegen. Und er redet wieder von “nix intern Zoll,” es gehe nicht, ich könne nicht durch.

Ich frage ihn, ob das sein letztes Wort sei, meine letzte Chance, er nickt. Ich packe den 20er wieder ein, nehme meinen Reisepass und die Internationale Zulassung und gehe aus dem Büro. Ich will nicht mehr, hab lang genug gehofft, dann gibt’s eben ‘nen anderen Weg weiter, Egal wie schlecht die Strassen sind.

Ich bin raus, und noch keine 30 Schritte weit, da werde ich wieder gerufen. Muss wieder zurück, wieder ins Büro.
Der Bishkeker empfängt mich wieder. Diesmal sind seine Worte erstaunlich knapp: er sagt kurz und knapp „100 Buks“.
Mein Aufschrei, viel zu viel, soviel hab ich nicht. Ich greife in meine Tasche, hatte vorher kleine Scheine dort gesammelt: ergibt 37 US Dollar. Er schaut den Haufen an, nimmt einen 1-Dollar-Schein und gibt ihn  mir zurück. Das soll dann wohl meine eiserne Reserve sein, wohl um im Notfall zu Hause anrufen zu können, oder so.
Er greift die allseits beliebte Kladde, trägt meine Daten ein, nimmt den Reisepass, stempelt ihn ab (er weiss wo alle Utensilien in diesem Container zu finden sind, muss wohl öfter hier seinen Nebenerwerb ausführen), aber der Stempel misslingt, hat kaum Farbe, also noch mal, knapp daneben, jetzt ist garnix mehr lesbar, anyway. Ich hab IHN.

Dann muss ich zum Custom, der Typ war mir schon mit seiner kompletten Morgentoilette aufgefallen. Ganz ungeniert und locker hatte er sich im Haupteingang des Containers zunächst die Schuhe mit Schuhwichse feine gemacht. Aber zum Zähneputzen (Colgate) ist er dann doch 20 Schritte ins Grün gelaufen. Weiter vorne spuken ja auch alle ins Grün, ich dachte das machen nur die Chinesen.

Der Kamaz-Fall kommt wieder dazwischen. Er ist mit seinem LKW vorgefahren, und ich kann aus dem Fensters sehen wie draussen Beutegut verteilt wird. Da darf der „Custom“ nicht fehlen, sonst läuft er Gefahr bei der Zuteilung übergangen zu werden.
Der Custom kommt wieder zurück, füllt alles aus, fragt nach „Money“, zieht seine Frage aber auch sofort wieder zurück. Das muss dann wohl ne Direktive gewesen sein, und der „Money“-Reflex eben noch aus alten Zeiten kommen. Fast, jedenfalls.

Ich solle mit dem Gelben vorfahren. Gerne, immerhin ‘nen Schritt weiter. Koffertüre öffnen, und drei, vier kommen zur Beschau. Und sind überrascht und auch erfreut. Zwei, drei Schubladen aufmachen, keine Stauräume, ok.
Dann ruft mich mein Mann von gestern wieder zu sich. Okay, und wir landen wieder im ContainerBüro. Er schaut meinen Reisepass an, aber der Stempel ist drinne.
Jetzt holt mein Mann etwas weit aus.
Er wäre doch gestern sehr bemüht gewesen, hätte das „Mobile“ eingesetzt, hätte sich gekümmert, und, und, und. Und wie viel den der Bishkeker bekommen hätte, 100 Bucks ? . Das fühlt sich für mich so an als ob er immer 100 Bucks verlangt, der Bishkeker.
Ich aber beschwichtige meinen Mann, viel weniger. Mein Mann läst nicht locker, 80, 70 ? ich sage ‚less’, mein Mann fragt weiter: 50 ?, ich sage noch weniger. Und hab tatsächlich Erbarmen mit ihm. Ja so etwas hab ich auch schon mal. Also ziehe ich ‘nen 10er aus der Tasche und gebe ihn im.
Er schaut den Schein prüfend an, beinahe hätte er ihn als Fälschung entlarvt, so genau studiert er ihn.
Aber dann sind alle zufrieden. Und ich kann nicht nur gehen, sondern auch fahren, uiuiuih.

Dabei komm das dickste doch noch wohl, die Tadschiken. Und was wenn die mich zurück weisen, bekomme ich dann von den Kirgisen das Geld wieder ????

090816-geschafft-kirgisische-grenze

Geschafft, ein kleins Wunder.

Ich bin aus Kirgisien raus,
und im Niemandsland gelandet…
zwischen Kirgisien und Tadschikistan,
20 Km beste beste Schotterpiste wo gibt,
aber muss ich die gleiche Strecke wieder zurück ????